Die Bäckerei Kasprowicz in Pähl ist wegen eines Corona-Ausbruchs in der Produktion vorübergehend stillgelegt.Foto: Petra Straub
Die Corona-Pandemie beeinträchtigt jetzt auch die Versorgungslage am Ammersee – zumindest bei Back- und Konditoreiwaren. Die Bäckerei Kasprowicz in Pähl hat laut eigenen Angaben bis auf Weiteres ihren Betrieb eingestellt. Davon betroffen sind auch drei Verkaufsstellen in Supermärkten in Dießen, Schondorf und Utting sowie das Bäckerei-Café in Utting. Der Firmeninhaber schildert dem LT die Gründe.
Zahlreiche Kunden standen dort am Sonntagmorgen vor verschlossenen Türen, als sie frische Semmeln oder Brezen fürs Frühstück besorgen wollten. Laut Aushang an den Filialen „hat uns Corona in der Produktion in kürzester Zeit erwischt und fast die ganze Belegschaft aus dem Verkehr gezogen“. Daher müsse der Betrieb ab diesem Sonntag vorübergehend geschlossen werden. Man hoffe aber, die Kunden aber bald wieder mit Backwaren versorgen zu können.
Auch Inhaber Julian Kasprowicz ist positiv getestet
Derzeit geht Inhaber Julian Kasprowicz von einer zweiwöchigen Zwangspause aus. Corona hatte sich zunächst kaum merklich in den Produktionsbetrieb eingeschlichen, berichtet er: „In der vorletzten Woche hatten wir einen positiv getesteten Fall in der Produktion, wir haben dann alle Kontaktpersonen ermittelt, aber in dieser Schicht waren alle negativ.“ Anfang der vergangenen Woche wurde in der Nachtschicht ein neuer Fall entdeckt. Daraufhin hätten sich in Absprache mit dem Gesundheitsamt alle rund 50 Produktionsmitarbeiter einem Test unterzogen. Dabei sei bei 16 Personen eine Corona-Infektion nachgewiesen worden – einschließlich bei ihm selbst und seinem Vater, wie Kasprowicz berichtet. Ein Mitarbeiter sei mit heftigeren Symptomen erkrankt, bei den weiteren Kollegen verlaufe die Infektion seines Wissens nach milde. Das Verkaufspersonal sei nach den bisherigen Testergebnissen nicht von Infektionen betroffen.
Welche Schutzmaßnahmen im Betrieb gelten
In der Nacht von Freitag und Samstag sei entschieden worden, den Betrieb für 14 Tage komplett einzustellen und alle 19 Filialen zu schließen. Wie sich das Coronavirus in der neuen Backstube in Pähl so schnell verbreiten konnte, kann sich Kasprowicz nicht erklären: „Für dieses Virus gibt es keine Regel“, sagt er, und verweist auf die seit Beginn der Corona-Pandemie geltenden Vorsorgemaßnahmen. Bereits seit März 2020 gebe es feste Schichten, deren Mitarbeiter nicht miteinander in Kontakt kämen, es gebe keine gemeinsamen Pausen in den Sozialräumen, an den Arbeitsplätzen gelten Maskenpflicht und Abstandsgebot und die Raumluft im Betrieb werde täglich zweimal ausgetauscht. Der Neubau in Pähl sei zudem mit Hygieneschleusen ausgestattet. „Wir haben alles gemacht, was man machen konnte“, beteuert Kasprowicz.
Eine mögliche Erklärung für den Corona-Ausbruch könnte sein, dass sich unter den Mitarbeitern eine ansteckendere Variante des Erregers verbreitet habe. Gesicherte Erkenntnisse habe man darüber aber noch nicht.
Wegen eines Corona-Ausbruchs im Unternehmen bleiben die Verkaufsstellen der Pähler Bäckerei Kasprowicz bis auf Weiteres geschlossen. Das Bild zeigt das Bäckerei-Café im VR-Bank-Gebäude in Utting.Foto: Gerald Modlinger
Produktion und Filialen bleiben nun vorerst geschlossen. Verworfen habe man Überlegungen, sich für den Verkauf Backwaren von anderen Produzenten liefern zu lassen, berichtet Kasprowicz. Die Zwangspause werde nun für Reinigungsmaßnahmen durch externe Firmen und Maschinenwartungen genutzt.
Die Bäckerei Kasprowicz expandiert seit etlichen Jahren mit Verkaufsstellen in Supermärkten auch am Ammersee-Westufer. Zugleich haben kleinere Betriebe aufgegeben, zuletzt die Bäckereien Neu in Utting und Helmer in St. Georgen.