Die Rotter Straße in Dießen ist im Wandel: Bildete sie noch vor einigen Jahren einen locker bebauten und recht unterschiedlich genutzten Siedlungsstrang in Richtung Westen, wird die Bebauung stetig intensiviert. Die nächste Etappe stellt der vor Kurzem begonnene Bau des Wohnparks am Marienmünster dar. Das LT hat mit dem Investor über sein Vorhaben und über den Immobilienmarkt in Dießen im Allgemeinen gesprochen.
Von dieser ist seit ein paar Wochen nichts mehr zu sehen. Die Erdarbeiten für Keller und Tiefgarage sind bereits in vollem Gang. In den nächsten Monaten werden darüber vier Mehrfamilienhäuser mit insgesamt 25 Wohneinheiten errichtet. Die Wohnpark am Marienmünster GmbH setzt damit wieder auf den Geschosswohnungsbau, der nach einer Hochphase bis Anfang der 1990er-Jahre in Dießen eher eine untergeordnete Rolle spielte. Gebaut wurden – wie etwa auf dem Nachbargrundstück des künftigen Wohnparks, dem ehemaligen Gattingerkeller – eher Reihen- und Doppelhäuser.
Warum der Investor auf Geschosswohnungen setzt
Diese Umorientierung erklärt Ninos Hanna, der Inhaber und Geschäftsführer des Bauträgerunternehmens, mit zwei Aspekten. Zum einen könne eine Wohnung flexibler genutzt werden: zum Selbstbezug, aber auch zur Vermietung. „Ein Haus zu vermieten, lohnt sich hingegen nicht“, sagt Hanna. Außerdem sei eine Wohnung als Kapitalanlage gerade fürs Alter auch deswegen mehr geeignet, weil man sich nicht selbst um das Objekt kümmern müsse, sondern dies eine Hausverwaltung übernehme.
Aber natürlich gibt es auch noch einen zweiten Grund, der nun eher wieder für Geschosswohnungen als für Häuser spricht: der Preis. Aktuell werden in Dießen neue Reihenhäuser und Doppelhaushälften für 800.000 Euro und mehr angeboten, neue oder neuere Einfamilienhäuser liegen bei über einer Million Euro. Das können sich immer weniger Menschen leisten. Eine familientaugliche Geschosswohnung liegt da doch um 100.000 oder 200.000 Euro unter einer Reihen- oder Doppelhauseinheit. Dementsprechend ist auch der Wohnpark am Marienmünster konzipiert. Es handelt sich großteils um Vierzimmerwohnungen. Ein Vorgängerprojekt in Schondorf habe gezeigt, dass hierfür momentan die größte Nachfrage bestehe, sagt Hanna, gerade auch von Familien, die ins Fünf-Seen-Land kommen oder es nicht verlassen wollten. Daneben gebe es auch Anleger, die in Immobilien ein inflationssicheres Investment sähen oder vor dem Eindruck der Corona-Krise einer weiter positiven Entwicklung am Aktienmarkt nicht mehr trauten. Auch in Dießen laufe es gut: „Für 13 von 25 Wohnungen sind oder waren schon Notartermine“, berichtet der Investor.
Preise auf Landsberger Niveau
Diese werden in der Rotter Straße für Quadratmeterpreise ab 6580 Euro angeboten, macht also für eine Vierzimmerwohnung eine halbe Million Euro oder mehr. Das entspricht etwa dem Niveau des „Urbanen Leben am Papierbach“ in Landsberg und liegt damit noch nicht am oberen Ende im Landkreis. Das markieren momentan die künftigen Wohnungen auf dem ehemaligen Prix-Gelände in Schondorf. Die frei verkäuflichen und nicht für Ortsansässige reservierten Einheiten werden dort für 8000 Euro und mehr pro Quadratmeter angeboten. Die Folgen dieser Preisspirale spüren nicht nur junge Familien, die sich Wohneigentum schaffen wollen, sondern auch Anleger. Die Zeiten, in denen sich eine Immobilie durch Mieteinnahmen in 15 oder 20 Jahren abzahlen sollte, sind längst vorbei, denn die Kaufpreise sind in den vergangenen Jahren stärker gestiegen als die Mieten. Wer bei einem Kaufpreis von 6580 Euro pro Quadratmeter Wohnfläche fünf Prozent Rendite erzielen möchte, müsste eine Quadratmetermiete von 27 Euro im Monat verlangen.
Die Nachfrage treibt die Preise in die Höhe – und das fange schon beim Grundstückspreis an. „Viele Eigentümer haben überzogene Vorstellungen, zum Teil natürlich auch zu Recht“, meint Hanna. Gestiegen seien in den vergangenen Jahren aber auch die Baukosten.
Auch das Baumaterial wird immer teurer
Davon kann auch Stefanie Höfle ein Lied singen. Das Holzbauunternehmen Höfle aus Thaining bebaut seit Frühjahr mit einem Partner ein gut 3800 Quadratmeter großes Grundstück zwischen der Bannzeile und dem Forstanger. Wo sich früher ein Haus mit einer Pferdeweide befand, werden künftig drei Einfamilien- und drei Doppelhäuser stehen. Die Gebäude, die in Holzbauweise errichtet werden, werden für Preise von knapp einer Million bis knapp 1,3 Millionen Euro angeboten. Von einem „realen Marktwert“ spricht Höfle. Dieser bilde auch die steigenden Baukosten ab. Sie nennt ein Beispiel: Ein Holzlieferant habe kürzlich erklärt, nicht mehr liefern zu wollen, weil ihm Abnehmer aus den Vereinigten Staaten das Doppelte bezahlten. Und um Mitarbeiter zu halten, müssten die Handwerksfirmen höhere Löhne zahlen. „Die kämpfen alle mit den gleichen Themen“, sagt Höfle. Die Wohnbebauung an der Bannzeile ist das erste Bauträgerprojekt des Unternehmens Höfle, das seit vielen Jahren schlüsselfertig baut und als Generalunternehmer für Bauträger tätig ist.
Die Interessenten für das Dießener Projekt kämen hauptsächlich aus dem Raum München: „Das sind junge Familien mit Doppelverdienst, die finden das bombastisch, was sie in Dießen vorfinden.“
Egal ob es das Viertel zwischen Bannzeile, Hofmark, Lachener Straße und Romenthal oder die Rotter Straße ist: Überall in Dießen wird nachverdichtet. Im Dießener Norden gibt es nur noch wenige gänzlich unbebaute Flächen. Am augenfälligsten ist diese Entwicklung im Bereich Von-Baab-Weg und St.-Mechtildis-Straße. In der Rotter Straße wurde der Gattingerkeller abgerissen und durch Reihen- und Doppelhäuser ersetzt, schon längere Zeit liegen die Bebauungen im Bereich der früheren Baufirma Müller oder auch zwischen Johann-Michael-Fischer-Straße und Metzgerweiher zurück.
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