Emil springt an das Gitter der Voliere und klammert sich fest. Blitzblank die Äuglein, stramm aufgestellt die Ohren. Weißer Bauch, fuchsrote Beine und ein grauer Rücken. Emil ist ein Eichhörnchen, etwa zwölf Wochen alt und bereit zum Auswildern. Die letzten Wochen hat er bei Carina Meinart verbracht, zuerst kuschelig-warm bei ihr Zuhause, dann in der großen Voliere mit viel Platz zum Klettern, Springen und Balancieren. „An einem stürmischen Tag wurde er von einem Spaziergänger auf einem Waldweg gefunden“, erzählt Meinart, die ehrenamtlich Eichhörnchen in Scheuring aufpäppelt. Da war der kleine Nager sieben Wochen alt und hätte vermutlich nicht mehr lange überlebt. Kälte, Nässe, Hunger oder Fressfeinde wie Fuchs und Krähe hätten sein junges Leben beendet.
Tierphysiotherapeutin aus Scheuring rät zu schneller Hilfe bei Jungtieren
Ab Februar und bis in den August gibt es Eichhörnchen-Nachwuchs, und es kommt immer wieder vor, dass Jungtiere in Not geraten. Ein Sturm bläst das Tier oder den gesamten Kobel vom Baum. Jungtiere entfernen sich bei ihren ersten Ausflügen zu weit vom Kobel oder werden gejagt und finden nicht zurück, um nur einige Ursachen zu nennen. Passiert das mitten im Wald, ist ihr Schicksal besiegelt. Manchmal aber kommen Spaziergänger gerade noch zur rechten Zeit, um helfen zu können.
Doch wie hilft man richtig und was passiert anschließend mit dem Jungtier? Zuerst nur beobachten, rät Meinart, ausgebildete Tierarzthelferin und Tierphysiotherapeutin. Denn manchmal ist die Mutter in der Nähe und holt es zurück. Ist das aber nicht der Fall, ist das Tier durchnässt, nicht agil, lässt sich anfassen oder läuft Spaziergängern sogar nach und versucht, die Beine hinaufzuklettern, ist Hilfe erforderlich. Insbesondere bei Hitze oder Minusgraden, wenn eine befahrene Straße in der Nähe ist oder Fressfeinde. Je jünger das Tier, Eichhörnchen kommen nackt auf die Welt, desto geringer ist die Überlebenschance. Deshalb ist schnelles Handeln erforderlich. Also das Tier aufnehmen und auf dem Nachhauseweg warm halten. Vorsicht ist dabei nicht geboten: Junge Eichhörnchen beißen nicht und generell gibt es bei Eichhörnchen auch keine Tollwut.
Eichhörnchen brauchen bei Fund sofort Wärme
Im Gegensatz zu Rehkitzen – bei diesen ist es völlig normal, dass sie allein in einer Wiese liegen und man darf sie keinesfalls anfassen – spielt der menschliche Geruch bei Eichhörnchen keine Rolle. Zuhause angekommen, den Nager mit einer lauwarmen Wärmflasche und einer Decke in einer Box warm halten. Wärme ist wichtiger als Futter. Bei Bedarf etwas Fencheltee mit Zucker oder Honig gesüßt von einem Löffel schlecken lassen (keinesfalls Milch geben). Da selber Aufpäppeln aufwendig ist, sollte ohne Zeit zu verlieren nach einer Auffangstation oder Pflegestelle gesucht werden. Der Landesbund für Vogelschutz in Landsberg nennt auf seiner Webseite als Ansprechpartnerin Igelfachberaterin Beate Biller (Telefon 0151 26100726). Biller vermittelt dann weiter an Pflegestellen. Hilfe erhält man auch in Schwabmünchen unter Telefon 0162 6928113.
Und es gibt sogar eine Notrufnummer: Rund um die Uhr ist beim Eichhörnchenschutzverein in München das Telefon besetzt – 0176 55376864. Der Verein engagiert sich seit 2010 für hilfsbedürftige Eichhörnchen. Die Tiere werden sogar aus dem Landkreis Landsberg von ehrenamtlichen Helfern abgeholt. Eine Spende sollte selbstverständlich sein. Auf der Webseite des Vereins – www.eichhörnchenschutz.de – finden sich zudem wertvolle Informationen.
Übrigens sind alle bei uns lebenden Eichhörnchen heimisch, egal ob rot, schwarz oder wie Emil grau.
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