Seit Monaten sorgt die mögliche Ansiedlung der holzverarbeitenden Firma Steico auf dem Weiler Stillern für kontroverse Diskussionen. Vor allem in der Nachbargemeinde Schwifting ist der Protest groß. Am vergangenen Mittwoch positionierte sich dann auch eine Gruppe von Penzingern und brachte ein Bürgerbegehren gegen die Ansiedlung ins Gespräch. Das wird nun nicht mehr nötig sein, wie Penzings Bürgermeister Peter Hammer am Montagabend im Gemeinderat informierte. Er bedauerte die Absage des Unternehmens zum jetzigen Zeitpunkt.
„Steico hat die Untersuchungsphase zu möglichen weiteren Standorten abgeschlossen und beschlossen, die Option Penzing nicht weiterzuverfolgen.“ Hintergrund ist laut dem Schreiben des Unternehmens an die Gemeinde, dass „in Abwägung anderer Handlungsoptionen“ das Projekt als nicht machbar angesehen werde. Bürgermeister Peter Hammer bedauerte, dass das Unternehmen abgesagt hat und deswegen keine tiefergehende Diskussion über die mögliche Ansiedlung auf der Fläche stattfinde, die dem Freistaat gehört. „Es gab gute Gründe, sich das Vorhaben genauer anzusehen und auch welche die gegen eine Ansiedlung sprechen.“ Bei letzterem Punkt nannte er den Wasserbedarf des Unternehmens. Steicos andere Werke stehen an Flüssen. Bei einem Ortstermin in Stillern hatte Peter Hammer kürzlich betont, dass es aber einen Unterschied zwischen Wasserbedarf und Wasserverbrauch gebe und geklärt werden müsse, wie viel Wasser möglicherweise zurückgeführt werde. Das geplante Werk würde nach Angaben des Unternehmens in der Stunde 20 bis 50 Kubikmeter Wasser benötigen.
Penzings Bürgermeister fordert ergebnisoffene Diskussion
Penzings Bürgermeister plädierte in der Vergangenheit wiederholt dafür, dass Thema „ergebnisoffen“ zu diskutieren und äußerte, dass am Ende, wenn alle Fakten bekannt seien, auch eine Ablehnung stehen könne, wenn die Fakten auf dem Tisch liegen und die Nachteile überwiegen würden. Im Juni hatte der Penzinger Gemeinderat beschlossen, dass ein vorhabenbezogener Bebauungsplan aufgestellt werden soll. Ein großes Thema war auch die Dimension des geplanten Werkes, das in einem dreistufigen Verfahren ausgebaut werden soll. Penzings Bürgermeister Peter Hammer sprach zuletzt davon, dass es um 15 bis 20 Hektar gehe. Gegner fürchteten, dass Steico das gesamte Areal nutzen will. Dieses ist 26 Hektar groß.
Mehr als 1800 Unterschriften gegen Steico-Ansiedlung in Stillern
Vor allem in Schwifting stieß das Vorhaben auf viel Ablehnung. Hier wohnen auch die Initiatoren einer Unterschriftensammlung, die im Oktober an den Bayerischen Landtag übergeben wurde. Mehr als 1800 Personen, davon rund 300 aus Penzing, unterzeichneten. Der Weiler liegt näher an der Schwiftinger als Penzinger Wohnbebauung, weswegen der Widerstand gegen die Ansiedlung des Betriebs, der rund um die Uhr arbeiten soll, dort besonders groß ist. Die Schwiftinger verwiesen zudem auf aus ihrer Sicht zu erwartenden Dauerlärm der Säge- und Häckselmaschinen. Steico produziert Dämmstoffe aus Holz.
Erleichtert reagieren die Schwiftinger Initiatoren der Petition an den Landtag. Auf LT-Nachfrage betonen sie, dass sich die Initiative nicht gegen die Firma Steico richtete, sondern gegen die Ansiedelung jeglichen Gewerbes auf den Feldern des Staatsgutes Achselschwang. "Es ist zu hoffen, dass nach Edeka und Steico in einigen Jahren nicht der Nächste vor der Tür steht", sagt Claudia Endres im Namen der fünf Familien, die die Petition auf den Weg gebracht haben. Die Schwiftinger gehen davon aus, dass der Widerstand in der Bevölkerung und die Ankündigung eines Bürgerbegehrens in Penzing zu dieser Entscheidung beigetragen haben. "Zu bedauern ist jedoch, dass viele Informationen bezüglich der geplanten Ansiedelung nur scheibchenweise an die Öffentlichkeit gelangten. Offenen Fragen konnten oder wollten nicht beantwortet werden. Auch dies hat viel zum Unmut der Bürger beigetragen."
"Die Gründe für den „Rückzug“ sind uns im Moment noch nicht bekannt, ich gehe jedoch persönlich davon aus, dass der sich formierte erhebliche Widerstand ein Grund für diese Entscheidung war", sagt Schwiftings Bürgermeisterin Heike Schappele. Die Petition „Kein Gewerbe in Stillern“, die Schwiftinger Bürgerinnen und Bürger, die mitwirkenden Landtagsabgeordneten, Bünde und das Gremium haben offen mitgeteilt, dass sich der Widerstand keineswegs gegen die Firma Steico und die Gemeinde Penzing richtet, sondern gegen den geplanten Ansiedlungsort. Der Standort im Weiler Stillern hätte große Beeinträchtigungen für die Gemeinde Schwifting und die Natur mit sich gebracht. Gerade in einer Zeit, in der Klimawandel, Naturschutz, Flächenverbrauch und vor allem der Umgang mit lebenswichtigen Ressourcen eine zentrale Rolle spielen, seien solche massive Eingriffe in die Ökologie den Mitmenschen nicht mehr vermittelbar und schürt die ohnehin um sich greifende Politikverdrossenheit. "Von daher begrüßt der Gemeinderat Schwifting die Entscheidung der Firma Steico und bedankt sich bei allen Mitwirkenden für den großen Einsatz, das gute Miteinander und die sachliche Dialogführung", sagt Heike Schappele.
Die Grünen Landtagsabgeordneten Ludwig Hartmann, Fraktionsvorsitzender und Stadtrat aus Landsberg, und Gabriele Triebel, Stimmkreis Landsberg am Lech/ Fürstenfeldbruck-West und Kreisrätin, melden sich ebenfalls zu Wort. Ludwig Hartmann drückt seine Erleichterung aus: „Ich begrüße es ausdrücklich, dass die Firma Steico nach unternehmensinterner Prüfung zu dem Schluss gekommen ist, dass der geplante Standort nicht zur nachhaltigen DNA des Unternehmens passen kann: Mangelnde Anbindung und die großflächige Bebauung mitten in der Landschaft wären kein guter Ansatz für den Hersteller nachhaltiger Baustoffe gewesen. Der Rückzug ist auch ein Erfolg der vielen engagierten Anwohner*innen und der Naturschutzverbände, die in den letzten Monaten stets auf dieses Ungleichgewicht hingewiesen haben. Ich hoffe und bin überzeugt davon, dass sich für Steico ein deutlich besser geeigneter Standort findet.“
Flächen auf dem ehemaligen Fliegerhorst in Penzing?
Gabriele Triebel führt aus, dass es den Grünen nicht darum gegangen ist, die Erweiterung eines nachhaltig ausgerichteten Unternehmens zu verhindern, sondern die größtenteils landwirtschaftlich genutzten Staatsflächen von Bebauung frei zu halten: „Die respektable Entscheidung der Steico-Gruppe entspricht der vorgetragenen Kritik aus den Verbänden und der Öffentlichkeit. Nun sollte geprüft werden, ob die Firma nicht wesentlich nachhaltiger auf den naheliegenden Konversionsflächen des ehemaligen Fliegerhorsts Penzing ein deutlich flächensparenderes Zuhause finden könnte. An sinnvollen Standorten ist uns Steico jederzeit willkommen.“