Der Ansturm ist enorm: Mehr als 180 Bauwillige stehen auf der Warteliste der Gemeinde und wollen einen Bauplatz in Türkheim kaufen. Das deckt den Bedarf aber nur zum Teil – „Wir könnten auch das drei bis vierfache an Grundstücken verkaufen, so Gemeindekämmerer Claus Dieter Hiemer.
Teilweise warten die Interessenten schon seit Jahren – und weil vermutlich im Herbst mit der Erschließung des neuen Baugebiet „Nördlich Laternenweg“ begonnen wird, damit dort dann ab 2021 endlich gebaut werden kann, hat der Gemeinderat jetzt ein sogenanntes „Ansiedelungsmodell“ verabschiedet, um den Verkauf der Grundstücke im Gemeindebesitz so gerecht wie möglich zu handhaben.
Die Vergabe der Türkheimer Grundstücke soll transparent und gerecht sein
Mit einem Punktesystem soll dafür gesorgt werden, dass die Vergabe der Grundstücke transparent und gerecht erfolgt und es soll jungen Familien aus Türkheim, aber auch „Zugezogenen“ die Chance ermöglichen, ihr Traumhäuschen in der boomenden Wertachtalgemeinde zu bauen.
Fünf Baugebiete weist die Gemeinde Türkheim aktuell aus, um dem enormen Andrang irgendwie gerecht werden zu können: „Nördlich der Alfred-Drexel-Straße“ sollen auf knapp 5000 Quadratmeter etwa sechs Baugrundstücke erschlossen werden, im Baugebiet „Nördlicher Laternenweg“ sind auf einer Fläche von rund 25.000 Quadratmetern etwa 20 Bauplätze von der Gemeinde verkauft, „Südlich der Ramminger Straße“ sollen auf einer Fläche von 25.000 Quadratmetern Mehrfamilienhäuser, Einfamilienhäuser und Doppelhäuser entstehen. In Irsingen westlich der Stockheimer Straße soll ein Baugebiet mit rund 20.000 Quadratmetern entstehen und auf mehr als 10.000 Quadratmetern soll am östlichen Ortsrand Richtung Amberg gebaut werden können.
Auszüge aus den Vergaberichtlinien: Richtlinien für die Vergabe von gemeindeeigenen Grundstücken
Bevor die Gemeinde diese Baugebiete ausgewiesen hatte, wurde sicher gestellt, dass 40 Prozent der Fläche von der Gemeinde vermarktet werden können, 40 Prozent beim eigentlichen Eigentümer verbleiben und die restlichen 20 Prozent als „öffentlicher Grund“ genutzt wird, also für Straßen, Spielplätze etc.
Dieses Modell 40/40/20 hatte sich schon in den vergangenen Jahren bewährt: 2011 wurde in Irsingen ein Baugebiet (Franz-Essenwanger-Straße) erschlossen, 2012 kam das Baugebiet „Müllerwiese“ (Stauferstraße) dazu, 2013 folgte in Türkheim das Baugebiet „Nord-C“ (Leipziger und Stettiner Straße), im Jahr 2015 kam dann in Türkheim das Baugebiet „Motzetwiese-Süd“ dazu und 2017 wurde das Baugebiet „Nord-D“ (Vaskuter Straße) geschaffen.
Nach einigen intensiven Vorgesprächen im Gemeinderat präsentierten nun Claus Dieter Hiemer und Christian Schöffel bei der Donnerstagssitzung die fertig ausgearbeiteten „Richtlinien für die Vergabe von gemeindlichen Baugrundstücken in Türkheim“, die mit den Beschluss des Gemeinderates ab sofort auch gültig ist. Oberstes Ziel sei dabei immer gewesen, insbesondere jungen Familien Baugrund zu „finanzierbaren Preisen“ bieten zu können, wie Hiemer und Schöffel unterstrichen. Denn aktuell sei auf dem Immobilienmarkt in Türkheim eine Situation entstanden, die „erschreckend hohe“ Preise für Baugrund auf dem „freien Markt“ zur Folge hätten. Da stelle sich dann manchmal schon die Frage, wer „sich das überhaupt noch leisten kann“, schüttelte Kämmerer Hiemer den Kopf.
Auch die Gemeinde Türkheim muss etwas vom Verkauf haben
Der Markt Türkheim werde sich daher ausdrücklich „nicht an spekulativen Preisentwicklungen“ orientieren. Die Bauplätze werden zu einem Wert verkauft, der sich am Bodenrichtwert orientiert. Dazu müsse dann aber schon auch noch ein „angemessener Aufschlag“ dazu kommen, machte Kämmerer Hiemer den Gemeinderäten – und auch den zahlreich anwesenden Kaufinteressenten im Zuhörerbereich – unmissverständlich klar, dass die Gemeinde angesichts der aus dem Bauboom entstehenden Folgekosten auch an die Gemeindekasse denken muss. Hiemer nannte als Beispiel die millionenschweren Investitionen, die alleine durch den Neubau der Kindergärten auf Türkheim zukommen.
Dennoch soll ganz genau darauf geachtet werden, dass die Preise für die Gemeindegrundstücke vergleichsweise immer noch erschwinglich bleiben sollten und Hiemer nannte als „Richtwert“ für einen Quadratmeterpreis erschlossenes Bauland von „200 Euro plus x“ – auf dem freien Markt würden derzeit Preise zwischen 300 und 350 Euro locker erzielt.
Mit einem „Punktesystem“ soll nun sicher gestellt werden, dass bei den künftigen Häuslebauern die sozialen Kriterien ebenso berücksichtigt werden wie der Ortsbezug. Auch das ehrenamtliche Engagemenet innerhalb der Gemeinde soll „belohnt“ werden: Wer sich im Vorstand eines Vereines engagiert, Funktionsträger eines Vereins ist oder etwa im Pfarrgemeinderat aktiv ist, bekommt bis zu zehn Punkte – maximal können insgesamt 285 Punkte erreicht werden.
Wer sich in Türkheim ehrenamtlich engagiert, wird belohnt
Gerhard Rindle (CSU) und Markus Schöffel (SPD) – beide seit Jahren als aktive Feuerwehrmänner im Einsatz – setzten sich energisch dafür ein, dass der Dienst in einer „Blaulicht-Organisation“ unbedingt gleichgestellt werde mit dem eines Vereinsfunktionärs. Dafür machte sich auch Bürgermeister Christian Kähler stark und meinte, dass der Einsatz eines Feuerwehrmannes im Dienst der Allgemeinheit ja gar nicht zu vergleichen sei mit dem eines Freizeitsportlers. Dafür fand sich dann auch eine deutliche Mehrheit. Die Richtlinien werden auch auf der Homepage der Gemeinde veröffentlicht.
Wer darf in Türkheim einen Bauplatz kaufen?