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Kinokritik zu „Der Astronaut“: Ryan Gosling ist der ideale Hauptdarsteller

Filmkritik

Ryan Gosling und Sandra Hüller retten die Welt: „Der Astronaut“

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    Ryan Gosling als Ryland Grace und Sandra Hüller als Eva Stratt in einer Szene des Films "Der Astronaut - Project Hail Mary"
    Ryan Gosling als Ryland Grace und Sandra Hüller als Eva Stratt in einer Szene des Films "Der Astronaut - Project Hail Mary" Foto: Jonathan Olley;Sandra Hüller/Sony Pictures/dpa

    Lange, fettige Haare und Zottelbart – so verwahrlost wie zu Beginn von „Der Astronaut“ hat man Ryan Gosling noch nie auf der Leinwand gesehen. Sein Ryland Grace ist gerade aus einem langjährigen, künstlichen Koma erwacht. Der Mann hat keine Ahnung, wer er ist, wo er ist und warum er dort ist – in einem Raumschiff viele Lichtjahre von seinem Apartment entfernt, irgendwo im Tau-Ceti-System. Die beiden mitgereisten Astronauten neben ihm haben die jahrzehntelange Bewusstlosigkeit nicht überlebt. Nur langsam kehrt während der nächsten Tage und Wochen das Gedächtnis bruchstückhaft zurück.

    Ryan Gosling spielt in „Der Astronaut“ einen Mittelschullehrer im All

    Dem Publikum helfen derweil Rückblenden in die irdische Vergangenheit des Weltraumreisenden. Als engagierter Mittelschullehrer verdingt sich Grace in der amerikanischen Provinz. Seine Doktorarbeit zu „nicht-wasserbasierten Lebensformen“ hat den Molekularbiologen ins wissenschaftliche Abseits katapultiert. Aber gerade dieses Querdenkertum weckt das Interesse der UNO-Beauftragten Eva Stratt (Sandra Hüller), die ein Projekt zur Rettung des Planeten Erde leitet.

    Dessen Existenz wird durch Weltraumbakterien bedroht, welche die Kraft der Sonne erheblich schwächen. Eine neue Eiszeit und weltweite Hungersnöte stehen bevor. In nur 30 Jahren werde die menschliche Population auf ein Viertel dezimiert sein, so die apokalyptische Prognose. Nur ein Stern im Tau-Ceti-System scheint immun gegen die Sonnenkillerbakterien zu sein. Ein Raumschiff wird gebaut und ein Himmelfahrtskommando zusammengestellt, das sich auf eine Reise ohne Wiederkehr begibt, um das Geheimnis der Resilienz in der elf Lichtjahre entfernten Galaxie zu entschlüsseln.

    „Der Astronaut“ ist nach einem Roman von Andy Weir

    Trotz dieses dystopischen Szenarios entwerfen die Regisseure Phil Lord und Christopher Miller mit „Der Astronaut“ einen überraschend optimistischen Film. Als Vorlage diente ihnen der gleichnamige Roman von Andy Weir, dessen im Selbstverlag veröffentlichtes Werk „Der Marsianer“ vor elf Jahren von Ridley Scott mit einem sagenhaften Einspielergebnis von 630 Millionen Dollar für das Kino adaptiert wurde. Die beiden Geschichten sind durch eine klare Seelenverwandtschaft miteinander verbunden. Hier wie dort findet sich ein Astronaut allein in einer außerirdischen Umgebung wieder und stemmt sich mit wissenschaftlicher Erfindungsgabe und ungebremstem Überlebenswillen gegen die widrigen Verhältnisse.

    „Der Astronaut“ rückt jedoch schon bald von dem Einzelkämpfer-Szenario ab und stellt dem tapferen Erdling einen außerirdischen Freund zur Seite. Denn vor dem resistenten Stern wartet bereits ein anderes Raumschiff von einem Planeten, dem ein ähnliches Schicksal bevorsteht. Auch hier gibt es nur einen Überlebenden – ein steinartiges Wesen mit Krabbenbeinen, das Grace auf den Namen „Rocky“ tauft.

    Zunächst können die beiden in einem Verbindungstunnel nur durch eine dicke Glasscheibe hindurch Kontakt aufnehmen. Ähnlich – wenn auch weniger ausführlich – wie in Denis Villeneuves „Arrival“ (2016) muss auch hier zuerst eine gemeinsame Sprache gefunden werden. Mit Klopfzeichen, wildem Gestikulieren und selbst gebastelten Figuren werden die ersten Schritte zur Kommunikation zwischen den verschiedenen Spezies gesetzt. Das ungleiche Duo macht sich an die Arbeit, um das Geheimnis der Astrophagen-Immunität zu erforschen.

    „Der Astronaut“ zeigt die Freundschaft eines Menschen mit einem Außerirdischen

    Äußerst liebenswürdig wird dieses nerdige Teamwork der beiden Wissenschafts-Tüftler in Szene gesetzt, die sich mit ungetrübter Neugier für die Welt und die Gedanken des jeweils Anderen interessieren. Es ist beachtlich, wie glaubwürdig die Entwicklung dieser Freundschaft auf der Leinwand mit einem außerirdischen Wesen funktioniert, das kein Gesicht hat und nicht auf die treuen Glubschaugen einen E.T. zurückgreifen kann. „Der Astronaut“ bricht eine Lanze für die unvoreingenommene Begegnung mit dem Fremden und für die problemlösende Kraft der gemeinsamen Kommunikation. In Zeiten weltpolitischer Polarisierung ist eine solche Botschaft im Science-Fiction-Format mehr als willkommen. Vor allem weil sie hier mit viel Humor, Herz und übersprudelnden Ideenreichtum lebendig wird.

    Für ihr optimistisches Vorhaben hat das Regieduo Lord und Miller („21 Jump Street“) mit Ryan Gosling den idealen Hauptdarsteller gefunden. Dessen Star-Charisma gründet ja nicht nur auf seinem blendenden Aussehen, sondern vor allem auf jene unnachahmliche Leichtigkeit, mit der er diesen schauspielerischen Marathon über 156 höchst unterhaltsame Kinominuten absolviert. Hierzu bildet Sandra Hüller als hyperpragmatische Projektleiterin einen interessanten Gegenpol und bringt mit einer wunderbaren Karaokeversion von Harry Styles „Sign of the Times“ nur ganz kurz die innere Melancholie ihrer Figur zum Leuchten.

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