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Eichenprozessionsspinner breitet sich 2026 im Landkreis Landsberg stark aus

Landkreis Landsberg

Plage im Landkreis Landsberg: Was tun, wenn der Eichenprozessionsspinner sich breit macht?

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    Eine Raupe des Eichenprozessionsspinners kriecht auf einem Eichenstamm entlang.
    Eine Raupe des Eichenprozessionsspinners kriecht auf einem Eichenstamm entlang. Foto: Patrick Pleul/dpa (Symbolbild)

    Susann Huttenloher wählt deutliche Worte. „Die Situation ist dramatisch“, sagt die Kreisfachberaterin für Gartenkultur und Landespflege am Landratsamt in Landsberg. Denn die Raupen des Eichenprozessionsspinners breiten sich in der Region zwischen Ammersee und Lech heuer deutlich stärker aus als in den Jahren zuvor. Die Insektenart schädigt nicht nur die Eichen, die Brennhaare der Raupen können für Mensch und Tier nicht nur unangenehm, sondern mitunter gefährlich werden.

    Der Eichenprozessionsspinner ist ein heimischer Nachtfalter, dessen Larven ausschließlich an jungen Eichenblättern fressen. Sein Bestand nimmt auch in der Region aufgrund der Klimaveränderungen stetig zu. In den 1990er-Jahren noch als selten eingestuft, beobachten Huttenloher und ihre Kolleginnen und Kollegen in den vergangenen Jahrzehnten eine starke Vermehrung und Ausbreitung. Nach dem trockenen Frühjahr und der Wärmeperiode im Mai ist der Eichenprozessionsspinner heuer im Landkreis an zahlreichen Eichen entdeckt worden. An manchen Wegen und Bereichen, wo sich viele Menschen aufhalten und bewegen, machen mittlerweile Warnschilder auf den Befall aufmerksam, etwa entlang der Straße zwischen Landsberg und Igling.

    Sonderkontrollen an den Eichen im Landsberger Stadtgebiet

    Das städtische Forstamt hat in den vergangenen Wochen Kontrollen auf einen Befall durch den Eichenprozessionsspinner durchgeführt, teilt Fabio Gruber, der Pressesprecher der Stadt, auf Nachfrage unserer Redaktion mit. Sämtliche im Baumkataster erfassten Eichen seien im Rahmen einer Sonderkontrolle gezielt auf Befall überprüft worden. „Innerhalb des Stadtgebiets wurde bislang nur ein vergleichsweise geringer Befall festgestellt.“ In den Waldgebieten sei die Belastung durch den Eichenprozessionsspinner hingegen höher. An Standorten außerhalb des Waldes, an denen mit Personenverkehr zu rechnen ist, werden Nester und Raupen des Eichenprozessionsspinners in den kommenden Tagen im Auftrag der Stadt von einer Fachfirma entfernt. Für die Durchführung der Arbeiten kann es laut Gruber erforderlich sein, einzelne Bereiche vorübergehend zu sperren.

    Der Eichenprozessionsspinner breitet sich im Landkreis Landsberg stark aus. Tagsüber leben die Raupen gesellig in Gespinstnestern.
    Der Eichenprozessionsspinner breitet sich im Landkreis Landsberg stark aus. Tagsüber leben die Raupen gesellig in Gespinstnestern. Foto: Dr. Gabriele Lobinger

    Der im August und September am Abend fliegende Falter legt seine Eier plattenweise an der Rinde von meist älteren Eichen ab. Anfang Mai, wenn die Eichen austreiben, schlüpfen die Raupen. Tagsüber leben sie gesellig in Gespinstnestern, abends wandern die Raupen dann wie in einer „Prozession“ hintereinander in die Baumkronen, um zu fressen. Bis zur Verpuppung häuten sich die Raupen mehrmals. Ab der dritten Häutung bilden sich auf den Raupen sehr feine Brennhaare, die als Brennsubstanz das giftige Eiweiß Thaumetopoein enthalten. Diese Substanz kann beim Menschen, aber auch bei Tieren, vorwiegend bei Hunden, Katzen, Rindern und Pferden heftige allergische Reaktionen auf der Haut und in den Atemwegen auslösen. Die Haare haben Widerhaken, können sich so in der Kleidung und im Fell von Tieren festsetzen und auf diesem Weg in die Wohnung gelangen.

    Im Landkreis Landsberg sind erste Maßnahmen zur Bekämpfung bereits angelaufen

    Bekämpfungsmaßnahmen vonseiten des Landkreises, der Stadt und einigen Gemeinden sind in öffentlichen und stark frequentierten Bereichen bereits angelaufen. „Wir werden den Eichenprozessionsspinner aber nicht wieder loswerden. In den Wäldern oder in der freien Landschaft ist eine Bekämpfung weder möglich noch sinnvoll und notwendig“, sagt Susann Huttenloher. Der Falter fliege zudem sehr weit und erobere sich zunächst bereinigte Lebensräume schnell wieder zurück. „Wir werden lernen müssen, mit dem stärkeren Vorkommen des Eichenprozessionsspinners zu leben und mit Bedacht umzugehen.“

    Folgende Vorsichtsmaßnahmen empfiehlt das Landratsamt:

    • Stark befallene Bereiche meiden und Warnhinweise unbedingt beachten
    • Auf befestigten Wegen bleiben und Hunde an der Leine behalten
    • Rinder und Pferde von betroffenen Weiden nehmen
    • Raupen und Gespinste nicht berühren – Kinder gut und genau informieren

    Bei Kontakt empfiehlt sich folgende Vorgehensweise:

    • Kleidung wechseln und waschen – möglichst über 60 Grad Celsius
    • Belastete Kleidung und Schuhe nicht in den Wohnbereich bringen
    • Duschen und Haare waschen
    • Mit Haustieren sofort zum Tierarzt gehen, wenn sich allergische Reaktionen zeigen

    Es gibt laut Susann Huttenloher auch noch einige andere Schmetterlingsarten, die dieses Jahr durch Gespinste auffallen und häufig mit dem Eichenprozessionsspinner verwechselt werden. Meistens handelt es sich um harmlose Gespinnstmotten, die ihre Futterpflanzen teilweise vollständig einspinnen und kahl fressen. Die Raupen sind für Mensch und Tier aber harmlos.

    Eichenprozessionsspinner bevorzugen warm-trockene Bedingungen.
    Eichenprozessionsspinner bevorzugen warm-trockene Bedingungen. Foto: Philip Dulian/dpa (Symbolbild)

    Wer einen Befall von Eichenprozessionsspinnern in seinem Garten entdeckt, sollte besonnen handeln, sagt Huttenloher. Kann der Bereich um den befallenen Baum nicht abgesperrt werden, empfiehlt es sich, eine Fachfirma hinzuzuziehen. Diese führt abhängig vom Entwicklungsstadium der Raupen geeignete Bekämpfungsmaßnahmen durch. In der Regel wird der Kronenbereich befallener Eichen abgesperrt und mit entsprechenden Hinweisschildern versehen. Befindet sich die Baumkrone hingegen unmittelbar im Bereich von Geh- und Radwegen oder beispielsweise auf Schulhöfen, sodass ein Kontakt mit den Brennhaaren von oben nicht ausgeschlossen werden kann, werden die Nester abgesaugt. Abhängig von der jeweiligen Befallssituation kann jedoch auch eine gezielte Behandlung mit zugelassenen Biozidprodukten sinnvoll sein. Der Einsatz dieser chemischen Mittel ist laut Susann Huttenloher nur in den frühen Larvenstadien sinnvoll, da die Raupen zu diesem Zeitpunkt noch keine Brennhaare ausgebildet haben.

    Der Kontakt mit Brennhaaren der Raupen kann eine Raupendermatitis, einen Hautausschlag oder eine Bindehautentzündung hervorrufen. Auch Atemwegsreizungen, Schwindelgefühl oder Fieber können auftreten. Ursache ist das Nesselgift Thaumetopoein auf den Härchen der Larven. Dabei geht nicht nur von frischen Brennhaaren ein Risiko aus. Auch Tiere können durch den Kontakt mit den Brennhaaren beeinträchtigt werden. Bei ihnen besteht die Gefahr von Reizungen des Verdauungstraktes, der Haut oder der Augen. Zudem können die Brennhaare durch das Fell der Tiere verschleppt werden.

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