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Kommentar: Jetzt kann Merz beweisen, ob er das Zeug zum Kanzler hat

Kommentar

Jetzt kann Merz beweisen, ob er das Zeug zum Kanzler hat

Michael Stifter
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    Friedrich Merz will Kanzler werden. Inmitten des Ampel-Desasters steht auch er unter Beobachtung.
    Friedrich Merz will Kanzler werden. Inmitten des Ampel-Desasters steht auch er unter Beobachtung. Foto: Sebastian Willnow, dpa

    Friedrich Merz wird Bundeskanzler. Das ist keine besonders steile These, angesichts des heillosen Durcheinanders, in das sich Olaf Scholz hineinregiert hat. Die Frage ist eher: Wann und wie wird sich der Machtwechsel vollziehen? Und kann der CDU-Chef es vielleicht doch noch vermasseln?

    Die Ausgangslage für den Kanzlerkandidaten der Union könnte kaum komfortabler sein, doch mitten im Ampel-Desaster steht auch er unter Beobachtung. Merz muss nun beweisen, ob er tatsächlich das Format dazu hat, Deutschland zu regieren.

    Gut ein Jahr ist es her, dass er Scholz öffentlich vorgeschlagen hat, das Land gemeinsam aus der Krise zu führen. „Ich biete Ihnen an: Lassen Sie uns das zusammen machen, und wenn Sie das mit den Grünen nicht hinbekommen, dann werfen Sie sie raus, dann machen wir es mit Ihnen“, sagte der CDU-Chef. Umgekehrt hatte der Kanzler zuvor einen „Deutschlandpakt“ ausgerufen, den Regierung und Opposition schmieden sollten, um die großen Baustellen endlich anzugehen. In den kommenden Monaten können Scholz und Merz zeigen, ob es ihnen wirklich um das Wohl des Landes geht oder die ausgestreckte Hand nur ein taktisches Spielchen war.

    Schaut die Union zu, wie Deutschland an die Wand fährt?

    Sollte die FDP das inzwischen geradezu toxische Bündnis mit SPD und Grünen tatsächlich in den kommenden Tagen platzen lassen, steht Merz unvermittelt vor einer Grundsatzentscheidung: Schaut er zu, wie Deutschland an die Wand fährt, um sich anschließend als Sanierer zu profilieren? Oder unterstützt er den taumelnden Bundeskanzler dabei, weiteres Chaos zu vermeiden?

    Dass die Union auf der Zielgeraden der Legislaturperiode noch als Juniorpartner in eine Regierung unter Scholz eintritt, gilt inzwischen als ausgeschlossen. Das Mindesthaltbarkeitsdatum dieses Angebots ist längst abgelaufen. Und schon vor einem Jahr, als CDU und CSU die Offerte auf den Tisch gelegt hatten, dürften Friedrich Merz und Markus Söder stündlich stoßgebetet haben, dass der Kanzler bloß nicht Ja sagt. Denn all die Probleme, mit denen sich die Ampel herumzuschlagen hat, wären dann plötzlich zu ihren eigenen geworden.

    Schon eher denkbar: SPD und Grüne machen bis zu Neuwahlen ohne die FDP weiter. Dann läge es an der Union, ob sie der Minderheitsregierung punktuell zu Mehrheiten im Bundestag verhilft - zum Beispiel, wenn ein Wachstumspaket, Hilfen für Ukraine oder der Haushalt fürs kommende Jahr zusammengezimmert werden müssen.

    Merz kann staatstragend agieren - oder Scholz auflaufen lassen

    Merz kann dann seine neue Macht nutzen, um Einfluss zu nehmen und staatstragend im besten Sinne zu agieren. Oder aber er lässt Scholz auflaufen. Beides ist nicht ohne Risiko für den Mann, der Kanzler werden will. Bringt eine Rest-Regierung die Amtszeit halbwegs in Würde zu Ende, könnten sich SPD und Grüne von ihren desaströsen Umfragewerten erholen, die Verantwortung für den Dauerzoff der FDP zuschieben und den Rückstand auf die Union bis zur Bundestagswahl womöglich verringern. Andererseits würde Merz damit Souveränität beweisen und an politischer Statur gewinnen.

    Denn: Sollten CDU und CSU stattdessen alle Versuche, Deutschland wieder in ruhigeres Fahrwasser zu steuern, stur blockieren, könnte dem Kanzlerkandidaten das später zurecht als unterlassene Hilfeleistung auf Kosten der Bürgerinnen und Bürger, der Wirtschaft, vielleicht sogar auf Kosten der Demokratie ausgelegt werden.

    Egal, ob und wann die Ampel auseinanderfliegt - spätestens im September kommenden Jahres wird neu gewählt. Für Friedrich Merz, den 68-Jährigen ohne jegliche Berufserfahrung auf der Regierungsbank, werden die kommenden Monate zu einer Art Probezeit.

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