Paul Thomas Anderson betrat die Bühne vorbereitet. Es war schließlich nicht seine erste Oscar-Preisverleihung, bei der Filme von ihm nominiert waren. Schon 1998 war er mit „Boogie Nights“ für das beste Originaldrehbuch nominiert gewesen. Doch dieses Mal musste Anderson tatsächlich aufstehen und eine Dankesrede halten. Sein aktueller Film „One Battle After Another“ war der Abräumer des Abends, bekam sechs Auszeichnungen zugesprochen, gleich drei davon fielen in Andersons persönlichen Zuständigkeitsbereich: bestes adaptiertes Drehbuch, beste Regie, bester Film. Als er seinen ersten Oscar in der Hand hielt, sagte er: „Ich habe den Film für meine Kinder geschrieben, um mich damit für das Chaos zu entschuldigen, das wir in dieser Welt, die wir ihnen übergeben, angerichtet haben.“
Paul Thomas Anderson räumt erstmals bei den Oscars ab
Damit fand diese besondere Geschichte von Paul Thomas Anderson und dem wichtigsten Filmpreis nach 28 Jahren dann doch ein versöhnliches Ende. Denn für viele gilt Anderson als einer der Besten seines Fachs. Mit Filmen wie „Magnolia“, „There Will Be Blood“, „The Master“ hat er sich unter den Kino-Enthusiasten und Filmkennern längst einen Platz als einer der Großen gesichert. Insgesamt kam der 55-jährige Anderson in seiner Karriere schon auf 14 Oscar-Nominierungen, immer aber wurde ihm bei den Oscars jemand anderer vorgezogen. Es drohte eine Geschichte wie bei Martin Scorsese zu werden, der erst mit 64 Jahren seinen ersten Oscar zugesprochen bekam.
Paul Thomas Anderson zählt zum Autorenkino
Bei aller Qualität, als Filmemacher unterscheiden sich die beiden allerdings in ihrem Herangehen, denn anders als Scorsese schreibt Paul Thomas Anderson seine Drehbücher selbst. Hierzulande würden wir vom Autorenkino sprechen, zu dem Anderson gezählt werden muss, einer also wie Truffaut und Fellini, wie Fassbinder oder Wenders.
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Wie eigen Andersons Zugriff auf die Stoffe ist, zeigt sich bei „One Battle After The Other“ daran, wie schwer der Film zu greifen ist. Als Action-Komödie wird er kategorisiert. Doch während der 162 Filmminuten bleibt einem das Lachen im Hals stecken. Denn Anderson führt da die Vereinigten Staaten von Amerika als eine Supermacht vor, die kurz vor dem Bürgerkrieg steht. Auf der einen Seite greifen die Bürgerrechtler selbst zu den Waffen greifen, auf der anderen Seite verbünden sich Rechtsextreme in christlichen Geheimzirkeln. So leicht Andersons Film mit absurden Volten vorantreibt, so tief greift er doch.
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