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Was Feridun Zaimoglu beim Irseer Pegasus dem literarischen nachwuchs rät

Literatur

Was Feridun Zaimogluz dem literarischen Nachwuchs rät

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    Feridun Zaimoglu las in Irsee aus seinem neu erschienenen Werk „Sohn ohne Vater“.
    Feridun Zaimoglu las in Irsee aus seinem neu erschienenen Werk „Sohn ohne Vater“. Foto: Harald Langer

    An literarischem Schaffen mangelt es im deutschsprachigen Raum wahrlich nicht. Man muss nicht einmal auf die großen Messen in Frankfurt oder Leipzig reisen, um dies festzustellen. Auch der Blick auf ein etwas kleineres Ereignis – wie der Literaturpreis Pegasus in Irsee bei Kaufbeuren – belegt das: Bei der Autorenwerkstatt, ausgerichtet von der Schwabenakademie Irsee, hatten sich 257 Nachwuchsautoren aus ganz Deutschland, Österreich, der Schweiz und sogar Frankreich beworben. Doch dass das Literaturschaffen nach wie vor alles andere als ein einträglicher Broterwerb ist, daran ließ der Bestsellerautor Feridun Zaimoglu, der außerhalb des Wettbewerbs aus seinem neuen Buch „Sohn ohne Vater“ las, keinen Zweifel. Auch nach rund zwei Dutzend veröffentlichten Büchern, die teils auch verfilmt wurden, ist sein Leben als Schriftsteller stets von bangen Blicken auf den Kontostand geprägt, bekannte er.

    Zaimoglu sparte bei der literarischen Matinee im Kloster Irsee nicht an deutlichen Worten: „Die Verhältnisse sind beschissen.“ Literaturpreise hätten deshalb einen äußerst wichtigen Stellenwert in der Szene, auch wenn es immer wieder Kollegen gebe, die betonten, dass es ihnen nicht aufs Preisgeld ankomme. „Zumindest interessiert sich der Vermieter für das Preisgeld“, meinte Zaimoglu lakonisch, der 1964 in der Türkei geboren wurde, dessen Familie aber seit 1965 in Deutschland lebt. „Was nutzt ein Literaturpreis ohne Preisgeld?“, fragte er. Eine rein ideelle Auszeichnung, wie sie das Magazin Der Spiegel in Sachen Literatur verleiht, findet er deshalb auch „bescheuert“.

    Was Zaimoglu dem literarischen Nachwuchs rät

    Die offenen Worte kamen bei den zwölf von einer Jury aus den 257 Anmeldungen ausgewählten Werkstattteilnehmern sowie dem Publikum sehr gut an. Zaimoglu versuchte erst gar nicht, sich als literarische Größe zu inszenieren, sondern kehrte die ganze Zerrissenheit seines Schaffens heraus, bei der er sich die meiste Zeit frage, welchen Sinn das Ganze mache. Auf der Bühne gab er tiefe Einblicke in seine Schreibwerkstatt, in der er für ein neues Buchprojekt oft Hunderte von Notizzetteln sammelt, intensive und kostenträchtige Recherchen betreibt und für jedes Buch eine neue sprachliche Ausdrucksform entwirft. Sein wichtigster Rat an den literarischen Nachwuchs: Weg von der zu sehr biografie-basierten Autofiktion. „Die kann man einfach nicht mehr hören“, schimpfte der 61-Jährige, der früher in West-Berlin und München lebte und nach dem Abitur ein Studium der Humanmedizin begonnen, es zugunsten der Schriftstellerei aber abgebrochen hatte. „Zu viel Innerlichkeit ist Gift“, ist sich Zaimoglu sicher.

    Er verwies dabei auf sein neues Buch, bei dem ein – erwachsener – Sohn mit einem Wohnmobil von Deutschland in die Türkei fährt, um seine Mutter und das Grab seines Vaters zu besuchen. Schon allein die Erlebnisse an den serbischen, bulgarischen und türkischen Grenzübergängen sind spannend. Er selbst sei schon mehrfach auf dem Landweg in die Türkei gereist. Aber Literatur sei nicht mit einem Reisebericht zu verwechseln. Auf dem Fundament solider Recherche müsse ein Schriftsteller echte und kraftvolle Fiktion errichten. „Sonst entsteht nur Selbstverwirklichungsgeblubber“.

    Die Preise gehen nach Leipzig und Wien

    Abseits der Matinee wurden auch die beiden Pegasus-Literaturpreise vergeben, dotiert mit jeweils 1000 Euro. Der 1999 geborene und derzeit in Leipzig lebende Lukas Arndt erhielt (auf Basis einer letztlich banalen Sportverletzung) für seine reife wie zugleich selbstironische Alltagsbetrachtung „Spielbein“ den Preis der Jury. Der 1996 in Wien geborene Konstantin Schmidtbauer wurde von den Werkstattteilnehmern mit dem Autorenpreis ausgezeichnet für einen sehr ins Lyrische ragenden Dorfspaziergang eines vereinzelten Ichs.

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