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Rückblick mit Barbara Juchem und Dieter Völkel: Sie waren 24 und 36 Jahre im Landsberger Stadtrat

Landsberg

„Beichte“ nach 24 gemeinsamen Jahren: Zwei langjährige Stadträte blicken zurück

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    Dieter Völkel und Barbara Juchem trafen sich zum Gespräch mit unserer Redaktion im Herkomersaal im Rathaus. Dort hatten beide ihre erste Stadtratssitzung.
    Dieter Völkel und Barbara Juchem trafen sich zum Gespräch mit unserer Redaktion im Herkomersaal im Rathaus. Dort hatten beide ihre erste Stadtratssitzung. Foto: Christian Rudnik

    Auf den beiden großen Gemälden im Herkomersaal im Historischen Rathaus in Landsberg sind zwei Sitzungen des Magistratsrats zu sehen. Der Magistrat war der Vorläufer des Stadtrats, der in diesem Raum tagte, bis der Sitzungssaal im modernen Anbau in Betrieb genommen wurde. Barbara Juchem und Dieter Völkel nahmen zu ihrer jeweils ersten Stadtratssitzung vor 24 und 36 Jahren noch im Herkomersaal Platz. Für ein Gespräch mit unserer Redaktion kehrten sie dorthin zurück. Und dabei überraschte die CSU-Politikerin ihren langjährigen Stadtratskollegen von der SPD mit einer Aussage zu ihrer früheren politischen Heimat.

    Dieter Völkel war eine Institution im Landsberger Stadtrat und Barbara Juchem so etwas wie das soziale Gewissen des Gremiums. Völkel, mittlerweile 83 Jahre alt, ehemaliger Richter, war ausgleichend und entschärfte so manche Diskussionen mit seinem feinen Humor. Sein Wort hatte Gewicht, sein Jahresrückblick in Gedichtform war Kult. Barbara Juchem dagegen erhob ihr Wort vorrangig immer dann, wenn es um die Rechte von Menschen mit Behinderung und Senioren ging. In ihrer Rolle war sie eine Vorreiterin und hat viel erreicht, primär für die Barrierefreiheit in der Stadt.

    Dieter Völkel: „Ich war ein Fan von Willy Brandt“

    Als Dieter Völkel im Mai 1990 vereidigt wurde, war Franz Xaver Rößle von der UBV seit zwei Jahren Oberbürgermeister. Nach der Wende stand die Konversion der Bundeswehrkasernen in Landsberg an. „Ein Kraftakt und ein Risiko“, erinnert sich Dieter Völkel. Schließlich habe es keine Blaupause gegeben. Doch das Ergebnis könne sich sehen lassen. In die Politik kam der heute 83-Jährige über Ingo Lehmann, wie Völkel und Rößle Richter am Amtsgericht in Landsberg. „Ich war Fan von Willy Brandt“, sagt Völkel. Logisch, dass er für die SPD kandidierte, die 1990, als der Stadtrat von 24 auf 30 Personen anwuchs, mit acht Personen im Stadtrat vertreten war.

    Dieter Völkel hat 2025 zum letzten Mal sein Weihnachtsgedicht im Landsberger Stadtrat vorgetragen.
    Dieter Völkel hat 2025 zum letzten Mal sein Weihnachtsgedicht im Landsberger Stadtrat vorgetragen. Foto: Claudia Reichenbächer

    Dass Barbara Juchem anfangs mit den Sozialdemokraten sympathisierte, wusste Dieter Völkel bislang nicht. Im Gespräch mit unserer Redaktion „beichtete“ die 76-Jährige dies gegenüber ihrem langjährigen Kollegen. Den Weg in die CSU und auch in den Stadtrat ebnete ihr der verstorbene Landrat Walter Eichner. Nachdem die Familie Juchem Anfang der 1980er-Jahre nach Landsberg gekommen war, war sie auch in der FT Jahn aktiv. Dort lernten sie Walter und Gaby Eichner kennen. Eichner war es auch, der die Kreisrätin Barbara Juchem als Behinderten- und Seniorenbeauftragte des Landkreises installierte. „Du machst das jetzt“, hat er 2004 gesagt, erinnert sie sich. Juchem ging in dieser Rolle auf, wollte schon immer mitreden und etwas verändern.

    Der Umbau des Hauptplatzes in Landsberg war eine wichtige Entscheidung

    Bei der Frage nach der wichtigsten Entscheidung als Stadtrat kommt Juchem und Völkel jeweils der Hauptplatzumbau in den Sinn. Mehrere Anläufe mit Bürgerentscheiden waren notwendig, bis die Pläne mehrheitsfähig waren. Dieter Völkel erinnert sich an die erste Protestbewegung, aus der die BAL um den späteren Stadtrat Reinhard Skobrinsky hervorging. „Wir sind das Volk“ stand auf dessen Plakat. Als Völkel zu Skobrinsky sagte „Und ich bin der Völkel“ musste dieser herzhaft lachen. „Wir hatten danach immer ein gutes Verhältnis.“ Das belegt folgende Anekdote: Beide waren leidenschaftliche Pilzsammler. Als Völkel wegen Rückenproblemen nicht in die Pilze gehen konnte, stellte ihm Skobrinsky frühmorgens einen Korb Pilze vor die Tür.

    Und was würden sie gerne rückgängig machen? Barbara Juchem ärgert sich, dass in den vergangenen Jahren keine Lösung für eine neue Verkehrsregelung an der Schwaighofkreuzung gefunden wurde. „Wir waren einmal nah dran, aber dann scheiterte die Lösung am Schutz für die dort stehenden Bäume.“ Dieter Völkel nennt keine konkrete Entscheidung. Aber bei seinen Spaziergängen durch die Stadt und die Stadtteile ärgere er sich gelegentlich über das Aussehen von einzelnen Gebäuden. „Das hätten wir im Bauausschuss so nicht genehmigen dürfen.“ Einig sind sich beide, dass bislang noch keine ideale Lösung für den Radverkehr auf der Neuen Bergstraße gefunden wurde. „Das ist schwierig.“

    Zu den Gratulanten bei der Verleihung des Goldenen Ehrenings an Barbara Juchem (Mitte) im Juli 2025 gehörten auch der mittlerweile verstorbene Clemens Weihmayer, Bundestagsabgeordneter Michael Kießling, der damalige Landrat Thomas Eichinger und Dr. Thomas Goppel.
    Zu den Gratulanten bei der Verleihung des Goldenen Ehrenings an Barbara Juchem (Mitte) im Juli 2025 gehörten auch der mittlerweile verstorbene Clemens Weihmayer, Bundestagsabgeordneter Michael Kießling, der damalige Landrat Thomas Eichinger und Dr. Thomas Goppel. Foto: Julian Leitenstorfer (Archivbild)

    Beim Rückblick auf die Zeit im Stadtrat denken Juchem und Völkel fast wehmütig an die „Sitzungen“ nach den Sitzungen. Im Gasthaus „Mohren“ am Hauptplatz traf man sich quer durch die Fraktionen auf ein Bier oder zwei. „Was vorher war, hat dann meist keine Rolle mehr gespielt“, sagt Dieter Völkel. Doch Treffen in dieser Form gibt es nicht mehr, nur vereinzelt im Wirtshaus am Spitalplatz. Das hängt laut Völkel auch damit zusammen, dass die Sitzungen um 18 Uhr beginnen. „Um 23 Uhr möchten dann die meisten nach Hause.“ Früher habe der Stadtrat bereits ab 16 Uhr getagt. Das sei auch nicht so einfach gewesen, erinnert sich Juchem. Ihr damaliger Chef habe ihr aber eine flexible Arbeitszeit zugestanden.

    Und in Zukunft? Ist ein Besuch einer Stadtratssitzung geplant? Nein, wiegeln beide ab. „Mann muss einen Schlussstrich ziehen“, meint Barbara Juchem. Und Völkel sagt über seine Nachfolger: „Die benötigen keine Ratschläge von mir.“ Barbara Juchem ist vielleicht noch mal im Kreistag oder einem seiner Ausschüsse zu sehen. Denn bis Ende Juli ist sie noch Behinderten- und Seniorenbeauftragte. Dann ist aber komplett Schluss.

    Abschied aus dem Stadtrat

    Eine Verabschiedung der ausgeschiedenen Stadtratsmitglieder findet am Freitag, 22. Mai, ab 19 Uhr im Festsaal des Historischen Rathauses statt. Geehrt werden neben Dieter Völkel (36 Jahre Stadtrat) und Barbara Juchem (24) auch Stefan Meiser (12 Jahre), Franz Daschner (9), Dr. Georg Bayer, Daniela Groß, Jennifer Lübcke (alle 6 Jahre) sowie Karl Egger, Roger Mandl und Heidi Reiser (alle weniger als 6 Jahre). (wu)

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