Das Projekt ist noch in einem Frühstadium der Planung. Und dennoch wird bereits jetzt kräftig diskutiert. Es geht um die Osttangente von Augsburg, das Gegenstück zur westlichen Umfahrung der Stadt. Dabei soll eine vierspurige, autobahnähnliche Bundesstraße gebaut werden, die die B17 südlich von Königsbrunn mit der A8 nördlich von Friedberg verbindet.
Wo die Trasse laufen soll, darüber wird derzeit heftig gestritten. Zuletzt wurde von Politikern aus der Region Augsburg sogar eine Streckenführung ins Spiel gebracht, die über die Zollhausbrücke bei Schwabstadl über Scheuring und Prittriching nach Norden führen könnte.
Die Bürgermeister von Scheuring und Prittriching, Manfred Menhard und Peter Ditsch, haben von den Diskussionen über die Trassenführung nur am Rande mitbekommen. „Die nördliche Variante ist am ehesten umsetzbar“, glaubt Ditsch. Die Variante über die Zollhausbrücke aus seiner Sicht dagegen nicht.
Dass eine Verbindung zwischen B17 und A8 durchaus Sinn macht, sagt Manfred Menhard. Schließlich könnten so die großen Logistikzentren von Amazon, Aldi und bald auch BMW noch besser angebunden werden.
Doch nicht nur aus diesem Grund befürworten Staatsregierung, Staatliches Bauamt Augsburg sowie die Bürgermeister von Mering, Kissing und Friedberg die Osttangente. Sie erhoffen sich eine bessere Verteilung des Verkehrs und Entlastung für die vom Durchgangsverkehr geplagten Städte.
Noch läuft die konkrete Planung nicht, trotzdem gibt es schon Kritiker
Doch die Umsetzung des Projekts ruft auch Kritiker auf den Plan, weil die Autobahn durch Naturschutz-, Naherholungs- und Wasserschutzgebiete führen und Verkehr nur an anderer Stelle zunehmen würde. Und so haben sich die Stadt- und Gemeinderäte von Oberottmarshausen, Königsbrunn, Mering und Schmiechen bereits gegen das Projekt ausgesprochen.
Dabei ist die Osttangente bislang nur ein vager Strich auf dem Papier. Das sagt selbst Uwe Fritsch, der Leiter des Straßenbauamts Augsburg. Es gehe seit Monaten darum, ob es einen Einstieg in eine konkrete Planung gibt.
Dazu braucht es aus dem Verkehrsministerium in Berlin eine politische Entscheidung: Die derzeitige Umfahrung von der A8 bis Friedberg und die B2 weiter bis Mering müsste als Großprojekt in den vordringlichen Bedarf des neuen Bundesverkehrswegeplans aufgenommen werden. Die Kosten für das Vorhaben werden momentan auf 180 Millionen Euro geschätzt.
Der vom Staatlichen Bauamt vorgestellte Straßenverlauf südlich von Königsbrunn über den Lech bis nach Friedberg ist laut Fritsch alles andere als fix. Eine detaillierte Untersuchung der Varianten könne erst erfolgen, wenn der Bund das Projekt ins Auge gefasst hat. Dennoch machen Anlieger schon mobil. Vor dem Kissinger Rathaus demonstrierten jetzt Straßenbaugegner, während die Gemeinderäte über das Projekt berieten.
Königsbrunner gründen "Bürgerinitiative Keine Autobahn"
Auch ein förmliches Bündnis gibt es schon. Dessen Mitglieder lehnen eine Osttangente generell ab. In Königsbrunn hat sich vor Kurzem die „Bürgerinitiative Keine Autobahn“ gegründet.
Noch näher an den Landkreis Landsberg rückt das Projekt, nachdem der Stimmkreisabgeordnete für Augsburg und Königsbrunn im Bundestag, Volker Ullrich (CSU), einen Alternativvorschlag gemacht hat. Er hat Bedenken, weil das Staatliche Bauamt Augsburg die neue Trasse im Bereich Königsbrunn parallel zur bestehenden Staatsstraße 2380 verlaufen lassen würde. Sie zerschneide freie städtische Flächen und Trinkwasserschutzzonen.
Ullrich regt daher an, bevorzugt eine Variante südlich der Lechstaustufe 23, wenn möglich sogar südlich der Lechstaustufe 22 bei Unterbergen an der Grenze zu Pritt-riching zu überprüfen. Die habe seiner Meinung nach zudem den Vorteil, dass sie in unmittelbarer Nähe der Logistikzentren bei Graben in die B17 münden und diese direkt erschließen würde.