Das Lehrergesangsquartett mit (von links) Matthias Utz, Daniel Schmidt, Karin Hering und Veronika Graser eröffnete das Benefizkonzert der Sing- und Musikschule.Foto: Thorsten Jordan
Die städtische Sing- und Musikschule warb in ihrem Benefizkonzert wieder um Spenden und neue Förderer. Diesmal stand es im Zeichen des Faschings. So startete ein Gesangsquartett mit bunten Glitzerhüten und Federboas mit dem bekannten Song „Der Entertainer“ von Scott Joplin. Der Gitarrenlehrer Michael Groll begrüßte die Kulturreferentin im Stadtrat, Ursula Schaller. Auch die zweite Vorsitzende des Fördervereins der Musikschule Corona Kleinhof-Röschert wandte sich kurz ans Publikum. Der Verein unterstützt die Schule bei ihren Konzerten und Reisen.
Michael Groll führt das unbeschwerte Programm mit einem eigenen Werk fort. In Anlehnung an Mendelssohn Bartholdys „Lieder ohne Worte“ trägt er „Worte ohne Lieder“ vor. Auf seiner Gitarre zupft er einzelne Töne, deren Namen er mitspricht. Aus unzusammenhängenden Tönen entwickelt sich eine Geschichte: Der H-a-es-e und der Fis-c-h sitzen im Schatten einer Es-c-h-e und bekommen ein E-is, weil ihnen so h-eis ist. Der kreative wie gekonnte Vortrag kommt im nahezu voll besetzten Rathaussaal gut an.
Eine ungewöhnliche kammermusikalische Kombination
Im ernsthafteren Teil kommt das Konzert mit dem Divertimento in G-Dur von Baptist Vanhal an, vorgetragen vom Trio aus Somin Cha, Kyuri Lee und Ariya Wibisono an Bratsche, Geige und Kontrabass. Melanie Schmidt und Gerhard Abe-Graf beeindrucken weiterhin an Klarinette und Klavier mit einem Auszug aus dem Grand Duo Concertant von Carl Maria von Weber. Mit Gitarre und Flöte kommt während Entr‘ Acte von Jaques Ibert eine eher ungewöhnliche kammermusikalische Kombination zum Einsatz. In dem anspruchsvollen Werk ist nicht ein Instrument der Solo-Part, sondern Ariya Wibisono und Michael Groll wechseln sich mit den Soli ab. So wird die Geige in begleitender Funktion auch mal zum Zupfinstrument. Besonders stechen die spanischen Einflüsse heraus: die wirbelnden Rhythmen erinnern an den Flamenco-Tanz.
Ariya Wibisono (Violine), Kyuri Lee (Bass) und Somin Cha (Viola) trugen den Divertimento in G-Dur von Baptist Vanhal vor.Foto: Thorsten Jordan
In eine Hexe verwandelt sich Sängerin Katalin Zsemberi im „Hexenlied“ von Mendelssohn Bartholdy. Das trägt sie wunderbar theatral mit passender Mimik und Gestik vor. Das spielerische Faschings-Thema führt anschließend der zehnköpfige Lehrerchor weiter. „Tik Tak Tik Tak“, marschieren sie im Gleichschritt auf die Bühne. Die Rhythmen ihres Sprechgesangs spalten sich sogleich voneinander ab. „Ich präsense, ich präsense, du wirst futurn!“, sprechen die Sängerinnen und Sänger. So entsteht in Martin Stampfls „Zeitenfuge“ ein wildes Geflecht der Zeitformen.
Eine in Strohhut und Hawaiihemd hingebungsvoll vorgetragene Arie
Zum Durchatmen kommt das Publikum während Silvius Leopold Weiss‘ Sonate. Eigentlich für Laute komponiert, trägt Philipp Romacker das Barockstück auf der Gitarre vor und verbreitet damit eine ruhige und friedliche Stimmung. Das Programm ist jetzt erst in seiner zweiten Hälfte angekommen. Mit seinen stolzen 14 Programmpunkten bleibt der Abend dennoch kurzweilig. Denn die einzelnen Vortragenden bleiben jeweils maximal um die fünf Minuten auf der Bühne. Die große Abwechslung der Stile tut ihr Übriges.
Besonders lang anhaltenden Applaus bekommt Mozarts Konzertarie „Per questa bella mano“. Matthias Utz und Kyuri Lee haben als Sänger und Bassistin die Solostimmen und werden von Orchester und Klavier begleitet. Eine in Strohhut und Hawaiihemd hingebungsvoll vorgetragene Arie ist ein ungewöhnlicher Anblick, der seine eigene Komik birgt. Die einzelnen Stimmen fügen sich harmonisch ineinander und die Lehrkräfte ernten Bravo-Rufe.
Katalin Zsemberi (Gesang) und Gerhard Abe-Graf (Klavier) bei ihrer Darbietung des Hexenlieds.Foto: Thorsten Jordan
Salonorchester animiert das Publikum zum Mitsingen
Mit ernsten Gesichtern betreten dann fünf Musizierende die Bühne, verbeugen sich ausführlich, stimmen ihre Instrumente. Die Spannung steigt. Jeanette Höfer am Fagott holt tief Luft und... verharrt. Die vollbesetzte Bühne ist wie versteinert. Ungeduldiger Zwischenapplaus, als Wenzel Gummer den Flügeldeckel senkt. „Hä?“, hört man ein Kind fragen. Es flüstert, es raschelt, ein Handy vibriert. Aber viereinhalb Minuten sind lang. Diese Erfahrung macht das Publikum während John Cages Stück „4.33“. Im komponierten Schweigen sollen ebendiese zufälligen Geräusche die Musik darstellen.
Wenzel Gummer liefert einen weiteren Höhepunkt des Abends. Er schlüpft in die Rolle des gescheiterten Kulturförderers Wendell Kretschmer, einer Romanfigur aus Thomas Manns „Doktor Faustus“. Seine beeindruckende schauspielerische Darbietung kombiniert einen Monolog mit dem inhaltlich abgestimmten Vortrag einer Beethoven-Sonate.
Ein Salonorchester animiert das Publikum schließlich zum Mitsingen. Mit „Oh Donna Clara“ und „Heinzelmännchens Wachtparade“ entlässt es das Publikum beschwingt in den Abend. Den Lehrkräften ist damit wieder ein niveauvoller wie leichtfüßiger Abend gelungen.
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