Zum ersten Mal hat ein internationaler Gerichtshof einen früheren Machthaber Afrikas für jene Gräuel schuldig gesprochen, die er zumindest nicht gestoppt hat. Das ist bei der Beweislage ebenso gewagt wie mutig. Denn der von einem rechtsstaatlichen Gericht verlangten Aktenlage kann Afrika nicht gerecht werden. So bleiben viele offene Fragen – beispielsweise die nach der Rolle des ehemaligen libyschen Machthabers Gaddafi, der die Rebellen in Liberia und Sierra Leone massiv unterstützt haben soll.
Dass die Richter Taylor trotzdem schuldig sprachen, hat viel mit der Verantwortung eines Staatschefs zu tun. Die Strukturen in den afrikanischen Rebellenbewegungen waren nicht so, dass ein Staatschef die Verbrechen nicht hätte stoppen können. Das Verfahren bleibt trotz aller Mängel ein Signal an diejenigen, die glauben, ihre Rolle an der Spitze eines Staates könne sie von der Haftung für alles, was in ihrem Namen geschieht, schützen.