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Literaturnobelpreis: László Krasznahorkai erhält höchste literarische Auszeichnung

Nobelpreis

Literaturnobelpreis für László Krasznahorkai: Der „ungarische Meister der Apokalypse“

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    Der Literaturnobelpreis geht in diesem Jahr an den ungarischen Schriftsteller László Krasznahorkai.
    Der Literaturnobelpreis geht in diesem Jahr an den ungarischen Schriftsteller László Krasznahorkai. Foto: Gyula Czimbal, MTI/epa/dpa

    In den vergangenen Tagen war sein Name durchaus aufgetaucht unter denen, die als Kandidaten für den Nobelpreis gehandelt wurden. Und doch kommt die Entscheidung des Nobel-Komitees überraschend, dass László Krasznahorkai den weltweit prestigeträchtigsten Literaturpreis zugesprochen bekommen hat. Im Vergleich etwa zu Namen wie Thomas Pynchon oder auch Christoph Ransmayr ist der Ungar Krasznahorkai dann doch noch zu wenig bekannt in der breiten Leserschaft, jedenfalls in Deutschland.

    Dabei ist das Werk des 71-Jährigen seit vielen Jahren auch hierzulande sichtbar. Einer der großen deutschen Verlage, S. Fischer in Frankfurt, sogt für die Präsenz von Krasznahorkais Romanen und Erzählungen in deutscher Übersetzung. Zu seinen bekanntesten Werken zählen „Satanstango“ und „Melancholie des Widerstands“, zuletzt erschienen auf Deutsch der Roman „Herscht 07769“ und der Erzählband „Im Wahn der Anderen“. Krasznahorkai konnte auch bereits auf eine stattliche Reihe von Auszeichnungen zurückblicken, darunter 2021 der Österreichische Staatspreis für Europäische Literatur sowie 2015 der International Man Booker Prize.

    Ein „unwiderstehliches und visionäres Oeuvre“

    Nun also der Nobelpreis für Literatur für den aus Gyula stammenden Autor, eine Stadt im Südosten Ungarns an der Grenze zu Rumänien. Wie Mats Malm, der Ständige Sekretär der Akademie in Stockholm, am Donnerstag formulierte, erhält Krasznahorkai die Auszeichnung „für sein unwiderstehliches und visionäres Oeuvre, das inmitten apokalyptischen Terrors die Macht der Kunst bekräftigt“. Nach Auskunft der Akademie waren in diesem Jahr rund 200 Kandidaten für die Auszeichnung im Rennen gewesen.

    Krasznahorkai studierte zunächst Jura in seiner Heimat, bevor er sich auf das Studium der ungarischen Sprache und der Literatur verlegte. In den 1980er Jahren lebte er einige Zeit in Berlin, danach zog es ihn nach Asien. Heute lebt er im italienischen Triest, der Stadt an der Adria, die geprägt ist von ihrer Geschichte im einstmaligen habsburgischen Vielvölkerstaat.

    Dystopische Atmosphäre in kleinen Städten

    Erste breitere Beachtung fand Krasznahorkai mit seinem Mitte der 1980er Jahre erschienenen Roman „Satanstango“. Im Setting eines Dorfes, in dem nur noch wenige Menschen leben und in das ein zwielichtiger Heilsversprecher kommt, entfaltet sich jene dystopische Atmosphäre, die auch weitere Büchern dieses Autors durchzieht. Die amerikanische Essayistin Susan Sontag äußerte dann auch einmal, Krasznahorkai sei der „zeitgenössische ungarische Meister der Apokalypse“. Auch in „Melancholie des Widerstands“ ist es eine kleine Stadt, die den Ausgangspunkt der Romanhandlung bildet. Hier entsteht die Bedrohung für die Bevölkerung durch einen Zirkus, der in den Ort einzieht und dort den Leichnam eines riesigen Wals präsentiert. Unschwer sind Krasznahorkais Erzählmuster als Parabeln zu lesen auf gesellschaftlich-politische Phänomene in Osteuropa; aber nicht nur dort.

    Das zeigt unter anderem Krasznahorkais zuletzt auf Deutsch erschienener Roman „Herscht 07769“, der in Thüringen spielt. Wieder ist die Geschichte in einer Kleinstadt angesiedelt, die Hauptfigur ist ein gewisser Florian Herscht, der, jung und orientierungslos, in die Fänge eines Unternehmers gerät, von dem der Leser nach und nach erfährt, dass ihn rechtsradikale Motive umtreiben. Ein Roman, der insbesondere sein deutsches Publikum an die tödlichen Umtriebe des NSU erinnert. Herscht, der zunehmend in Weltuntergangsstimmung gerät, schreibt auch warnende Briefe an Angela Merkel, die er mit dem Absender „Herscht 07769“ – letzteres die Postleitzahl – versieht, was den eigenwilligen Titel des Romans erklärt. In Deutschland wurde in Besprechungen vermerkt, dass dieser wuchtige Text eigentlich von einem deutschen Autor hätte kommen sollen.

    Krasznahorkais Sprache ist von stilistischer Brillanz

    Ohne Frage ist der Nobelpreisträger des Jahres 2025 ein höchst produktiver Schriftsteller. Aber die Quantität ist es nicht allein, die das Nobel-Komitee veranlasst hat, Krasznahorkai die bedeutendste Auszeichnung der literarischen Welt zu verleihen. Nach Meinung von Komitee-Mitglied Steve Sem-Sandberg ist der Ungar wesentlich ein Autor, der die europäische Epik zu neuen Höhen führe, was auf die stilistische Brillanz von Krasznahorkais Sprache und auf die ausgeklügelte Struktur seiner Geschichten zielt. Einige der Bücher wurden auch bereits verfilmt, darunter „Satanstango“ vom ungarischen Regisseur Béla Tarr.

    Zweifellos hat das Stockholmer Komitee mit seiner Festlegung auf László Krasznahorkai eine Wahl jenseits von Buchverkaufserfolgen und tagesaktueller Thematik, sondern im Hinblick auf den Primat des Literarischen getroffen. Was den Anspruch der mit elf Millionen schwedischen Kronen – etwa einer Million Euro – dotierten Auszeichnung auf Weltgeltung unterstreicht.

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