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„Pluribus“ auf Apple TV: Eine der besten Serien, die derzeit zu sehen sind

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Zombies - zu gut um wahr zu sein: die Streaming-Serie „Pluribus“

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    Die neue Serie "Pluribus" mit Rhea Seehorn in der Hauptrolle als Fantasy-Schriftstellerin gehört zum besten, was gerade zu sehen ist.
    Die neue Serie "Pluribus" mit Rhea Seehorn in der Hauptrolle als Fantasy-Schriftstellerin gehört zum besten, was gerade zu sehen ist. Foto: Apple TV

    Der Zombie ist ein garstiger Geselle. Bissig, dumm, hässlich. Gut, dass er nur ein Phantasieprodukt ist. Vince Gilligan dagegen ist real und ein cleverer Bursche. Er begann als Drehbuchschreiber für die Fernsehserie „Akte X”, erdachte dann „Breaking Bad”. Die Geschichte vom Biedermann Walter White, der zum Drogenkartellkönig absteigt, machte TV-Geschichte. „Better Call Saul” geriet noch besser. Saul Goodman, Nebenfigur aus „Breaking Bad”, schlawinerte sich als rechtsverdrehender Anwalt durchs Leben und hinter Gitter.

    „Pluribus“ auf Apple TV: Ein Genom macht alle glücklich und vernünftig

    Für sein neues Werk verließ Gilligan das „Breaking Bad“-Universum. Clever, denn diese Story war auserzählt. „Pluribus” ist anders und im Moment die originellste TV-Serie. Eine Science-Fiction-Drama-Comedy. Mit Geschöpfen, die ferngesteuert agieren und so an Zombies erinnern. Aber ein Fleischfresser-Festival ist „Pluribus” nicht. Gilligans Zombies sind freundliche, hilfsbereite Gesellen. Zombies, aber zu gut, um wahr zu sein.

    Die Grundidee von „Pluribus”: Eine außerirdische Macht impft den Menschen ein Gut-Genom ein. Krieg und Verbrechen und Umweltsünden – alles vorbei. Alle sind glücklich, vernünftig, ehrlich. Alle Gehirne sind wundersam vernetzt. Jede kann alles, jeder weiß alles. Alle ziehen an einem Strang. Deshalb der Titel: Pluribus – lateinisch für „viele” oder für „aus vielen”.

    Bestseller-Autorin Carol will nicht gleichgeschaltet werden

    Carol Sturka gehört aus (bislang) unerfindlichen Gründen nicht dieser neuen Wir-Welt an. Sie ist/war Bestseller-Autorin, Fachgebiet romantische Fantasy. Im Privatleben alles andere als gefühlig veranlagt. Der Blick auf Nordlichter am Polarhimmel entlockt ihr zum Beispiel nur ein kühles: „Erinnert mich an Bildschirmschoner.“ Der Ausbruch des Weltfriedens behagt Carol nicht. Sie möchte nicht „gleichgeschaltet“ werden. Woran die guten Zombies im Hintergrund eifrig arbeiten.

    Hilfe von einem knappen Dutzend ebenfalls nicht vereinnahmter Individuen kann Carol nicht erwarten. Die meisten von ihnen, rund um den Globus verstreut, können sich mit der veränderten Welt anfreunden. Einer nutzt die Hilfsbereitschaft der neuen Menschheit sogar schamlos aus. Im Jumbo-Jet des US-Präsidenten lässt er sich von jungen Damen in kurzen Kleidern fürstlich umhegen.

    Carol dagegen traut dem Frieden nicht. Sie pocht auf ihre Individualität, möchte ihre Wut, ihre schlechte Laune ausleben. Wenn die besorgte Menschheit sich bei ihr meldet („Wir sind’s Carol“ leuchtet auf dem Handy-Display auf), lehnt sie Hilfsangebote störrisch ab. Sie trauert um ihre Freundin, die bei der Transformation ums Leben kam. Versehentlich, wie Millionen andere, was die neue Gemeinschaft natürlich sehr, sehr bedauert ...

    Zombies haben keinen Humor

    Wie die bösen, alten Zombies verfügen auch die Gut-Zombies über keinen Sinn für Humor, für Ironie. Als die aufgebrachte Carol beiläufig nach einer Handgranate verlangt, bekommt sie die auch überreicht. Was Carol auf Gedanken bringt. Nach knapp überlebter Explosion fragt sie, ob man ihr auch eine Atombombe beschaffen würde. Menschheitsvertreter ist in dem Moment ein – natürlich netter – DHL-Bote in kurzen Hosen, der sich mit der Antwort schwertut. Aber schließlich ... Ja, man würde ihr die Bombe geben. Auch wenn man schon Bedenken hätte.

    „Pluribus” lebt von grotesken, schwarz-humorigen Situationen. Und von der Hauptdarstellerin Rhea Seehorn. Die 54-Jährige, bekannt aus „Better Call Saul”, verleiht Carol die Aura eines bockigen Teenagers. Wenn die guten Menschen Carol in einem leer gefegten Großraumflugzeug befördern, dann sitzt sie schmollend hinten in der Holzklasse, verweigert das angetragene Upgrade in die verwaiste First Class.

    Carol am Ende leerer Sitzreihen, Carol einsam unter einem riesigen intensivblauen Himmel, der sich über ihrer Heimatstadt Albuquerque wölbt (Schauplatz auch von „Breaking Bad” und „Better Call Saul”) – Vince Gilligan und sein Kameramann Marshall Adams entwerfen wieder einmal Szenen, in die man wie in ein Gemälde versinken kann. „Pluribus” ist großes Kino auf dem Bildschirm.

    Was ist der Haken an der schönen neuen Welt?

    Inhaltlich bleibt auch nach drei von neun Folgen erfreulicherweise offen, wohin Carols Weg führen könnte. Kommt es zum Aufstand? Was ist der Haken an der neuen, schönen Welt? Und vor allem beschäftigt uns Zusehende: Was würden wir an Carols Stelle tun? Rebellieren? Anpassen? Das Ich für das Wir aufgeben? Ein guter Zombie sein?

    „Pluribus” läuft auf Apple TV. Bisher waren drei von neun Folgen zu sehen. Jeden Freitag wird eine neue Episode veröffentlicht. Eine zweite Staffel ist geplant.

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