Eine triumphierende Fanfare und goldene Gebäude im Welleneffekt, die sich zu dem Schriftzug „WB“ zusammensetzen: Das Intro des Warner Bros Filmstudios kennt wohl jeder. Bald könnte es um das Netflix-Intro mit dem dramatischen „Ta-dumm“-Geräusch ergänzt werden. Oder doch mit einem Berggipfel und dem Schriftzug „Paramount“ darüber? Die Übernahmeschlacht um das hochverschuldete Warner Bros Studio wirkt wie ein Tischtennisspiel, bei dem keiner weiß, wer am Ende der Sieger sein wird. Wer wird das Filmstudio übernehmen, Netflix oder Paramount?
Eigentlich schien es schon beschlossene Sache zu sein: Am 5. Dezember gab der Streamingdienst Netflix bekannt, Warner Bros (WB) für 82,7 Milliarden Dollar übernehmen zu wollen. Das allein sorgte schon für mediales Aufsehen, immerhin ist Netflix der Top-eins-Streamingdienst weltweit. Wenige Tage danach machte jedoch das Filmstudio Paramount plötzlich ein Gegenangebot von 108,4 Milliarden Dollar – über 20 Milliarden Dollar mehr als Netflix. Eine große Summe, die WB scheinbar selbst zu hoch schien. So bezeichnete das Studio das Angebot von Paramount als „illusorisch“ und zweifelte an dessen Finanzierung. Auch Warner-Verwaltungsratschef Samuel Di Piazza erklärte laut Handelsblatt, dass eine „Fusion mit Netflix einen höheren und sichereren Wert für unsere Aktionäre darstellt“. Paramounts Angebots wurde also abgelehnt, Netflix schien wieder der Gewinner zu sein.
Paramount gibt nicht auf: Eine Bürgschaft in Milliardenhöhe
So schnell ließ sich Paramount allerdings nicht abwimmeln. Larry Ellison – Milliardär und Vater des Paramount-Chefs David Ellison – kündigte vor Kurzem an, persönlich 40,4 Milliarden Dollar des Deals zu garantieren. Sollten also Teile der geplanten Finanzierung – bestehend aus Krediten sowie Staatsfonds aus Saudi-Arabien, Abu Dhabi und Katar – wegfallen, bürgt Ellison für diese. Ursprünglich hätte auch die Investmentfirma von Trumps Schwiegersohn Jared Kushner in den Deal miteinsteigen sollen, diese machte aber nach der vermeintlichen Niederlage von Paramount einen Rückzieher.
Netflix als künftiger Monopolinhaber?
Paramount ist also wieder im Spiel, wobei beide Angebote weiterhin unter Kritik stehen. Würde Netflix das Filmstudio übernehmen, hätte der Marktführer eine Plattform mit über 400 Millionen Kunden und damit noch mehr Macht über das Streamingangebot als ohnehin schon. Dazu zählen auch Reihen wie „Herr der Ringe“ oder „Harry Potter“, die natürlich eine wahre Goldgrube sind. Nicht nur die Kartellbehörden der USA dürften die Übernahme also strengstens prüfen, auch in Europa wird der Deal vermutlich untersucht. Daneben befürchten Filmemacher in Hollywood Einsparungen an diversen Stellen, sollte Netflix WB übernehmen.
Darüber hinaus ist Netflix-Chef Ted Sarandos nicht gerade der prominenteste Kinofan. Seine Ansicht, dass Kino-Hits wie „Barbie“ und „Oppenheimer“ ein genauso großes Publikum auf Netflix erreicht hätten, ist allgemein bekannt. Sprich, wer braucht schon das Kino? Beobachter der Szene befürchten nun, dass Filme in Zukunft kürzer oder sogar gar nicht mehr in die Kinos kommen könnten. „Die lassen den Film eine Woche oder zehn Tage im Kino laufen, damit sie die Chance auf Oscars haben - das war‘s“, sagte etwa Avatar-Regisseur James Cameron zuletzt in einem Podcast.
Paramounts Nähe zu Trump
Doch nicht nur Netflix wird kritisiert, auch Paramount ist für viele nicht der Idealpartner. Das liegt besonders an der Nähe von Larry Ellison zu US-Präsident Donald Trump. Dieser forderte zuletzt, dass bei einem Deal auch der Nachrichtensender CNN den Besitzer wechseln solle, was vermutlich daran liegt, dass der Sender immer wieder kritisch über ihn berichtet. CNN gehört ebenso wie HBO zu Warner Bros, allerdings würde bei einem Verkauf nur Paramount diese übernehmen, da Netflix kein Interesse an den linearen TV-Sendern hat.
Es wäre zudem nicht das erste Mal, dass Paramount einen Sender umstrukturieren würde. Bereits vergangenen Sommer wurde der Sender CBS neu ausgerichtet – was besonders an der Fusion von David Ellisons Medienunternehmen Skydance mit Paramount lag. So wurden dort unter anderem alle Diversitätsprogramme gestrichen sowie im Voraus die „Late Show“ des Satirikers Stephen Colbert abgesetzt. Colbert kritisierte unter anderem einen Vergleich von 16 Millionen Dollar zwischen Trump und Paramount, nachdem Trump das Filmstudio wegen angeblicher Wahlbeeinflussung angeklagt hatte. Paramount wurde von Branchenvertretern daher vorgeworfen, mit dem Vergleich die Zustimmung Trumps und der US-Kommunikationsaufsichtsbehörde FCC zu der Fusion gekauft zu haben.
Das Spiel ist vorerst also noch nicht entschieden, spannend bleibt, wer die Oberhand behalten wird.
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