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Kunst

26.05.2020

Die Dreifaltigkeit in der Zederpassage

Der Landsberger Künstler Martin Paulus stellt derzeit in der Zederpassage aus.
Bild: Julian Leitenstorfer

Martin Paulus wird von einem russischen Meisterwerk inspiriert und lässt seiner Kreativität freien Lauf

Vor ewigen Zeiten – um das Jahr 1411 – mitten in einer der dunkelsten Zeiten der russischen Geschichte entstand ein Bild, das heute zu den Meisterwerken der Ikonenmalerei zählt. Es wird in Russland, nachdem es 1904 wieder entdeckt wurde, als eine Art Nationalheiligtum verehrt. Der „Malermönch“ Andrei Rubljow erschuf ein Werk, das den Landsberger Künstler Martin Paulus „schon lange sehr berührt“, und das er schließlich zum Anlass nahm, gemeinsam mit seinem Künstlerkollegen, dem in Stuttgart lebenden Bildhauer Willi Weiner, eine Ausstellung zu konzipieren, die nach drei Stationen (unter anderem bei Augsburg) nun auch in der Landsberger Zederpassage zu sehen ist.

Rubljows Bild zeigt die Trinität oder die Dreifaltigkeit, also die Wesenseinheit Gottes in drei Personen. Drei engelhafte Gestalten sitzen an einem Tisch, auf dem ein Kelch steht: „rätselhaft“ nennt Paulus das Werk, „emotional unglaublich berührend“ und mit „vielen unterschiedlichen Interpretationsebenen“. Vordergründig mag das Bild in unseren westlichen Augen, so Paulus, naiv erscheinen, aber bei genauem Hinsehen erkenne er im Faltenwurf bereits „einen Picasso“, in den Gesichtern „einen Modigliani“. In dem angedeuteten Kästchen unterhalb des Tisches könne man einen Hinweis auf das spätere „schwarze Quadrat“ von Kasimir Malewitsch entdecken.

Martin Paulus, 59, kann lange über dieses berühmte Ikonenbild reden, über seine Symbolik, seine Perspektiven und Interpretationen. Vor etwa zwei Jahren schlug er dann Willi Weiner (mit dem er bereits zwei vergangene Themenausstellungen erarbeitet hat) ein drittes gemeinsames Projekt vor: „Troiza“, nach der russischen Übersetzung von „Dreifaltigkeitkeitsikone“.

Die Dreifaltigkeit in der Zederpassage

Mit den unterschiedlichsten Materialien und Techniken setzt sich Paulus in seinen Werken mit den einzelnen Aspekten der Troiza auseinander, immer wieder umkreist er beispielsweise den Kelch oder ganz allgemein das Gefäß, das für ihn ein Geheimnis birgt.

Der Künstler, der von sich selbst behauptet, nicht gläubig zu sein, beschäftigt sich in unterschiedlichen Ausschnitten mit der orthodoxen Bildsymbolik. Dieses „Zwiegespräch“ mit der Troiza führt Paulus zu einer ganz eigenen Reihe von „Antworten und Erwiderungen, Einverleibungen und Umwandlungen“.

In den kleinen, lichten Räumen der Zederngalerie harmonieren Paulus Werke wunderbar mit den Carbonstahl-Gold-Skulpturen von Willi Weiner. Man sollte sich Zeit nehmen und genau hinschauen, um nicht all die kleinen Hinweise auf die ursprüngliche Dreifaltigkeitsikone zu übersehen.

Die goldschimmernde Troiza war seinerzeit, so Paulus, „ein Fanal der Hoffnung und Zuversicht“. Kann man sich also in diesen Corona dominierten Zeiten eine bessere Ausstellung vorstellen? (felt)

Die Ausstellung geht noch bis zum 18. Juli, die Öffnungszeiten sind Donnerstag und Freitag von 15 bis 18 Uhr, Samstag von 12 bis 15 Uhr sowie nach Vereinbarung.

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