Der US-amerikanische Konzern Intel will eine Chipfabrik bauen und sucht europaweit nach einem Standort. In Bayern bewerben sich Schweinfurt und Penzing. Kommt das Unternehmen tatsächlich auf den Fliegerhorst, wäre es perspektivisch der größte Arbeitgeber im Landkreis Landsberg, Tausende Jobs sollen entstehen. Damit verbunden ist aber auch die Frage, welche Folgen das fürs Verkehrsaufkommen hätte. Das LT hat nachgefragt.
Mit der möglichen Ansiedlung von Intel – eine Entscheidung dazu soll bis Ende des Jahres fallen – würde das Verkehrsaufkommen rund um Penzing deutlich steigen. Darüber besteht unter den Politikern, die das LT befragt hat, kein Zweifel. Während Landrat Thomas Eichinger (CSU) die vorhandene Infrastruktur als Pluspunkt im Wettbewerb mit anderen Standortkandidaten sieht, werden auch besorgte Stimmen laut.
Für Eichinger ist klar, dass die Verkehrsanbindung Penzings ein Punkt ist, der ganz klar für eine Ansiedlung des Konzerns in Penzing spreche. „Die A96 und B17 sind ganz in der Nähe und der Flughafen München auch schnell erreichbar. Hinzu kommt die geplante Erweiterung der S-Bahn bis Buchloe. Ich könnte mir auch vorstellen, dass in Penzing ein zusätzlicher Haltepunkt entsteht.“ Ein entsprechendes Beispiel, wo das bereits umgesetzt wurde, gibt es jenseits der Landkreisgrenze schon: Für Amazon wurde in Graben (Landkreis Augsburg) ein zusätzlicher Halt an der Bahnstrecke von Augsburg nach Kaufering errichtet. Dieser ging im Jahr 2012 in Betrieb. Zuversichtlich ist der Landrat auch deswegen, weil der Bund und der Freistaat signalisiert haben, sich an der Schaffung von Infrastruktur wie neuen Verkehrswegen beteiligen zu wollen.
Deutlich skeptischer äußert sich die Grünen-Landtagsabgeordnete Gabriele Triebel aus Kaufering. „Wer seit Längerem regelmäßig auf der A96 unterwegs ist, merkt, dass der Verkehr jedes Jahr mehr wird. Und jetzt kommt, sollte Intel den Zuschlag erhalten, eine Zahl an Menschen dazu, die einer Kleinstadt entspricht. Dann müsste man die A96 wohl dreispurig je Richtung ausbauen.“ Sie geht zudem davon aus, dass der Verkehr in allen umliegenden Gemeinden zunehmen wird. Deswegen müssten diese zwingend in die Planungen eingebunden werden. „Vor allem für Kaufering Dorf könnte der zusätzliche Verkehr zur Belastung werden.“
Gabriele Triebel fordert Investitionen in öffentlichen Nahverkehr
Den vorhandenen öffentlichen Nahverkehr im Landkreis in seiner jetzigen Form bezeichnet sie als „unterentwickelt“. Die Nutzung der Bahn müsse deutlich attraktiver gemacht werden, fordert Triebel. Dazu gehöre die Reaktivierung des Gleises, das vom Fliegerhorst nach Epfenhausen führt, um Warenströme von Intel abzuwickeln. Sie kann sich zudem vorstellen, dass durch den zu erwartenden Zuzug die Reaktivierung der Fuchstalbahn von Landsberg nach Schongau Rückenwind erfährt. Auf eine überregionale Anbindung ans Schienenverkehrsnetz mithilfe des Freistaats hofft auch Landsbergs Oberbürgermeisterin Doris Baumgartl (UBV). Sie wolle hier auch eng mit der Gemeinde Penzing zusammenarbeiten.
Deren Bürgermeister Peter Hammer (CSU) kann sich vorstellen, dass künftige Mitarbeiter aus einem Umkreis von bis zu 100 Kilometern anfahren. Deswegen befürwortet auch er einen eigenen Bahnhaltepunkt. Weil die Planungen für die Nutzung der Fläche schon länger laufen, gibt es in Penzing auch Ideen, wie der Straßenverkehr geleitet werden könnte. „In der Vergangenheit wurde eine eigene Anbindung des Fliegerhorsts auf Höhe des Pullachhofs favorisiert“, sagt Hammer auf LT-Nachfrage. Dieser liegt zwischen Autobahn und dem Ortseingang. Denkbar ist aus seiner Sicht auch ein Zubringer, der schon ganz nah an der Autobahn beginne. „Was sinnvoller ist, sollen die Fachleute entscheiden.“ Der Fokus liege auf der Erschließung von Süden, betont er. Perspektivisch könne er sich aber auch vorstellen, dass zusätzlich eine Anbindung von Norden geschaffen werde.
Ein Teil des zusätzlichen Verkehrs könnte auch Schwifting abbekommen. Dort sorgt derzeit ohnehin schon ein anderes Vorhaben Penzings für massive Kritik: die angedachte Ansiedlung der Firma Steico am Stillerhof nahe Schwifting (LT berichtete). Bis zu 150 Lkw-Fahrten pro Tag stehen im Raum. Bürgermeisterin Heike Schappele verweist darauf, dass bereits wegen des Kieswerks viel Lkw-Verkehr durch die kleinste Gemeinde im Landkreis fahre. „Es besteht die Sorge, dass die Lkw von Steico über die künftige Ortsumfahrung von Lengenfeld Richtung Österreich fahren, um sich die Maut zu sparen“, so Schappele. Die Schwiftinger wollen nun erst einmal abwarten, bis die Bauleitplanung für Steico vorliegt.
Peter Hammer sagt, dass noch viele Fragen zu klären seien, er aber davon ausgehe, dass dem Unternehmen „das nachbarschaftliche Verhältnis so wichtig ist, dass sie nicht durch Schwifting fahren“. Denkbar ist für ihn, dass die Lkw wie in einer Einbahnstraße fahren und die Zufahrt beispielsweise über Landsberg-Ost und die Abfahrt über Schöffelding erfolge. Zwischen den beiden Anschlussstellen liegen acht Kilometer.
Eine zusätzliche Anschlussstelle an die A96?
Rentiert sich eine weitere Autobahnanbindung auf Höhe des Stillerhofs, auch mit Blick auf Intel? Josef Seebacher, Pressesprecher der Autobahndirektion Südbayern, sagt dazu auf Anfrage unserer Zeitung, dass die „überörtliche Anbindung des Fernverkehrs“ das zentrale Kriterium sei. Zudem müsse ein Verkehrsgutachten erstellt werden und auch andere Aspekte wie der Naturschutz spielten eine Rolle.
„Und man muss bedenken, dass neue Auffahrten auch für eine Verlagerung der Verkehrsströme sorgen. Es werden deswegen nicht alle entlastet.“ Zu berücksichtigen sei zudem, dass Anschlussstellen die größten Störpunkte für den fließenden Verkehr und Unfallgefahrenpunkte seien, so Seebacher. Ein Faktor seien zudem die Kosten. Eine Anschlussstelle zu bauen, koste mehrere Millionen Euro, sagt der Pressesprecher.