Startseite
Icon Pfeil nach unten
Landsberg
Icon Pfeil nach unten
Landsberg
Icon Pfeil nach unten

Landkreis Landsberg: Das Wiesn-Aus trifft einige Menschen aus dem Landkreis Landsberg hart

Landkreis Landsberg

Das Wiesn-Aus trifft einige Menschen aus dem Landkreis Landsberg hart

  • |
  • |
  • |
    Claus Konrad und Sohn Jonas (oben) wären mit dem Toboggan auch dieses Jahr wieder auf der Wiesn dabei gewesen. Das Traditionsgeschäft steht wird in Kinsau gelagert.
    Claus Konrad und Sohn Jonas (oben) wären mit dem Toboggan auch dieses Jahr wieder auf der Wiesn dabei gewesen. Das Traditionsgeschäft steht wird in Kinsau gelagert. Foto: Thorsten Jordan

    Eigentlich hätte am Samstag, 19. September, das größte Volksfest der Welt beginnen sollen. Doch schon kurz nach Beginn der Corona-Pandemie im Frühjahr wurde das diesjährige Münchner Oktoberfest abgesagt. Die Absage trifft einige Leute aus dem Landkreis Landsberg hart – für sie ist die Wiesn ein wichtiger Wirtschaftsfaktor und auch fester Lebensbestandteil.

    „Die Wiesn-Absage trifft uns sehr“, sagt Claus Konrad. Sein Fahrgeschäft ist eines der ältesten auf dem Münchner Oktoberfest und weltbekannt: der Toboggan. Die Spiral-Turm-Rutschbahn, die unterm Jahr in Kinsau steht, ist seit 1933 auf dem Münchner Oktoberfest dabei. Und dieses Jahr hätte es für den aus Schongau stammenden Familienbetrieb Konrad auf der Theresienwiese ein besonderes Jubiläum zu feiern gegeben. „Wir haben dieses Jahr 100. Familienjubiläum mit dem Toboggan“, erzählt Konrad. Solange ist das Fahrgeschäft schon in Familienbesitz und damit schon seit mehreren Generationen. „Es ist schon ein komisches Gefühl, dass die Wiesn nicht stattfindet“, sagt Claus Konrad, der allerdings auf den Vorteil gegenüber anderen Schaustellern verweist. Er ist als auf dem Lechfeld stationierter Berufssoldat finanziell unabhängig. „Trotzdem laufen die Fixkosten für uns natürlich weiter“, so der 52-Jährige, der zusammen mit seiner Familie den Toboggan ausschließlich auf der Wiesn betreibt.

    Der Toboggan ist seit 1933 auf dem Münchner Oktoberfest dabei.
    Der Toboggan ist seit 1933 auf dem Münchner Oktoberfest dabei. Foto: Archiv

    „Das ist einfach die Liebe zur Tradition. Außerhalb der Wiesn wäre das Geschäft für uns zu schwer. Denn wir brauchen enorm viel Zeit für den Auf- und Abbau.“ Jetzt hofft Claus Konrad stark auf das Jahr 2021 und dass das Oktoberfest dann nach der coronabedingten Absage in diesem Jahr wieder stattfinden kann.

    Der Berufsmusiker kämpft nicht nur wegen der Wiesn-Absage

    Einen enormen finanziellen Ausfall bedeutet das diesjährige Wiesn-Aus für Philipp Dölzer. Weit mehr als 140 Tage pro Jahr ist der Berufsmusiker aus Lengenfeld im In- und Ausland bei musikalischen Engagements unterwegs. Die Wiesn ist für ihn jedes Jahr ein Pflichttermin. In der Kapelle von Otto Schwarzfischer spielt er seit 30 Jahren im Schottenhammel-Festzelt. „Die Wiesn ist fast wie ein Elternteil. Man trifft Leute, die man jedes Jahr nur auf der Wiesn sieht und die Kapelle ist wie eine Familie“, so Dölzer, der auf dem Oktoberfest als Trompeter und Sänger im Einsatz ist. Die Absage trifft ihn nicht nur emotional, sondern auch finanziell. „Von der Wiesn kann man ein paar Monate leben“, sagt der 53-Jährige, dem die Corona-Krise als Selbstständigen schwer zu schaffen macht. Er ist nebenberuflich als Musiklehrer am Ignaz-Kögler-Gymnasium Landsberg tätig und dirigiert die Musikvereine in Kaufering und Moorenweis (Landkreis Fürstenfeldbruck). „Aber als Dirigent von solchen Kapellen verdient man in etwa so viel wie als Trainer eines Dorffußballvereins“, sagt Philipp Dölzer, dem eine Vielzahl von Auftritten in diesem Jahr weggebrochen ist.

    Viele Trachtenläden spüren die Folgen von Corona besonders

    Für die komplette Absage des Oktoberfestes hat er nur bedingt Verständnis. „Man hätte es auch anders gestalten können, mit weniger Leuten. Fans dürfen ja jetzt dann auch wieder in die Fußballstadien.“

    Was für viele Wiesn-Gänger ein Muss ist – die Tracht. Händler und Geschäfte haben im Corona-Jahr auch mit Umsatzeinbußen zu kämpfen, wie eine Nachfrage bei „Rotwild Trachten“ im Landsberger Vorderanger ergibt. „Wir leben zu einem Drittel von der Wiesn“, sagt Gabriele Hunger, die das Trachtengeschäft mit Tochter Lisa betreibt. Die Familie hat es in diesem Jahr besonders getroffen. Kurz vor dem Lockdown im März zog der Laden vom Hinter- in den Vorderanger um und bezog eine doppelt so große Geschäftsfläche. „Wir haben aber den Vorteil, dass wir keine Angestellten haben. Eigentlich wollten wir im August jemanden einstellen, aber das konnten wir jetzt nicht tun“, sagt Hunger, die aber auch Vorteile in der Krise ausgemacht hat. „Die Tracht hat gegenüber der saisonalen Mode den Vorteil, dass man sie immer tragen kann.

    Gabriele Hunger von „Rotwild Trachten“ in Landsberg. Die Geschäftsführerin trifft die Wiesn-Absage hart.
    Gabriele Hunger von „Rotwild Trachten“ in Landsberg. Die Geschäftsführerin trifft die Wiesn-Absage hart. Foto: Thorsten Jordan

    „Wir versuchen, an die Kunden zu appellieren, dass man ein Trachtenhemd oder eine -bluse auch ohne Wiesn tragen kann.“ Doch nicht nur die Absage des größten Volksfestes der Welt habe die Trachtenbranche hart getroffen. „Es sind ja auch alle kleineren Feste, sondern auch Vereinsjubiläen dieses Jahr abgesagt worden, bei denen die Leute normalerweise Tracht tragen“, so die 54-Jährige.

    Trotzdem bieten sich in den nächsten Tagen im Landkreis Landsberg Anlässe, Dirndl und Lederhose aus dem Schrank zu holen, oder sich mit neuem Gewand einzudecken. Das Kauferinger Volksfest to go zum Beispiel geht noch bis zum morgigen Sonntag. Heute startet das Restaurant Hellmairs in Landsberg bis zum 4. Oktober ein „Volksfest dahoam“. Ebenfalls bis zu diesem Datum geht die Ersatz-Wiesn in München – der „Sommer in der Stadt“. An verschiedenen Plätzen gibt es Fahrgeschäfte, Konzerte, Kultur, Essens- und Getränkestände, Dulten, Erlebniswege und Vieles mehr in der Stadt. Einen Bieranstich gibt es heute ab 12 Uhr in Pit’s Theatercafé in Landsberg.

    Lesen Sie dazu auch:

    Diskutieren Sie mit
    XXX 0 Kommentare
    hier kommen komentare rein
    Dieser Artikel kann nicht mehr kommentiert werden