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Landkreis Landsberg: Kommt ein großer Holzverarbeiter in den Landkreis Landsberg?

Landkreis Landsberg

Kommt ein großer Holzverarbeiter in den Landkreis Landsberg?

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    Verschwindet an der A 96 eine größere Ackerfläche, weil dort ein Holzverarbeiter bauen will?
    Verschwindet an der A 96 eine größere Ackerfläche, weil dort ein Holzverarbeiter bauen will? Foto: Julian Leitenstorfer/Archiv

    Siedelt sich im Landkreis Landsberg ein größerer Holzverarbeitungsbetrieb an? Entsprechende Hinweise hat der Bund Naturschutz (BN) bekommen. Dem Vernehmen nach laufen derzeit konkrete Planungen für die Errichtung eines Werkes.

    Dabei geht es laut BN um den Holzverarbeiter Steico SE aus Feldkirchen bei München. Dieser wolle sich im Bereich von Stillern südlich der Autobahn A 96 im Gemeindebereich von Penzing ansiedeln. Die dortigen landwirtschaftlichen Flächen in Stillern sind im Eigentum des Staates und werden vom Staatsgut in Achselschwang bewirtschaftet. Die Ackerfläche südlich der Autobahn beläuft sich auf etwa 25 Hektar, auf der anderen Seite des Gutshofs befindet sich ein großer Holzlagerplatz.

    Zwei Landtagsabgeordnete fragen bei der Staatsregierung nach

    Der BN bringt sich bereits gegen dieses Vorhaben in Stellung. Ludwig Hartmann und Gabriele Triebel, Abgeordnete der Grünen im Landtag, haben zu diesem Thema eine Anfrage an die Staatsregierung gestellt. Eine derartige Ansiedelung widerspräche eklatant dem Anbindegebot des Landesentwicklungsprogramms (LEP), warnt Peter Satzger, der stellvertretende Kreisvorsitzende des BN. Nach dem Anbindegebot seien neue Siedlungs- und Gewerbeflächen in Anbindung an geeignete Siedlungseinheiten auszuweisen. Dies sei in der Einöde Stillern nicht gegeben. „Auch die seit 2018 geltenden Ausnahmen vom Anbindegebot treffen hier nicht zu. Somit ist eine Industrieansiedlung hier nicht genehmigungsfähig“, betont Satzger.

    Beim Gutshof Stillern könnte sich laut Informationen des Bund Naturschutz ein holzverarbeitendes Unternehmen ansiedeln.
    Beim Gutshof Stillern könnte sich laut Informationen des Bund Naturschutz ein holzverarbeitendes Unternehmen ansiedeln. Foto: Thorsten Jordan/Archiv

    Zusätzlich sei eine weitere erhebliche Versiegelung der Landschaft zu befürchten. Wie Satzger erklärt, werde über einen Flächenbedarf von zehn Hektar gesprochen. Zwangsläufig gingen die dortigen landwirtschaftlich genutzten Flächen verloren. Dies wiederum erhöhe den ohnehin schon bestehenden Flächen- und Kostendruck für die Landwirtschaft zum Beispiel bei Pachten. Zudem müssten unter anderem die erschließenden Straßen wie die autobahnbegleitende Ortsverbindungsstraße für den zu erwartenden Lastwagenverkehr ertüchtigt, sprich massiv verbreitert, werden. „Die Firma Steico ist sicher eine Firma, gegen deren Ansiedlung grundsätzlich nichts einzuwenden ist. Allerdings müssen auch dabei die ohnehin schon stark aufgeweichten Vorgaben des Landesentwicklungsprogramms erfüllt werden. Wir haben im Landkreis bereits eine erhebliche Reduktion der landwirtschaftlichen Flächen durch den Wildwuchs von Gewerbeflächen. Nach dem großen Volksbegehren zur Artenvielfalt sollte eigentlich allen Verantwortlichen klar sein, dass es Zeit ist umzudenken.“, so Satzger weiter.

    Welche Forderungen der Bund Naturschutz erhebt

    Mit Blick auf den zu erwartenden Flächenverbrauch weist der BN auf Leerstände und nicht genutzte Flächen – insbesondere auch Konversionsflächen – im Landkreisgebiet hin. „Bevor in der freien Landschaft neu versiegelt und Fläche verbraucht wird, sollte zuerst einmal eine Bestandsaufnahme von Leerständen erfolgen“, so der Kreisvorsitzende Folkhart Glaser. Vor diesem Hintergrund wünsche der BN „eine ortsbezogene, kritische und naturverträgliche Planung, die sowohl die Ansprüche der Schaffung von Arbeitsplätzen als auch die der Nachhaltigkeit berücksichtigt und erfüllt“.

    Unterdessen haben die Landtagsabgeordneten Gabriele Triebel und Ludwig Hartmann von den Grünen eine schriftliche Anfrage an die Staatsregierung gestellt. Sie wollen unter anderem den Flächenbedarf erfahren und wissen, ob Alternativstandorte (zum Beispiel ungenutzte oder leer stehende Gewerbeflächen im Landkreis) geprüft und ob dem Unternehmen weitere staatliche Flächen angeboten worden sind. Außerdem fragen sie, welche Erschließungsmaßnahmen erforderlich würden.

    Die Nachfrage nach Holzdämmstoffen steigt massiv

    Die Firma Steico verarbeitet vor allem Restholz aus Sägewerken. Daraus werden Holzfaserdämmstoffe hergestellt. Das Unternehmen ist nach eigenen Angaben in diesem Bereich Weltmarktführer. Außerdem produziert das Unternehmen Furnierschichtholz und Stegträger aus Hartfaser. Die Aktiengesellschaft beschäftigt (Stand 2018) rund 1600 Mitarbeiter und erwirtschaftet einen Umsatz von 252 Millionen Euro. Das Unternehmen ging aus einem Holzwarenhandel hervor und stieg durch die Übernahme von Werken in Polen und Frankreich in die Holzverarbeitung ein. Aktuell entsteht aufgrund der hohen Nachfrage in Polen ein viertes Werk, um der steigenden Nachfrage nach Holzdämmstoffen etwa als Alternative zu Mineralfaserdämmstoffen Rechnung zu tragen.

    Eine Bestätigung, dass über eine Ansiedlung des Unternehmens bei Stillern verhandelt wird, gab das Unternehmen bislang nicht.

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