Herr Wengert, warum treten Sie als Präsident des Chorverbands Bayerisch-Schwaben ab?
PAUL WENGERT: Ich habe mit fast 16 Jahren die zweitlängste Amtszeit als Präsident unseres Verbands seit dem Krieg nach Walter Weidmann, der es auf 19 Jahre gebracht hat. Da sollen jetzt jüngere Kräfte ran. Dem Chorgesang bleibe ich aber selbstverständlich verbunden. Ich war ja schon immer Sänger, in meiner Geburtsstadt Ellwangen und in Horgau bei Augsburg. In Füssen haben meine Frau und ich 1992 mitgeholfen, mit dem Colloquium Chor einen gemischten Chor zu gründen.
Ihre Amtszeit war nicht einfach, mit Corona und dem Austritt aus dem Deutschen Chorverband Ende 2017.
WENGERT: Das waren tatsächlich die beiden größten Brocken. Der Austritt aus dem Deutschen Chorverband war schmerzhaft für uns, weil der vormalige Sängerbund Schwaben Gründungsmitglied des Deutschen Sängerbunds war. Aber es ist uns nicht gelungen, mit unseren Argumenten durchzudringen zur aus unserer Sicht fragwürdigen Finanzpolitik des DCV und dem Kauf eines heruntergekommenen Gebäudes an der Karl-Marx-Straße in Berlin, um es zum Deutschen Chorzentrum umzubauen. Wir haben mit drei weiteren ausgetretenen Verbänden die Arbeitsgemeinschaft freier Chorverbände gegründet, die seit 2019 Mitglied des Bundesverbands Chor und Orchester ist. Der Chorverband Bayerisch-Schwaben hat alle früheren DCV-Dienstleistungen übernommen, insbesondere was die GEMA-Gebühren und Versicherungsleistungen betrifft. Damit sparen unsere Mitgliedsvereine eine Menge Geld.
Und Corona?
WENGERT: Die Pandemie war die größte Herausforderung für den Chorverband. Anfang 2020 mussten alle Aktivitäten eingestellt werden. Als am 15. Juni der Kulturbetrieb unter Auflagen wieder aufgenommen werden durfte, waren die Sängerinnen und Sänger davon ausgenommen. Durch energische Interventionen mit dem Chorverband an der Spitze konnten wir einen Kabinettsbeschluss erreichen, der uns Ende Juni das Singen unter Auflagen wieder ermöglichte.
Es gab bestimmt auch schöne Ereignisse.
WENGERT: Das war vor allem das 150-jährige Jubiläum des Chorverbands 2012 in Kempten, dazu viele herausragende Ereignisse wie die Aufführung der Komposition „Sagenhaft!“ von Wolfram Buchenberg im Festspielhaus Füssen oder Konzerte mit dem Allgäu-Schwäbischen Musikbund wie die „Carmina Burana“ in Nördlingen, Marktoberdorf und Füssen, um die Verbundenheit von Blas- und Chormusik zu unterstreichen. Und wenn ich jemanden für 70 Jahre Singen im Chor ehre, bekomme ich Gänsehaut.
Ist Ihre Nachfolge schon geklärt?
WENGERT: Ich habe ja schon vor vier Jahren gesagt, dass das meine letzte Amtsperiode sein wird. Es war für mich klar, dass unser geschäftsführender Präsident Jürgen Schwarz verbandsleitender Präsident werden sollte. Für unsere politische Vertretung durch einen weiteren Präsidenten sind wir bei Peter Wachler aus Markt Wald fündig geworden, der selbst Tenor, sehr choraffin und jugendliche 46 Jahre alt ist. Es gab Zeiten, da waren alle Blasmusikbünde, der Chorverband und der Bayerische Musikrat mit ihren Präsidenten im Landtag und da stiegen die Fördermittel für die Laienmusik signifikant. Nun werden wir mit Peter Wachler wieder einen Fürsprecher für die Chorsache im bayerischen Parlament haben.
Zur Person
Paul Wengert (72) ist seit 2010 Präsident des Chorverbands Bayerisch-Schwaben. Der gebürtige Ellwanger war Richter und Staatsanwalt in Augsburg, ehe er 1990 zum Füssener Bürgermeister und 2002 zum Augsburger OB gewählt wurde. Von 2008 bis 2018 saß er im Landtag. Bei der Chorverbands-Delegiertenversammlung am 27. September in Günzburg tritt Wengert nicht mehr zur Wahl an.
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