Igel können acht Jahre alt werden, meist erreichen sie nur zwei bis drei
Ihr Ehrenamt verlangt den Stillen Heldinnen aus Schwabhausen einiges ab
Igel gehören mittlerweile zu den bedrohten Arten, ihr Bestand wird immer weniger. Melanie Metz aus Schwabhausen bei Weil nimmt untergewichtige, kranke oder verletzte Igel auf und pflegt sie, bis sie vollständig gesund sind. Dafür wurde sie nun als Stille Heldin ausgezeichnet.
Bald ist es Juni, und die Fortpflanzungszeit der Igel beginnt. Bei Melanie Metz (53) und ihrer Frau Christiane Schütz (47) halten jedoch noch einige Igel Winterschlaf. Andere sind auf der Pflegestation. Diese befindet sich in einem Zimmer im Obergeschoss ihres Hauses in Schwabhausen und vermittelt auf den ersten Blick den Eindruck einer Arztpraxis. Medizinisches Material, Pipetten, Spritzen und vieles mehr steht hier zur Versorgung der Igel bereit. Beim Besuch unserer Redaktion sind es drei. Einer, Eduard, befindet sich noch in Quarantäne. Die große Plastikbox mit dem weich mit Tüchern ausgelegten Igelhaus ist mit einem engmaschigen Netz fest abgedeckt. „Igel haben immer Parasiten, zum Beispiel Flöhe, und so können sie nicht auf die anderen Tiere übergehen“, erklärt Metz, die über die Jahre der Igelpflege ein ausgeklügeltes Hygienesystem etabliert hat.
Ein rascher Blick auf Eduard zeigt, dass er keine Stacheln mehr am Kopf hat, ein Bein hat eine Fehlstellung. Sicher wird er deshalb in der freien Natur nicht so schnell unterwegs sein können wie seine gesunden Artgenossen. Auch Ratz hat viele kahle Stellen im Stachelkleid, mit Klopfen und Tuckern zeigt er, dass er seine Ruhe haben will. Friedlich und schon recht wohlgenährt präsentiert sich Igeldame Lilly, deren chronischer Schnupfen endlich abheilt. Wer weiß, vielleicht wird sie bald auf Partnersuche gehen.
Igel können acht Jahre alt werden, meist erreichen sie nur zwei bis drei – wenn sie nicht vorher überfahren, von einem Mähroboter erfasst werden oder an Krankheiten sterben. Jungtiere sind besonders gefährdet, viele Igel überleben das erste Lebensjahr nicht. Metz, die schon vor 30 Jahren Igel aufpäppelte – damals noch in Oberfranken –, kann aus Erfahrung sagen, dass die Resistenz der Igel generell nachgelassen hat. Eine Summe von Faktoren ist dafür verantwortlich; wesentlich sind Pestizide, Mangel an Nahrung und die immer größere Einschränkung ihres natürlichen Lebensraumes. Igel fressen Laufkäfer, Larven von Nachtschmetterlingen, Ohrwürmer, Tausendfüßler und Spinnen. Auf Schnecken und Regenwürmer weichen sie im Notfall aus und nehmen damit Lungen- und Darmwürmer auf. Diese sind es auch zumeist, die den Igeln, die Metz pflegt, zu schaffen machen, oft in Kombination mit weiteren Parasiten wie Milben, Hautpilzen, Zecken und Flöhen.
Los ging es mit der Igelpflege in Schwabhausen, als Metz' Nachbarin in einem Herbst zwei winzige Igelkinder in ihrem Garten fand. Metz und Schütz päppelten sie auf. „Über zwei Wochen mussten wir sie nachts alle zwei Stunden füttern“, erinnern sich die beiden. Richtig Fahrt nahm ihr Ehrenamt auf, als sich die Igelhilfe „Stachelbären“ in Untermeitingen auflöste. Seitdem werden Igel das gesamte Jahr über bei ihnen abgegeben. Ihr Platzangebot haben die beiden Frauen inzwischen auf sechs Plätze, zuzüglich vier Quarantäneplätze, ausgebaut. Mindestens vier Wochen sind die stacheligen Gäste da, die meisten aber länger. Denn, so die Devise der Igelpflegerinnen: „Die Igel werden erst ausgewildert, wenn sie ganz gesund sind. Nur so können sie den Konkurrenzkampf um Nahrung, Unterschlupf und Partner überleben. Das Leben in freier Wildbahn ist kein Ponyhof.“ Werden untergewichtige Igel im Herbst gebracht, müssen sie überwintert werden. Dafür stehen sieben Plätze bereit.
Ihr Ehrenamt verlangt Metz und Schütz einiges ab. Den zeitlichen Aufwand schätzen sie in Höhe einer Halbtagsstelle. An Kosten sind 2024 rund 5500 Euro zuzüglich Tierarztkosten angefallen. Die mit 1000 Euro dotierte Auszeichnung als Stille Heldin kam deshalb gerade recht, freut sich Melanie Metz, die einige Bitten und Ratschläge für Igelfreunde parat hat: Wer einen Igel zur Pflege abgibt, könnte auch eine kleine finanzielle Unterstützung mitgeben – und den Igel später wieder abholen und dort auswildern, wo er gefunden wurde. Um die wenigen bestehenden Igelhilfen zu entlasten, könnten sich mehr Menschen mit dem Metier vertraut machen. Gute Informationen dazu bietet der Verein Pro Igel. Um mehr Lebensraum für Igel und deren Nahrung – Insekten – zu schaffen, sollten Gärten naturnah gestaltet werden, mit Totholzhaufen, heimischen Blühpflanzen, Wasserstellen und wilden Ecken. Melanie Metz und Christiane Schütz geben mit ihrem Garten, in dem sich auch zahlreiche Futterhäuser und Igelquartiere befinden, ein gutes Beispiel. Eindrücke von der Igelhilfe findet man bei Instagram unter littleones_igelreha.
Sie versehen ihre Tätigkeiten, ohne groß Aufhebens davon zu machen. Sie helfen, unterstützen, begleiten und gehen voran. Es sind die Ehrenamtlichen, ohne die das Gemeinwesen nicht funktionieren würde. Wir, das sind der Landkreis Landsberg, die Sparkasse Landsberg-Dießen und das Landsberger Tagblatt, sagen „Danke“ und stellen monatlich einen dieser „Stillen Helden“ im Porträt vor. Diesmal Melanie Metz aus Schwabhausen.
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