Der Bremer Weser Kurier erschien am Wochenende mit einem großen Stempel auf der Seite eins: „Diese Ausgabe ist 100 Prozent Wulff-frei.“ Das Blatt sprach damit vielen aus dem Herzen, die der Affäre längst überdrüssig sind.
Viele Menschen empfinden es als kleinlich, wenn Medien dem Bundespräsidenten Gefälligkeiten von Unternehmern vorhalten – so etwa nun eine Einladung zum Oktoberfest oder die Bezahlung für die Mehrkosten einer Luxushotelsuite.
Der Umstand, dass Wulff sich auf diese Weise einladen ließ – von einem Filmunternehmer, der eine Millionenbürgschaft des Landes erhielt –, würde bei einem normalen Beamten bereits als Anlass für eine Entlassung und Existenzvernichtung ausreichen. Und Tausende Angestellte großer Firmen mussten gerade erst in der Weihnachtszeit Präsente von Geschäftspartnern abgeben oder zurückschicken, die einen Bruchteil dessen kosteten, was Wulffs Vorteile wert waren.
Sind diese Maßstäbe, die übrigens nicht nur in Deutschland, sondern noch schärfer beispielsweise in den USA gelten, kleinlich? Sie sind der Versuch, Korruption im Ansatz zu bekämpfen. Korruption ist der wohl gefährlichste aller Feinde der Demokratie. Korruption ist eine Grundvoraussetzung für Diktaturen, sie ist der größte Feind der Marktwirtschaft und ihrer Arbeitnehmer. Und Korruption fängt auch im Kleinen an.
Noch ist Christian Wulff über den Verdacht der Korruption, unter den auch die Vorteilsnahme fällt, in ausreichendem Maß erhaben. Aber das Staatsoberhaupt ist es nicht mehr zu hundert Prozent. Und solange Journalisten den Eindruck haben, Wulff habe hier etwas zu verbergen, werden sie weiter recherchieren. Das ist ihre Aufgabe.