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Der Stille Held Ernst Roeckl setzt sich für Mobilität mit weniger Autoverkehr ein

Dießen

Stiller Held Ernst Roeckl: Wer Carsharing macht, fährt weniger Auto

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    Prof. Dr. Ernst Röckl ist der Stille Held des Monats Juni. Das Foto zeigt ihn mit seinem Fahrrad am Augustinum in Dießen. Er setzt sich für Carsharing und mehr Radverkehr ein.
    Prof. Dr. Ernst Röckl ist der Stille Held des Monats Juni. Das Foto zeigt ihn mit seinem Fahrrad am Augustinum in Dießen. Er setzt sich für Carsharing und mehr Radverkehr ein. Foto: Thorsten Jordan

    Sie versehen ihre Tätigkeiten, ohne groß Aufhebens davon zu machen. Sie helfen, unterstützen, begleiten und gehen voran. Es sind die Ehrenamtlichen, ohne die das Gemeinwesen nicht funktionieren würde. Wir, das sind der Landkreis Landsberg, die Sparkasse Landsberg-Dießen und das Landsberger Tagblatt, sagen „Danke“ und stellen monatlich einen dieser „Stillen Helden“ im Porträt vor. Heute Ernst Roeckl aus Dießen

    Ernst Roeckl (88) liegt der Klimaschutz am Herzen. Er ist ein langjähriger Verfechter der nachhaltigen Mobilität, passionierter Rradfahrer und Mitbegründer des Carsharing-Vereins Dießen. Und auch seine weiteren Ehrenämter zeigen, dass ehrenamtliches Engagement keine Altersgrenzen kennt und zudem jung hält. Dafür wurde er nun als Stiller Held ausgezeichnet.

    Der Schutz des Klimas motiviert Ernst Roeckl, ehrenamtlich tätig zu sein

    Mit der Rente kam das Ehrenamt – Professor Dr. Ernst Roeckl hatte nun Zeit, sich für das, was ihm wichtig ist, zu engagieren. In erster Linie ist das der Klimaschutz. „Ich möchte dazu beitragen, dass der Energieverbrauch durch Mobilität gemildert wird“, sagt Roeckl. Sein Konzept dafür besteht aus einer Kombination von Carsharing und der Nutzung des Fahrrads als Verkehrsmittel im Alltag und für die Freizeit. Ganz ohne Auto geht es nicht und manch einer kann auf sein Auto auch nicht verzichten: Ernst Roeckl ist kein Hardliner in Sachen nachhaltige Mobilität, aber ein Vordenker, Macher und Vorbild.

    2019 gründete er den Dießener Carsharing-Verein mit, überließ sein Auto zuerst dem Verein, bis dieser es dann kaufte. Es gehört heute zu der Vierer-Flotte, die beim Besuch unserer Redaktion im Augustinum in Dießen, wo Ernst Roeckl wohnt, komplett gebucht war. Rund 100 Mitglieder zählt der Verein, wer jetzt kurzfristig ein Auto leihen möchte, hat das Nachsehen. Dass alle Fahrzeuge gleichzeitig unterwegs sind, sei aber eher selten, räumt Roeckl ein, der daran arbeitet, dass künftig auch ein E-Auto zur Flotte gehört.

    Ohne eigenes Auto wird jede Fahrt genauer überlegt, sagt Ernst Roeckl

    Ernst Roeckl ist gleich mit zwei Funktionen im Vorstand des Carsharing-Vereins aktiv: Als Vorsitzender und Kassenwart – eine recht aufwendige Arbeit, für die sich der Professor für Physik auch buchhalterische Kenntnisse aneignete. Etwas Neues zu lernen und sich auch im Alter in die Gesellschaft einzubringen, ist ihm wichtig. „Die Welt ist da draußen“, sagt er und deutet mit dem Finger hinaus in die grüne Landschaft, die sich vor seinem Appartement im Augustinum ausbreitet. Unermüdlich versucht er, Mitbewohnerinnen und Mitbewohner zu gewinnen, für ein Ehrenamt, für das Stadtradeln, bei dem er jährlich mit verschiedenen Gruppen teilnimmt. Oder eben für das Carsharing. Dann sei das Gelände rund um das Heim auch nicht so zugeparkt, aus versiegelten könnten wieder Naturflächen entstehen, so die Hoffnung von Roeckl. Seine Überzeugung: „Wer beim Carsharing mitmacht, fährt weniger Auto.“ Denn ohne eigenes Fahrzeug, das stets bequem vor der Haustür steht, wird jede Fahrt besser überlegt oder es wird nach Alternativen gesucht. Wie Mitfahrgelegenheiten bei Nachbarn oder Freunden oder eben das Fahrrad.

    Wer so aktiv Fahrrad fährt wie Ernst Roeckl wünscht sich einen sicheren Radweg. Und so begann sein Engagement für einen Radweg an der Birkenallee am Südende des Ammersees vor 30 Jahren, kurz nachdem er nach Fischen gezogen war - nach vielen Jahren, die er in der Grundlagenforschung an wechselnden Wohnorten in Europa und Deutschland verbracht hatte. Zwar wurde Roeckl in Berlin geboren, jedoch wuchs er in Tutzing auf und als aktiver Skifahrer, Radler und Schwimmer hatte es ihn wieder in die Region gezogen.

    Mit vielen Radldemos machte sich Roeckl für den umstrittenen Radweg stark – bis heute ohne Erfolg. In der Sache sind Klimaschützer wie Roeckl und Naturschützer wie der Bund Naturschutz unterschiedlicher Meinung. Doch aufgegeben hat Roeckl nicht. Er hofft auf die Einleitung eines Planfeststellungsverfahrens durch die Regierung von Oberbayern. Und er plädiert auch nach wie vor für einen Radweg von Dießen nach Raisting.

    Zudem setzt er sich in seinem Wohnort für mehr Akzeptanz von Radfahrern und die Ausdehnung der Tempo-30-Zonen ein und wünscht sich mehr ökologisches Engagement von der Gemeinde, deren Geschicke er im Gemeinderat als Nachrücker für Gabriele Übler (Grüne) für ein Jahr mitbestimmte.

    Auch die Schulwegsicherheit ist Ernst Roeckl ein Anliegen

    Eine Zeit lang fungierte Roeckl als Lernpate für ein jemenitisches Mädchen an der Carl-Orff-Schule und gab Mathe-Nachhilfe. Und auch als Schulweghelfer ist er an einem Tag alle zwei Wochen im Einsatz. Dann heißt es seit acht Jahren: bei jedem Wetter früh aufstehen und losradeln, um die Schülerinnen und Schüler sicher über die Straße zu geleiten. „Das ist ein wichtiges Ehrenamt“, sagt Roeckl und man merkt ihm an, dass er Freude an der Begegnung mit jungen Menschen hat.

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