Startseite
Icon Pfeil nach unten
Landsberg
Icon Pfeil nach unten

Region Landsberg: Wie sich ein Schauspieler für ein würdiges Lebensende einsetzt

Region Landsberg

Wie sich ein Schauspieler für ein würdiges Lebensende einsetzt

  • |
  • |
  • |
    Dieter Fischer im Klostergarten mit einem Hospizgast
    Dieter Fischer im Klostergarten mit einem Hospizgast Foto: Monika Brandmaier

    Es war wie so oft im Leben ein Zufall, der den Schauspieler Dieter Fischer mit der Endlichkeit des menschlichen Lebens direkt in Kontakt brachte. Dreharbeiten zu der TV-Serie "Rosenheim-Cops", in der er den Kriminalkommissar Anton Stadler verkörpert, führten nach Bernried. Dort ist aber auch der ambulante Dienst des Hospizvereins im Pfaffenwinkel untergebracht. Eine Begegnung, die seither im Leben des Schauspielers eine wichtige Rolle spielt.

    Menschen in der Endphase ihres Lebens gut betreuen und begleiten ist Anliegen und Aufgabe des Hospizvereins im Pfaffenwinkel mit Sitz in Polling, eine Einrichtung, die für die Region eine zunehmend große Bedeutung hat. Der Schauspieler Dieter Fischer wohnt in Herrsching und ist seit Kurzem Schirmherr des Vereins. Eine seiner Kolleginnen am Rosenheim-Cop-Set, Marisa Burger, erzählte Fischer von ihrem Engagement für ein Kinderhospiz. „Das hat mich sehr berührt“, erzählt der Schauspieler. Schon kurze Zeit später begegnete ihm das Thema in Bernried ein zweites Mal – am Drehort war der ambulante Dienst eines Hospizvereins untergebracht.

    Die Angst vor dem Tod

    „Man hat ja eigentlich keine Ahnung, um was es in der Hospizarbeit genau geht. Wir haben Angst vor dem Tod, wollen uns aber damit gar nicht beschäftigen“, sagt Fischer. Er informierte sich weiter und erfuhr: In der Region gibt es nur drei stationäre Hospize: in Augsburg, in München und im Kloster Polling. Im Gespräch mit Renate Dodell, der Vorsitzenden des Hospizvereins im Pfaffenwinkel, wurde ihm schnell klar, dass die Menschen für ein Kinderhospiz mehr Geld spenden als für ältere Patienten. „Und dabei können wir alle etwas tun“, so Fischer, „eine Jahresmitgliedschaft für 65 Euro sollte sich doch jeder leisten.“

    Der Hospizverein hat neben 41 hauptamtlichen Mitarbeitern 165 ehrenamtliche Hospizbegleiter, wie Alexandra Meyer erzählt. Die Sozialpädagogin ist eine von sieben Personen, die den Einsatz der Helferinnen – überwiegend sind es Frauen – und Helfer koordiniert. „In diesem Jahr waren alle im Einsatz: im stationären Hospiz, in Krankenhäusern und dort, wo die Menschen zu Hause sind, in der eigenen Wohnung oder in einem Pflegeheim.“

    Man spricht nicht von Patienten, sondern von Gästen

    Fährt man auf Polling zu, sieht man schon von Weitem den Kirchturm und das Klostergelände. Über den Klosterhof gelangt man ins Hospiz. „Leben bis zuletzt“, steht in dezenter Schrift an der Wand im Erdgeschoss. Ein schönes altes Treppenhaus aus braunem und blaugrauem Holz führt in den ersten Stock. Dort sitzt die Verwaltung. Der ambulante Dienst ist von Bernried dorthin umgezogen. Im zweiten Stock dann das stationäre Hospiz mit großem Ess- und Besprechungstisch, einer Sitzecke im Eingangsbereich, einer modernen Küche, dem Stationszimmer und zehn Zimmern für die Hospizgäste – sie werden bewusst Gäste und nicht Patienten genannt.

    Dieter Fischer hat das Hospiz einen Tag lang „als Praktikant“ besucht. Er schaute dem Pflegepersonal über die Schulter, kam mit den Hospizgästen ins Gespräch, servierte das Essen und las vor. Die Arbeit dort beeindruckt ihn: „Die Übergabe beim Schichtwechsel dauert eine Stunde, da wird jeder der zehn Gäste und jede noch so kleine Einzelheit ausführlich besprochen“, so der Schauspieler. Das Pflegepersonal versucht, jeden Wunsch zu erfüllen, auch beim Essen: „Vielleicht können viele ihn gar nicht mehr essen, aber allein der Duft eines Schweinebratens bedeutet oft eine Sekunde des Glück“, so Dieter Fischer.

    Der Schauspieler liest zugunsten des Hospiz

    Es gibt auch Musik- und Atemtherapie, Besuche eines Klinik-Clowns, die Aromalampe verströmt den Lieblingsduft und vom CD-Player ertönt die Lieblingsmusik. Die Gäste können persönliche Gegenstände mitbringen und ihr Lieblingsbild aufhängen lassen.

    Menschenwürde, größtmögliche Selbstbestimmung, Lebensqualität und Schmerzlinderung, unabhängig von Alter, Religion, Staatsangehörigkeit oder Weltanschauung, darum geht es dem Hospizverein. Aber auch darum, die Angehörigen nicht allein zu lassen und zu unterstützen. Diese Aufgabe bewältigen die Hospizbegleiter sowohl stationär als auch ambulant: das persönliche Gespräch in besonders schweren Momenten, praktische Hilfe beim Ausfüllen von Formularen und vieles mehr. Und auch nach dem Tod eines geliebten Menschen endet das Angebot für Angehörige nicht: Es gibt regelmäßige Gesprächskreise zur Trauerbewältigung.

    Dieter Fischer ist Mitglied Nr. 1062 und spendet zum Beispiel den Erlös seiner Lesungen dem Hospizverein. In der bevorstehenden Vorweihnachtszeit liest er „Die Heilige Nacht“ von Ludwig Thoma im Ignazhof in Widdersberg bei Herrsching. „Und ich werbe überall für den Hospizverein. Mein Ziel sind 2000 Mitglieder!“ Einen ausgefüllten Mitgliedsantrag, so versichert der sympathische Schauspieler, hole er gerne persönlich ab.

    Der Verein hat derzeit knapp 1100 Mitglieder. Beratung, Betreuung, Begleitung und Aufnahme ins Hospiz sind kostenfrei.

    Diskutieren Sie mit
    XXX 0 Kommentare
    hier kommen komentare rein
    Dieser Artikel kann nicht mehr kommentiert werden