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„Wir möchten, dass die Islamische Republik beerdigt wird“: Michel Abdollahi über den Iran-Krieg

Iran-Krieg

Iran-Krieg: „Wir möchten, dass die Islamische Republik beerdigt wird.“

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    Wie viele Exil-Iraner hofft auch Michel Abdollahi auf ein Ende des Mullah-Regimes. Für ihn ist klar: Es ist gut, dass die USA angegriffen haben.
    Wie viele Exil-Iraner hofft auch Michel Abdollahi auf ein Ende des Mullah-Regimes. Für ihn ist klar: Es ist gut, dass die USA angegriffen haben. Foto: Henning Kaiser, dpa

    Herr Abdollahi, auf Social Media haben Sie seit dem Angriff auf den Iran mehrere Beiträge gepostet. Was ist Ihre Botschaft?

    MICHEL ABDOLLAHI: Wir möchten, dass die Islamische Republik beerdigt wird und die Iraner in Freiheit über ihre eigene Zukunft entscheiden können. Bisher ist die Revolution im Iran daran gescheitert, dass man sich auf niemanden einigen konnte. Das ist jetzt anders. Die Iraner im Ausland haben sich mehrheitlich auf Reza Pahlavi, den Sohn des ehemaligen Schahs, als Sprachrohr der iranischen Opposition und des iranischen Übergangs entschieden. Es ist wichtig zu sehen, dass es da eine Übergangsfigur gibt. Und wenn ich „wir“ sage, spreche ich wirklich für sehr viele Iranerinnen und Iraner, die in der Öffentlichkeit stehen, weil wir alle das Gleiche wollen, nämlich die Freiheit für das Land. Außerdem möchte ich Informationen verbreiten: für die deutschsprachige Bevölkerung, aber auch für die Menschen im Iran. Es geht um Solidarisierung und Unterstützung.

    Hatten Sie seit der Tötung Chameneis noch Kontakt zu Menschen im Iran? Internet und Kommunikation sind dort doch weitreichend eingeschränkt?

    ABDOLLAHI: Ja, ich bin permanent im Kontakt mit Menschen im Iran. Ich habe gestern Abend noch mit jemandem aus Maschhad gesprochen, ich habe mit Menschen in Teheran telefoniert. Die Leute schicken mir auch Bilder und Informationen über Social Media, weil sie wissen, dass ich das dann online verbreite. Wir Iraner in der Diaspora fungieren als Multiplikatoren.

    Wie haben Ihre iranischen Bekannten auf den amerikanisch-israelischen Angriff reagiert?

    ABDOLLAHI: Es herrscht eine große Erleichterung darüber, dass Chamenei tot ist. Man sieht die Angriffe von Israel und den USA als einzige Möglichkeit, gegen die Mullahs vorzugehen. Natürlich haben die Menschen auch Angst. Aber die, mit denen ich spreche, sind erstaunlich gelassen. Man ist sehr zuversichtlich, dass das System jetzt in seinen letzten Atemzügen liegt. Der Kipppunkt ist längst erreicht. Die Menschen haben keine Angst mehr und nachdem die Mullahs im Januar mehrere zehntausend Menschen einfach ermordet haben, kann man ihnen auch keine Angst mehr machen. Wenn man das einmal gesehen hat, dann kann einen nichts mehr erschrecken. Die Zeiten, in denen die Islamische Republik noch Schrecken verbreitet hat, sind vorbei.

    Wie stufen Sie den Angriff ein: als Chance oder als brandgefährlich?

    ABDOLLAHI: Das ist eine Chance. Jeder Mullah, der keine Befehle mehr erteilen kann, ist gut. Da geht es nicht um einen Flächenbrand im Nahen Osten oder um eine Fragmentierung der Gesellschaft. Es geht um ein Regime, das in seiner fünfzigjährigen Geschichte hunderttausende Menschen umgebracht hat. Und kein diplomatisches Mittel, keine Sanktionen, keine Drohungen haben funktioniert. Also musste zum letztmöglichen Mittel gegriffen werden.

    Michel Abdollahi ist ein Sprachrohr für viele Menschen aus dem Iran.
    Michel Abdollahi ist ein Sprachrohr für viele Menschen aus dem Iran. Foto: Max Baier, Arian Henning

    Was wünschen Sie sich jetzt von der deutschen Regierung?

    ABDOLLAHI: Ich finde, jede anständige Nation sollte die Operation der USA und Israel unterstützen. In Deutschland sind wir Gott sei Dank weg von der Idee, dass man mit den Mullahs reden könnte – von der Strategie „Wandel durch Handel“. Der Angriff auf das Regime wurde auch in Deutschland ziemlich parteiübergreifend begrüßt. Also, wenn Deutschland weiterhin solidarisch an der Seite des iranischen Volkes steht, bin ich zufrieden. Ich würde mir aber wünschen, dass die Generalkonsulate und die Botschaft an den freien Iran übergeben werden. Das wäre ein echtes Zeichen an die Iranerinnen und Iraner.

    Wie kann es nun im Iran weitergehen?

    ABDOLLAHI: Jetzt geht es erst mal darum, einen geordneten Übergang zu schaffen. Das ist das Einzige, was jetzt relevant ist. Alles ist besser als die aktuelle Situation. Reza Pahlavi hat sehr deutlich gesagt, dass der Iran binnen kurzer Zeit zu freien Wahlen geführt werden soll, damit das Volk selber entscheiden kann, was es in Zukunft für eine Staatsform haben möchte. Ob es dann eine parlamentarische Monarchie wie Großbritannien oder eine Republik nach deutschem Vorbild ist, entscheidet das Volk. Ein freier Iran ist ein Garant für Sicherheit und Stabilität im Nahen Osten. Und der Iran wird auch nicht zerfallen, weil wir eine Nation sind, die in sich geeint ist. Das ist kein fragmentiertes Kolonialerbe wie der Irak, Libyen oder Syrien. Es gibt keine separatistischen Bewegungen und über die nationale Einheit wird es auch keine Debatte geben.

    Können Sie sich als bekannter Künstler einbringen?

    ABDOLLAHI: Das ist die Aufgabe von uns allen, die wir als Iraner in der Gesellschaft eine Stimme haben. Ganz gleich, ob wir jetzt Künstler, Comedians oder Politiker sind. Viele Iraner sind gebildet und gut vernetzt. Manche haben Millionen von Followern auf Instagram. Wir alle als Einheit der Diaspora außerhalb des Irans können den Menschen zeigen, was dort passiert. Und das funktioniert sehr gut. Ich spreche tagtäglich mit Politikerinnen und Politikern. Wir können uns als Iraner mit dem Außenminister unterhalten und wir können Einfluss nehmen, indem wir beraten – für einen freien, demokratischen und friedlichen Iran. Wenn es das alles nicht gegeben hätte, dann hätten die Mullahs einfach gemordet und keinem wäre aufgefallen, was die dort machen. Und wenn man mich als Michel im Iran braucht, dann bin ich natürlich zur Stelle. Aber ich habe nicht vor, mein Leben in Deutschland aufzugeben. Und ich glaube, das braucht es auch gar nicht. Ich nutze meine Stimme und den Einfluss, den ich mir hier in Deutschland erarbeitet habe.

    Wie geht es Ihnen persönlich seit dem Angriff am vergangenen Samstag?

    ABDOLLAHI: Es ist sehr kräftezehrend. Es ist auch emotional sehr belastend. Eigentlich habe ich durchgängig Tränen in den Augen. Daran merke ich, wie groß die Hoffnung und wie groß der Wunsch nach Freiheit ist – wie tief der Schmerz sitzt. Und wenn ich merke, dass ich müde werde, dann führe ich mir vor Augen, was die Menschen im Iran gerade durchmachen. Die sitzen nicht wie ich im schönen Hamburg in völliger Sicherheit, sondern werden als menschliche Schutzschilde benutzt, leiden unter den Bomben und gehen raus auf die Straßen. Das ist ein ganz anderer Einsatz, der dort gezeigt wird. Dann schüttele ich mich einmal und sage: „Michel, stell dich nicht so an.“ Ziel ist, dass die Menschen in diesem Land wieder frei atmen können.

    Zur Person

    Michael Abdollahi wurde 1981 in Teheran geboren. Mit fünf Jahren zog er mit seinen Eltern nach Hamburg, wo er später Rechtswissenschaft, Islamwissenschaft und Iranistik studierte. Während des Studiums machte sich Abdollahi einen Namen im Poetry-Slam und moderierte dabei regelmäßig Slams im Fernsehen. Für seinen Dokumentarfilm „Im Nazidorf“, bei dem er für einen Monat in das mecklenburgische Jameln zog, erhielt Abdollahi 2015 den Deutschen Fernsehpreis. In seiner Late-Night-Show „Käptn‘s Dinner“ empfängt der 44-Jährige regelmäßig bekannte Gäste wie Anke Engelke oder Gregor Gysi. Neben seiner Tätigkeit als TV-Moderator schreibt Abdollahi für mehrere überregionale Zeitungen, engagiert sich ehrenamtlich im Bereich Integration und Kultur und ist als Künstler tätig. Auch heute besucht er regelmäßig seine iranische Heimat und pflegt enge Verbindungen zu seinen Landsleuten.

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