Ein Milliardär sitzt auf seiner Yacht und ist gekränkt, weil ein noch größerer Koloss vorbeizieht. Ein anderer sitzt im atomsicheren Luxus-Bunker und beschwört die Apokalypse herauf. Und zur Bar-Mizwa-Feier des Sprösslings wird für ein paar hunderttausend Dollar ein bekannter Rapper eingeflogen.
Evan Osnos offenbart die Abgründe im Gerangel um Geld, Macht und Status
Manche Anekdoten, die der US-Journalist Evan Osnos bei seinen Recherchen über die Welt der Superreichen aufgeschnappt hat, lesen sich wie eine schlechte Satire. Andere offenbaren die Abgründe im Gerangel um Geld, Macht und Status. Da besticht ein Anwalt Prüfungsaufseher, damit die Tochter am College zugelassen wird. Ein Möchtegern-Schauspieler errichtet ein Schneeballsystem und wird Hollywoods bekanntester Hochstapler. Hedgefonds-Manager bereiten sich in Selbsthilfe-Gruppen auf ihren Gefängnisaufenthalt vor.
Osnos ist in der US-Elite bestens vernetzt, er kennt Manager an der Wall Street, Makler aus Monte Carlo und saß bei Mark Zuckerberg auf der Couch. Seine Eindrücke hat er in Form von Essays im New Yorker und jetzt als Buch veröffentlicht. Ein unterhaltsamer wie düsterer Einblick in Pomp und Exzess, durchsetzt von klugen Analysen und historischem Kontext. Osnos bewertet nicht, sondern beschreibt – und entlarvt so die Skrupellosigkeit einiger Superreicher, die ihren moralischen Kompass verloren haben und lieber in Fluchtpläne investieren statt in Lösungen für die Probleme, die sie selbst mitzuverantworten haben.
Evan Osnos: Yacht oder nicht Yacht. A. d. Englischen von Andreas Wirthensohn. C.H.Beck Verlag, 315 Seiten, 20 Euro
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