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Türkheim: Ex-Lehrer über Julian Nagelsmann: "Hatte seinen ganz eigenen Kopf"

Türkheim

Ex-Lehrer über Julian Nagelsmann: "Hatte seinen ganz eigenen Kopf"

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    Gerne blättert der pensionierte Gymnasiallehrer Dr. Alois Epple in seinem alten Notenbüchlein, in dem die schulischen Leistungen von Julian Nagelsmann in der 10. Klasse des Landsberger Ignaz-Kögel-Gymnasiums festgehalten sind.
    Gerne blättert der pensionierte Gymnasiallehrer Dr. Alois Epple in seinem alten Notenbüchlein, in dem die schulischen Leistungen von Julian Nagelsmann in der 10. Klasse des Landsberger Ignaz-Kögel-Gymnasiums festgehalten sind. Foto: Julian Leitensdorfer

    Nach der 10. Klasse war Schluss für Julian Nagelsmann. Für den Zehntklässler stand fest, dass er nicht länger am Landsberger Gymnasium bleiben will – und nichts und niemand konnte ihn davon abbringen. Daran erinnert sich sein damaliger Mathematiklehrer Dr. Alois Epple noch sehr gut: Auch in einem langen, sehr intensiven Gespräch konnte er seinen durchaus begabten Schüler nicht mehr davon überzeugen, es doch weiter am Landsberger Ignaz-Kögler-Gymnasium zu versuchen und bis zum Abitur weiter die Schulbank zu drücken.

    "So ein Schwachsinn": Wie Lehrer Epple die Pläne des jungen Julian Nagelsmann kommentierte

    Das Zeug dazu hätte Julian Nagelsmann ganz sicher gehabt, sagt der Türkheimer Epple über den am 23. Juli 1987 in Landsberg geborenen Nagelsmann, der im wenige Kilometer entfernten Issing aufwuchs und beim dortigen FC auch als Fußballer entdeckt wurde.

    Mit der Verpflichtung von Trainer Julian Nagelsmann (links) macht Bayern München für Hansi Flick den Weg ins Amt des Bundestrainers frei.
    Mit der Verpflichtung von Trainer Julian Nagelsmann (links) macht Bayern München für Hansi Flick den Weg ins Amt des Bundestrainers frei. Foto: Matthias Balk, dpa

    Aber, nun ja, als er sich nun mal entschlossen hatte, seinen Aufenthalt am Landsberger IKG zu beenden und stattdessen eine Karriere als Fußballprofi zu machen, da war es dann auch nicht mehr ganz so einfach, den fußballbegeisterten Julian für die Schule zu begeistern, bedauerte Epple damals.

    Heute gibt Epple gerne zu, was er damals von dieser Idee hielt: „So ein Schwachsinn“, sei seine Antwort auf den Plan gewesen, das Gymnasium hinzuschmeißen und stattdessen Fußballer werden zu wollen. Aber damit hatte Julian Nagelsmann seine schulische Laufbahn noch nicht beendet, er machte sein Fachabitur in Augsburg und studierte später dann Betriebswirtschaft bis zum Vordiplom.

    Natürlich war nicht daran zu denken, dass der junge Landsberger eine der beeindruckendesten Sportkarrieren hinlegen würde und – wie seit gestern bekannt ist– ab Juli als Trainer zum großen FC Bayern wechseln wird. Auch seine Mitschüler hätten nicht so recht daran geglaubt, als Julian von der seiner großen Zukunft als Fußballer geschwärmt hatte. Dass Julian Nagelsmann aber schon als Jugendlicher ganz genau wusste, was er wollte und dass er – wenn er sein Ziel erst mal fokussiert hatte – dann auch konsequent und hartnäckig darauf hinarbeitet, habe sich schon damals ganz deutlich gezeigt.

    Der Blick in das Notenbuch von Julian Nagelsmann bleibt Neugierigen verwehrt

    Und nicht durch Zufall hat Dr. Alois Epple noch heute das Notenbüchlein von Julian Nagelsmann aufgehoben, denn spätestens als der Landsberger 2016 als jüngster Cheftrainer in der Fußballbundesliga bei der TSG Hoffenheim seine steile Trainerkarriere begann, verfolgte Epple die Entwicklung seines ehemaligen Schülers mit besonderer Aufmerksamkeit.

    Einen Blick in die Noten des Zehntklässlers Julian Nagelsmann erlaubt Epple aber niemandem: „Das ist zu persönlich und geht wirklich niemanden etwas an“, sagt der pensionierte Lehrer augenzwinkernd und lässt vermuten, dass es zuletzt nicht mehr allzu gut um die Mathematiknoten seines Schülers stand ...

    Als Jugendlicher sei Julian Nagelsmann einer gewesen, mit dem man als Lehrer gerne zu tun hatte, so Epple: „Immer gut drauf“ war Julian, stets gut gelaunt und in der Klasse bestens integriert. Bestimmt kein „Klassenclown“, aber immer ein lustiger Kerl, aber eben auch für jede Überraschung gut.

    Julian Nagelsmann hatte schon früh ein außergewöhnliches Selbstbewusstsein

    Julian Nagelsmann habe sich durchaus von seinen Mitschülern auf seine besondere Art abgehoben – und beileibe nicht nur durch sein außergewöhnliches fußballerisches Talent. Er sei alles andere als ein Mitläufer gewesen, hatte immer seinen „eigenen Kopf“ und habe sich mit einer Mischung aus Unbekümmertheit und Ehrgeiz ein außergewöhnliches Selbstbewusstsein verschafft.

    Aber als Mathelehrer hätte es Alois Epple natürlich viel lieber gesehen, wenn sein Schüler Julian diese Talente auf seine schulische Laufbahn konzentriert hätte. Denn aus pädagogischer Sicht habe einiges dafür gesprochen, dass Julian Nagelsmann seine Schullaufbahn fortsetzt, weiß Epple: Sein analytisches Denken habe ihn ausgezeichnet und daher wäre er laut Epple vielleicht sogar „ein guter Mathematiker“ geworden. Aber er habe es eben auch verstanden, sich mit „minimalem Aufwand“ in der Schule zu behaupten, schmunzelt der pensionierte Gymnasiallehrer.

    Dass Julian Nagelsmann seinen Rat ignorierte und sich gegen das Gymnasium und für eine Fußballerkarriere entschieden hat, beeindruckt Epple noch immer: „Das ist schon eine ganz besondere Leistung“, sagt der pensionierte Lehrer, der in Türkheim auch als passionierter Heimatforscher bestens bekannt ist.

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