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Kunst: Eine Frauenskulptur auf Zeit in der Moritzkirche

Kunst

Eine Frauenskulptur auf Zeit in der Moritzkirche

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    Der Künstler Udo Rutschmann hat „Die Beobachterin“ in der Moritzkirche Augsburg platziert.
    Der Künstler Udo Rutschmann hat „Die Beobachterin“ in der Moritzkirche Augsburg platziert. Foto: Michael Hochgemuth

    Sie steht. Selbstbewusst, aufrecht, ihren Blick nach vorn zur Figur des Christus Salvator hin gerichtet. "Die Beobachterin" heißt das Kunstwerk, eine skulpturale Installation, geschaffen vom Augsburger Bildhauer Udo Rutschmann, die jetzt in der Mittelachse des Kirchenschiffs von St. Moritz steht. Sie wird bis 24. Juni, der Langen Kunstnacht in Augsburg, dort anzutreffen sein, unübersehbar, sobald man die Kirche betritt.

    In dieser neuesten Kunstaktion der Moritzkirche wird wie schon so oft in den Raum eingegriffen – nicht störend, sondern anregend, die menschlichen Lebensfragen berührend. "Die Beobachterin", das letzte Glied einer Werkserie von Rutschmann, besteht aus einem überlebensgroßen weiblichen Korpus aus einem Geflecht zahlloser, dicht ineinander verwobener, sich kreuzender Linien. Man sieht hindurch auf das Tragskelett aus dünnen Stahlstäben, die den Korpus stützen und durchdringen. Daraus erhebt sich der Kopf, leicht nach oben geneigt, die Augen im direkten Kontakt mit dem entgegen schreitenden Christus Salvator in der Apsis.

    Mehrere Nächte hindurch hat Rutschmann in der Moritzkirche gearbeitet

    Beide Figuren haben, auch wenn es optisch täuschen mag, denselben Abstand zum Altar, stehen zueinander in nahbarer Spannung. Mehrere Nächte hindurch hat der Künstler diese Figur vor Ort im Kirchenraum um ein "Sensorium", wie er es bezeichnet, ergänzt. Sowohl in die Horizontale, als auch in die Vertikale in den Raum ausgreifend hat Rutschmann von der Figur ausgehend Rahmen aus Stahlstäben gezogen. Er hat sie durchwebt mit einem Geflecht aus medizinischen Gipsbinden, die er, nachdem er sie in Wasser getaucht hatte, gewickelt, gezogen und gedreht hat, bis sie vollständig erstarrt waren. Nach der Trocknung entstanden so häufig zerklüftete, gebrochene und spröde Oberflächen.

    Ein Kunstwerk wirkt aus sich heraus, weckt bei den Betrachtern Assoziationen. Inspiration kann sein, zu hören, warum der Künstler dieses Werk so und nicht anders erschaffen hat. So spricht Rutschmann angesichts der Fragilität seiner Figur, allein schon durch die Materialwahl, auch von den Brüchen, den Verlusterfahrungen und all dem Spröden, das Menschen in ihrem Leben widerfahren kann. Und dem es standzuhalten gilt, wie seine "Beobachterin". Sie steht fest auf ihrem Grund aus Holz, ist nicht gekrümmt, sondern aufrecht, senkt ihren Blick nicht, sondern richtet ihn selbstbewusst nach oben und gleichzeitig nach vorn zum Christus hin. Eine Figur, die sich, ergänzt es Michael Grau, Kunstreferent an der Moritzkirche, "durch ihr Beobachten mit der sie umgebenden Wirklichkeit verbindet, nicht voyeuristisch, sondern in sich ruhend, absichtslos". Dabei komme es zu einer Wechselbeziehung: Die Beobachtende wird selbst zur Beobachteten durch die, in deren Mitte sie steht und in deren Raum sie feinfühlig ausgreift.

    Eine weitere Deutung: Durch die weibliche Figur wurde den Mann-Skulpturen im Hauptschiff der Moritzkirche ein Femininum gegenübergestellt. Michael Grau: "So stelle ich sie mir vor: Sie ist groß in ihrer Dimension, beeindruckend in ihrer inneren Kraft, aber filigran und verletzlich, fast transparent."

    Die Installation von Udo Rutschmann ist bis 24. Juni zu sehen. Dann haben Besucherinnen und Besucher der Moritzkirche die Gelegenheit, die "Beobachterin" während der Öffnungszeiten der Kirche zu "beobachten".

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