Werden Sie bei Bach kreidebleich? Oder laufen Sie bei Verdi grün an? Dann liegt das sicher nur an einem falschen Ton! Aber nein, hier ist gar nicht die Rede von den Tönen in der Musik – so schön wie sie letztens zum Beispiel aus der alten Quetschkiste ächzten, als Ihnen der Enkel zu Ostern ein Lied auf dem familiären Erb-Akkordeon vorspielte. Das klang mit Garantie so goldig wie beim Gabalier. Aber vielleicht lag es am Ton Ihrer Wohnzimmercouch? Also am Farbton? So ein Canapé in Lachsrosa passt doch nicht zum Walzer „An der schönen blauen Donau“! Und die Blümchen-Tapete in Omamas Wohnküche, die leuchtet zu blumig für eine Performance von Vivaldis „Winter“. Klingt komisch? Aber da scheint etwas dran an dieser Klangfarbenlehre: Eine neue Studie belegt, dass sich die Farben, die wir vor uns sehen, wenn wir gerade Musik hören, auch auf unseren Hörgenuss auswirken.
Klangexperimente an der Technischen Universität in Berlin
Forscher der Technischen Universität in Berlin haben den Effekt getestet. Fazit: Musik in dunklen Konzertsälen, mit gedeckten Farben, gefällt vielen Menschen – und zwar besser, als wenn dasselbe Stück in einem Saal mit hellem oder knalligem Anstrich klingt. Bleibt es dunkel im Raum, schillert die Musik in unseren Ohren viel farbenprächtiger. An der Studie nahm ein Publikum von 48 Testpersonen teil: Sie setzten sich eine digitale Brille auf die Nase und sahen durch die Gläser dann ganz verschiedene Konzertsäle. Mal in Rot-, mal in Grün-, mal in Blautönen, von Sitzbezug bis Vorhang. Sie hörten dazu Musik – und vergaben danach Punkte für Klangschönheit, Klangfarbe, Klangwärme. Und das Auge? Hörte mit. Ob nun Wandfarbe Eierschal, Mauve oder Khaki: Der Ton macht die Musik.
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