Die Proteste gegen Olympia, die Auseinandersetzungen um einige Grundstücke in Garmisch-Partenkirchen haben die Münchner Bewerbung für die Winterspiele 2018 nicht zu Fall gebracht. Aber am Tag nach der deutlichen Abstimmungsniederlage dürfen wir die Geschichte der deutschen Olympia-Bemühungen zum Anlass nehmen, um Fragen zu stellen, die über den Sport hinausreichen.
Bringen wir in Deutschland noch den Mut auf, die Zukunft aktiv zu gestalten? Oder lassen wir uns von der Wut der Verhinderer über die Maßen beeindrucken und bremsen?
Gestern zum Beispiel haben kritische Geister darauf hingewiesen, dass die Münchner Bewerbung den deutschen Steuerzahler sechs Millionen Euro gekostet habe. Sechs Millionen Euro! Das ist für den Durchschnittsdeutschen viel Geld. Mehr, als er in seinem Arbeitsleben verdienen wird. Aber ist das tatsächlich eine Summe, über die wir uns empören müssen?
Die Bundesregierung hatte für 2010 in ihrem Haushalt Ausgaben in Höhe von 327 Milliarden Euro geplant. Sechs Millionen von 327 Milliarden entsprechen 0,0018 Prozent. Der Durchschnittsdeutsche verdient 40 000 Euro im Jahr. Davon 0,0018 Prozent sind 72 Cent.
Wer rechnet, der könnte zu der Erkenntnis gelangen: Aufregung um die Beteiligung des Steuerzahlers an der Münchner Bewerbung ist nicht angebracht. Dennoch gehen viele den Kritikern auf den Leim. Dabei werden sich die sechs Millionen für München sogar auszahlen. Weltweite Werbung für diese Summe ist kein leichtfertig verpulvertes Geld.
Das kleinliche Nachtreten der Olympia-Kritiker passt in die Kultur der Bedenkenträgerei und der Verweigerung in diesem Land. Natürlich soll hier nicht blindem Aktionismus das Wort geredet werden. Wer verändern und gestalten will, der sollte sich seine Schritte gut überlegen. Es sind schon zu viele Fehler gemacht worden. Vor allem, was den Umgang mit unserer Umwelt anbelangt.
Aber ein Land lässt sich nicht in ein Museum verwandeln, in dem alles so bleibt, wie es ist, wo nichts angefasst und verändert werden darf. Bei manchen Protestbewegungen hat man aber den Eindruck, dass genau dies ihr Ziel ist.
Hinter den Münchner Olympia-Hoffnungen stand ein insgesamt gutes, verantwortungsvolles Konzept. Eines, zu dem auch Kritiker mit ihren Forderungen nach Umweltschutz beigetragen haben. Eines, das auch einen zweiten Bewerbungsanlauf tragen sollte.
Von notorisch übervorsichtigen Bremsern, die Deutschland zum Stillstand bringen, sollte sich „München 2022“ nicht beeindrucken lassen. Niemand sollte das. Den Mut zum Gestalten sollten wir uns nicht nehmen lassen.