Startseite
Icon Pfeil nach unten
Meinung
Icon Pfeil nach unten

Zwischen Skandal und Überwachung

Meinung

Zwischen Skandal und Überwachung

  • |
  • |
  • |
    Zwischen Skandal und Überwachung
    Zwischen Skandal und Überwachung

    Was da im Abhörskandal um die inzwischen eingestellte Zeitung News of the World ans Tageslicht gekommen ist, stellt dem Journalismus ein schlechtes Zeugnis aus. Es ist wohlgemerkt die schon immer grenzwertige britische Boulevard-Presse, die jetzt den Zorn der Bevölkerung erlebt.

    Menschenverachtend war es, Terroropfer abzuhören und die Mailbox eines ermordeten Teenagers – keine Frage.

    Was die Arbeit eines Journalisten auszeichnen sollte, sind saubere Recherche, die Einhaltung von Spielregeln, aber auch kritisches Hinterfragen. Und eine freie Presse erkennt man daran, dass sie den Mächtigen auf die Finger klopft, Skandale aufdeckt und Missstände beim Namen nennt.

    Wir sind als Journalisten in einem demokratischen Land in der glücklichen Lage, den Finger in die Wunden der Gesellschaft zu legen. Anders als etwa Kollegen in Weißrussland oder China.

    Der größte Feind pluralistischer Freiheit ist der Überwachungsstaat. Um so schlimmer, wenn die Presse, wie im Fall Murdoch geschehen, die eigenen Prinzipien konterkariert. Aber auch seriös arbeitende Zeitungen tun sich schwer in einer immer komplizierter werdenden medialen Welt. Das Recht auf Information und Meinungsfreiheit stößt zusehends an seine Grenzen, wenn die Freiheit des Privaten bedroht ist.

    Seit Jahren schon erleben wir, dass vor allem Prominente darauf pochen, in Ruhe gelassen zu werden und stapelweise Schriftsätze ihrer Anwälte verschicken. Das ist ihr gutes Recht. In einer Welt, in der der Urlauber mit seinem Knips-Handy zum Paparazzo mutiert und Klatschmeldungen um den Erdball zwitschern.

    Monacos Prinzessin Caroline schaffte es mehrfach höchstgerichtlich, die Arbeit vor allem der Boulevard-Presse einzuschränken. Das muss man nicht bedauern, aber der Mensch, solange er lebt, ist von Neugier nicht frei. Und da liest er nun mal gerne, wer mit wem was hat. Das ist beim globalen Spiel der medialen Kräfte nicht anders als im Dorfwirtshaus.

    Journalismus ist der Sauerstoff der Gesellschaft. Er braucht Luft zum Atmen und keine juristischen Fesseln. Zumal gerade Politiker sich auf schwankendem Boden befinden. Von Ex-Kanzler Gerhard Schröder ist bekannt, welche Medien er schätzt: „Bild, BamS und Glotze.“ Vielen Prominenten sind die Medien recht für Schönwetter-Berichterstattung, aber wenn es blitzt und donnert, sollen sie draußen bleiben. Den Gefallen werden wir ihnen nicht tun.

    Diskutieren Sie mit
    XXX 0 Kommentare
    hier kommen komentare rein
    Dieser Artikel kann nicht mehr kommentiert werden