Wer den Triumph der Piraten in Berlin verstehen will, muss zuhören, was die politischen Gegner über die Partei sagen. Von Irrwegen ist da die Rede und von unklarem Profil. Von einem rein regionalen Phänomen, von Protest und davon, dass die Piraten genauso schnell untergehen werden, wie sie aufgetaucht sind. Die Reaktionen der etablierten politischen Kräfte zeigen, wie hilflos, aber auch wie ignorant sie dem Erfolg der jungen Partei gegenüberstehen.
Natürlich sind die Piraten auch eine Protesttruppe. Aber muss man das verteufeln? Und sollten sich jene, denen die Wähler davonlaufen, nicht eher Gedanken darüber machen, warum das so ist, als den Aufstieg der Emporkömmlinge kleinzureden? Die in Balkendiagramme gegossene Wahrheit ist doch: Die Piraten haben allen großen Parteien Stimmen abgenommen. Und sie haben jene jungen Menschen begeistert, die sich von CDU, SPD oder FDP, aber auch zunehmend von den Grünen nicht mehr ernst genommen fühlen. Der Eindruck, dieses Land werde an ihnen und ihren Themen vorbeiregiert, macht sie wütend.
Bestes Beispiel ist der Umgang mit dem Internet. Noch immer ist die Politik hier vor allem von Reglementierung und der Angst vor Kontrollverlust getrieben. Die Chancen, die das Netz eben auch bietet, werden vernachlässigt. Dabei wachsen junge Menschen heute selbstverständlich mit dem Internet auf und lernen immer früher, dessen Risiken selbst einzuschätzen.
Sie sind mündige digitale Bürger und wollen als solche behandelt werden. Die Piraten tun das. Und auch wenn ihr Programm dünn ist und sie den Nachweis, eine seriöse politische Kraft sein zu wollen, noch schuldig sind: Sie füllen eine Lücke, die ihnen die alten Eliten geöffnet haben. So hatten die Grünen auch einmal angefangen.