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Geheimes Reichsbürger-Treffen in Igling: Polizei ermittelt

Igling

Das ist bislang zum Reichsbürger-Treffen in Igling bekannt

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    Im ehemaligen Gasthaus Weißes Lamm in Unterigling hat Mitte September eine Versammlung von Reichsbürgern stattgefunden.
    Im ehemaligen Gasthaus Weißes Lamm in Unterigling hat Mitte September eine Versammlung von Reichsbürgern stattgefunden. Foto: Thorsten Jordan

    An einem Wochenende Mitte September ist der Saal der ehemaligen Gaststätte Weißes Lamm in Unterigling Treffpunkt für Reichsbürger, Selbstverwalter und Corona-Leugner. Die Öffentlichkeit erfährt davon eher durch Zufall. Die Grüne Landtagsabgeordnete Gabriele Triebel aus Kaufering stellt daraufhin eine Anfrage an die Staatsregierung, die davon nichts weiß. Mittlerweile ermittelt die Kriminalpolizei. Nun gibt es erste Erkenntnisse und eine klare Aussage des Vereinsvorsitzenden der Unteriglinger Schützen, deren Heimat das Gasthaus ist.

    Gabriele Triebel hat unsere Redaktion über das Treffen informiert. Spaziergänger hätten Mitte September vor dem Gasthaus Autos mit Aufklebern gesehen, die auf Reichsbürger, Identitäre und Corona-Leugner hingewiesen hätten. Am Abend der Veranstaltung wurde auch Iglings Bürgermeister Günter Först von Passanten informiert, wie er im Gespräch mit unserer Redaktion sagt. Es habe Beschwerden wegen der parkenden Autos gegeben. Er habe allerdings erst von Gabriele Triebel erfahren, dass es sich wohl um ein Treffen von Reichsbürgern, Selbstverwaltern und Corona-Leugner gehandelt habe. Auch der Eigentümer des Anwesens, Dominique Graf von Maldeghem, habe davon nichts gewusst, wie Först sagt. Das ehemalige Gasthaus Weißes Lamm ist die Heimat der Unteriglinger Schützen, die das Gebäude gemietet haben.

    Nachdem sie von dem Treffen erfahren hatte, stellte Gabriele Triebel eine Anfrage an die Bayerische Staatsregierung. Darin fragte sie, welche Erkenntnisse und Informationen zu der Veranstaltung vorliegen. In ihrer Anfrage schreibt Triebel, dass das Treffen im Rahmen der „Heimatkunde-Tour 2024“ am Wochenende, 14. und 15. September, durchgeführt wurde. Gleichzeitig wollte die Landtagsabgeordnete wissen, welche Informationen die Staatsregierung zur SC 360° Media UG verfügt, die als Veranstalter des Treffens in Igling gelte. Auf Triebels Anfrage antwortete Staatsminister Joachim Herrmann: Demnach lägen dem Bayerischen Landesamt für Verfassungsschutz keine Erkenntnisse über eine Veranstaltung der „Heimatkunde-Tour“ am 14. und 15. September in Igling vor. Die Anfrage Triebels hatte aber dennoch Folgen. Denn mittlerweile ermittelt die Kriminalpolizei Fürstenfeldbruck in der Sache.

    Bezüge zur Ideologie der Reichsbürger und Selbstverwalter bei Treffen in Igling

    Das Projekt „SC 360° Media“ wird laut der Antwort von Joachim Herrmann dem Phänomenbereich der Reichsbürger und Selbstverwalter mit Bayernbezug zugeordnet. Regelmäßig würden neue Folgen eines Videopodcasts „geht‘s los?“ unter anderem auf YouTube veröffentlicht. „In ihren Videos gehen die Betreiber auf aus ihrer Sicht aktuelle politische Ereignisse ein. Untermalt wird diese vordergründige Kommentierung der aktuellen Nachrichtenlage mit Aussagen, die Bezüge zur Ideologie der Reichsbürger und Selbstverwalter aufweisen“, so die Antwort des Innenministers.

    Manfred Frei ist Leiter der Kriminalpolizei Fürstenfeldbruck. Er bestätigt, dass das Kommissariat Staatsschutz mit der Sache befasst ist. Im Vorfeld habe man keine Kenntnis von der Veranstaltung gehabt, erst die Anfrage von Gabriele Triebel habe die Polizei darauf aufmerksam gemacht. Aktuell stehe man in Kontakt mit Bürgermeister Günter Först und suche das Gespräch mit dem Vorsitzenden der Unteriglinger Schützen. Es gelte unter anderem zu klären, wie viele Personen vor Ort waren, was Sinn und Zweck sowie Inhalt der Veranstaltung war und ob etwa Personen anwesend waren, die polizeilich bekannt sind. Derzeit, so Frei, gehe man aufgrund der Anzahl an Fahrzeugen davon aus, dass rund 50 Personen an dem Treffen teilgenommen haben.

    Iglings Bürgermeister Günter Först will die Ermittlungen der Kriminalpolizei abwarten, ehe weitere Schritte überlegt werden. Das habe er so mit Dominique von Maldeghem besprochen. Dass das Treffen bei der Gemeinde nicht angemeldet wurde, sei nicht ungewöhnlich. Es sei schlicht nicht vorgeschrieben. Das bestätigt auch Wolfgang Müller, der Pressesprecher des Landratsamts. Anzeigepflichtig seien Versammlungen unter freiem Himmel, für die die Öffentlichkeit zugelassen wird. Ein Verbot von Veranstaltungen in geschlossenen Räumen könne nur ausgesprochen werden, wenn sie bekannt seien und zum Beispiel der Verdacht besteht, dass Straftaten begangen werden.

    Vorsitzender der Unteriglinger Schützen hat von Treffen nichts gewusst

    Auch der Vorsitzende der Unteriglinger Schützen, Moritz Schneider, äußert sich gegenüber unserer Redaktion. Er habe erst vor wenigen Tagen von der Veranstaltung im Saal des ehemaligen Gasthauses erfahren. Deswegen möchte er sich noch nicht konkret dazu äußern und zunächst die vereinsinternen sowie die Gespräche mit der Kriminalpolizei abwarten. Eines sei aber klar: „Wir werden auf jeden Fall ein Statement veröffentlichen, in dem wir uns ausdrücklich von dieser Gruppierung distanzieren.“

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