Zwischen Mann und Frau geschehen bisweilen Dinge, die auch mit den Mitteln eines Strafprozesses nicht aufzuklären sind. Was geschah in jener Nacht zwischen Jörg Kachelmann und seiner Geliebten? Nur die beiden wissen es. Und möglicherweise wissen nicht einmal sie es genau. 44 Prozesstage und ein Dutzend der besten Sachverständigen Deutschlands haben keine Aufklärung gebracht. Ein Freispruch aus Mangel an Beweisen war daher das einzig mögliche Urteil.
Es ist zugleich das Schlimmste, was dem Angeklagten und dem vermeintlichen Opfer passieren konnte. Der Wettermann verlässt das Gericht mit dem Makel des potenziellen Vergewaltigers. Seine Ex-Geliebte steht nach dem Freispruch als potenzielle Lügnerin da.
Die Mannheimer Richter hatten dennoch keine andere Wahl. Allem Anschein nach wollten sie Kachelmann ursprünglich verurteilen. Der riesige Aufwand, mit dem nach belastenden Indizien gesucht wurde, und die Tatsache, dass die 5.Strafkammer die Hauptverhandlung überhaupt eröffnete, sprechen dafür. Dass die Richter sich dann aufgrund der Fakten und des Prozessverlaufs doch für einen Freispruch entschieden haben, ist ein Sieg der Vernunft.
Ein Ruhmesblatt für die deutsche Justiz ist es nicht. Neun Monate hat es gedauert, bis sich die Erkenntnis durchgesetzt hat, dass die Beweislage dürftig ist: Am Küchenmesser, das Kachelmann der Frau während der Vergewaltigung an den Hals gedrückt haben soll, fanden sich weder DNA-Spuren noch Fingerabdrücke des Angeklagten. Am angeblichen Tatort gab es keine Spuren für die behauptete Tat. Die Verletzungen der Frau hielt die Mehrheit der Rechtsmediziner für Selbstverletzungen.
Angesichts einer solchen Indizienlage heißt es dann eben „im Zweifel für den Angeklagten“. Und Zweifel bleiben in der Tat eine Menge. Der Wahrheit sind die Richter nicht näher gekommen. Mit diesem unbefriedigenden Ergebnis musste gerechnet werden. Die Art und Weise, wie es zustande gekommen ist, lässt jedoch nur Verlierer zurück. Fast alle Beteiligten gehen beschädigt aus diesem desaströsen Verfahren: Die Mannheimer Justiz hat kein gutes Bild abgegeben. Das vermeintliche Opfer kann kaum in ein normales Leben zurückkehren. Manche Medien arbeiteten mit Vorverurteilungen und Indiskretionen.
Und Jörg Kachelmann? Ist er Täter oder Opfer? Wir wissen es nicht. Wir haben nur erfahren, dass er einen fragwürdigen Charakter hat. Jahrelange Verhältnisse zu mehreren Frauen gleichzeitig, notorische Lügen und ein merkwürdiges Geschlechterverständnis wurden offenbart. Das Bild vom sympathischen Wetter-Unterhalter ist trotz Freispruchs für immer passé.