Gäste aus den Landkreisen Gütersloh und Warendorf sind derzeit auch in Bad Wörishofen zwangsläufig nicht willkommen. Hotels und Beherbergungsbetriebe halten sich strikt an das Verbot der bayerischen Staatsregierung, wonach es ihnen unter Androhung von Bußgeldern untersagt ist, Gäste aus Corona-Risikogebieten aufzunehmen, etwa jenen in Nordrhein-Westfalen. Dabei ist NRW für Bad Wörishofen der drittgrößte Markt für Ankünfte und Übernachtungen. Doch wie setzen die Hoteliers und Kurheimbesitzer das ihnen auferlegte Beherbergungsverbot um? Das gestaltet manchmal nicht ganz einfach.
„Wir nehmen derzeit keine Gäste aus den beiden Risikogebieten auf“, versichert Hubertus Holzbock, der Vorsitzende des Bayerischen Hotel- und Gaststättenverbandes Unterallgäu und Inhaber des Fünf-Sterne-Hotels Château Fontenay. „Meine Mitarbeiter an der Rezeption sind gehalten, bei Anmeldungen und Anfragen anhand der Postleitzahl die Adresse zu überprüfen“, sagt er zum Prozedere. Gäste, die im Kneippkur-und Spa-Hotel Fontenay spontan anreisen, müssen sich ausweisen. Gefragt, ob der das Verbot der Staatsregierung für sinnvoll hält, überlegt der Hotelchef nicht lange. „Das möchte ich nicht bewerten, denn ich gehöre nicht zu den Corona-Hysterikern“, lässt er wissen.
"Gäste aus Risikogebieten schicke ich weg", sagt ein Bad Wörishofer Hotelier
Auch ein paar Türen weiter wird das Beherbergungsverbot strikt umgesetzt. „Gäste die aus Risikogebieten kommen, die schicke ich weg, da halte ich mich exakt an Recht und Gesetz“, erklärt Franz-Peter Schmid vom Kurhotel „Roswitha“. Schmid beherbergt vorwiegend Langzeit-Gäste. „Da ist es relativ einfach, mittels Postleitzahl die Adressen aus zwei kleinen, weit entfernten Landkreisen auszufiltern“, bemerkt Schmid.
Und wie verfährt man im Kurhotel Förch mit den neuen Vorgaben? „Wir nehmen aus den Kreisen Gütersloh und Warendorf nur jemand auf, der einen negativen Corona-Test vorlegen kann“, lautet die Auskunft des Hoteliers Christian Förch. Begeistert vom Prozedere ist er nicht. Förch findet es nicht so gut, dass die Staatsregierung Beherbergungsbetriebe mit der Überprüfung der Adressen allein lasse und sieht darin viel Aufwand. „Wir wissen doch gar nicht, wo die Grenzen in den von Corona besonders betroffenen Kreisen anfangen und aufhören“, gibt er zu bedenken. Nach der Hotspot-Liste des Robert-Koch-Instituts, welche die Gemeinden in Problemgebieten exakt mit Postleitzahlen markiert, richtet sich bei Anmeldungen das Kur- und Thermalhotel „Angerhof“ in Bad Wörishofen. „Wir haben die aktuelle Gästeliste überprüft und danach hat derzeit und auch in naher Zukunft niemand aus den Risikogebieten gebucht“, berichtet Hotelier Hans-Peter Schegerer und betont: „Wir nehmen die staatlichen Auflagen sehr ernst, verfallen aber nicht in Hysterie“.
Auch die Anmelde-Liste des Kurhotels „Balance“ weist für die nächsten zwei Wochen keine Gäste aus Risikogebieten aus. „Sollten Anfragen kommen, werden wir die Wohnadressen anhand der Postleitzahl überprüfen“, gibt Renate Büchele zur Auskunft. Sie schließt kategorisch aus, dass Leute eine falsche Anschrift angeben und fügt hinzu: „Wir beachten das staatlich verordnete Verbot schon im Interesse des Schutzes der einheimischen Bevölkerung wie auch unserer Gäste und Mitarbeiter“.
So wichtig ist NRW für den Tourismus in Bad Wörishofen
Für Christoph Ernst, den Direktor des Kurhotels „Tanneck“ bedeutet die Überprüfung von Adressen aus den Hotspot-Kreisen keinen großen Aufwand. „Es handelt sich ja ausschließlich um zwei kleine Regionen“ sagt er.
Für das Hotel „Tanneck“ ist die Einhaltung von Söders Urlaubsverbot kein Problem. „Wir haben zur Zeit weder Gäste noch Anfragen aus NRW und falls Spontan-Urlauber bei uns buchen wollen, müssen sie einen Meldeschein ausfüllen und ihre Postleitzahl angeben“, schildert Ernst das Vorgehen.
Die Adressen anhand von Postleitzahlen zu kontrollieren, bedeutet natürlich einen gewissen Aufwand. „Das ist aber bei 18 Ferienwohnungen durchaus machbar“, findet Katja Seemüller vom Kur-Eck. „Wir achten sehr darauf, aus welcher Region Deutschlands unsere Gäste kommen und klären solche aus Verbotszonen schon bei der Anmeldung auf, dass wir sie nicht beherbergen dürfen“, sagt die Gastgeberin. „Jemandem bei der Ankunft zu sagen, fahr wieder heim, das geht gar nicht“.
Beim Hotel-Gasthof „Adler“ in Bad Wörishofen hat bis jetzt lediglich ein einziger Gast aus Nordrhein-Westfalen angefragt, aber angesichts des von der Staatsregierung verhängten Beherbergungsverbotes „gleich wieder abgesagt“, berichtet die Adler-Wirtin Petra Trommer. Sie glaubt, dass die Leute aus Risikogebieten so vernünftig sind und gar nicht erst anreisen. „Sollte dennoch jemand von dort bei uns buchen, kontrollieren wir seine Adresse. Falls diese negativ ist, weisen wir ihn höflich auf das bayerische Urlaubsverbot hin“, schildert Trommer.
Ähnlich reagiert man auch im Kurhotel „Edelweiß“ . Wir beherbergen derzeit keine Gäste aus Warendorf oder Gütersloh und es liegen auch keine Anfragen oder Anmeldungen von Gästen aus Corona-Gebieten vor“, ist von Matthias Schneid zu erfahren. „Für uns ist das Beherbergungsverbot damit vorläufig kein Thema“, sagt er.
Stellt sich am Ende noch die Frage. Halten sich in Wörishofen überhaupt Gäste aus den Hotspots Gütersloh und Warendorf auf. „Das ist uns nicht bekannt, wir wissen lediglich, aus welchen Bundesländern unsere Besucher kommen“, erklärt die stellvertretende Kurdirektorin Cathrin Herd.
Der Kur- und Tourismusbetrieb hat den Hoteliers und Kurheimbesitzern geraten, das strenge Verbot der Staatsregierung zu befolgen und Gäste aus den Risiko-Kreisen abzuweisen.
Nordrhein-Westfalen stelle für Bad Wörishofen den drittgrößten Markt dar, berichtete Herd. Im Jahr 2019 waren es 11.138 Ankünfte mit rund 68.500 Übernachtungen. In Bad Wörishofen gab es aus dem gesamten Bundesland Nordrhein-Westfalen im Juni bisher 184 Anreisen, teilt die Stadt mit.
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