„Es ist schwer, sich an einen völlig neuen Alltag zu gewöhnen.“ Für Rolf Mayer, seine Frau Erika und Tochter Julia bricht nach Jahrzehnten, die sie nahezu ausschließlich der Gastronomie gewidmet haben, ein anderes Leben an – frei von Termindruck und Siebentagewoche. Mayers letzte Station war die Therme Bad Wörishofen, wo er seit deren Eröffnung im Jahr 2004 das Restaurant direkt am Eingang betrieb. Thermen-Erbauer Josef Wund hatte den umtriebigen Wirt selbst dorthin gelotst. Mayer hinterlässt dort große Spuren. Einen Nachfolger gibt es schon.
Im Gespräch mit unserer Redaktion blickt der in Bad Wörishofen geborene Mayer, den praktisch alle unter seinem Spitznamen „Mayer Burschi“ kennen, auf die Zeit in Bad Wörishofen zurück. Auf Geheiß seines Vaters begann er mit dreizehn Jahren im damaligen „Sproll“ eine Lehre als Koch. „Lehrstellen waren damals nicht leicht zu bekommen, was der Vater sagte, wurde gemacht.“ Es sei eine harte Zeit gewesen, erinnert sich Mayer und erst später, als er auch andere Betriebe kennenlernte, habe er gemerkt, wie gut die Ausbildung war.
Nach seiner ersten Stelle als Jungkoch im herzoglichen Wildbad Kreuth führte sein Weg in die Schweiz. Bei einer Kochkunstausstellung gewann Mayer den wohl begehrtesten Preis: einen Platz an der renommierten Hotelfachschule Montana in Luzern. „Das war eine Riesenchance für mich. Es gab jahrelange Wartezeiten, außerdem hätte ich mir die Gebühren gar nicht leisten können.“ Weiter ging es nach Memmingen, bevor Mayer dann das Restaurant „Sonnenbichl“ gleich neben dem Freibad Bad Wörishofen pachtete, das er von 1973 bis 1983 führte. Bevor er dort kulinarisch loslegen konnte, baute der Hobbyschreiner das Lokal erst einmal nach seinen eigenen Wünschen um. In dem beliebten Ausflugslokal konnte man nicht nur hervorragend essen, auch die Discoabende waren weit über die Kneippstadt hinaus bekannt und beliebt.
Mayer führte nach seiner Rückkehr nach Bad Wörishofen das „Sonnenbichl“
Nach dem Sonnenbichl bekam Mayer ein gutes Angebot aus München, dort lernte er dann 1984 seine Frau Erika kennen, mit der er im August 1995 das Landhaus Alfons im Herzen Bad Wörishofens übernahm. Die studierte Betriebswirtin übernahm die wirtschaftliche Leitung der Betriebe und packte auch in der Küche mit an, wenn Not am Mann war. Beinahe wäre es zur Übernahme des Alfons jedoch nicht gekommen, denn „Burschi“ wollte mit der Familie in die Karibik auswandern und neben einem dort bekannten Club eine Strandbar eröffnen. „Ich hatte bereits die Geschäftslizenz, die Container waren gepackt, dann bekam ich einen Bandscheibenvorfall und alles hatte sich erledigt“, sagt der Gastronom. „Im Nachhinein war es vielleicht ganz gut so, auf Dauer wäre uns das Klima vermutlich nicht so gut bekommen; für jeden größeren Einkauf hätte man nach Miami fliegen müssen.“
Eigentlich wollte die Familie in die Karibik auswandern – doch ein Vorfall verhinderte das
Nach einigen Jahren stand aber trotzdem wieder eine große Entscheidung an: die Therme Bad Wörishofen, damals kurz vor der Eröffnung, suchte einen Gastronomen, Mayer hatte aber auch ein Auge aufs „Matzberger“ geworfen, was ebenfalls zur Pacht stand. Die Therme machte am Ende das Rennen, nachdem der Erbauer Josef Wund, der immer wieder Gast im Alfons war, Mayer direkt angesprochen hatte.
In den vielen Jahren als Gastgeber in Bad Wörishofen hat der 84-jährige Mayer viele Promis aus dem Showgeschäft, dazu führende Kräfte aus Politik und Wirtschaft als Gäste begrüßt. „Es gäbe da schon einige Anekdoten zu erzählen“, antwortet er auf die entsprechende Frage, „doch es gebietet der Respekt vor meinen Gästen und der Anstand, dass ich hier nichts preisgebe. Sie alle wussten die private Atmosphäre im Alfons zu schätzen. Im Sonnenbichl waren es eher die großen Faschingsbälle, die ein prominentes Publikum anzogen.“ Damals gab es in Bad Wörishofen noch das Nachtfahrverbot und er habe eine Sondergenehmigung erhalten, dass seine Gäste über den Fußweg am See abfahren durften, erinnert sich Mayer. Früher habe man auch viel weniger an Alkohol am Steuer gedacht als jetzt, „da wurde teilweise ganz schön getrunken und anschließend noch nachhause gefahren.“
Thermen-Erbauer warb „Burschi“ Mayer persönlich im Landhaus Alfons ab
Jetzt bricht ein völlig neuer Alltag für die Familie an. „Ich freue mich darauf, mal ganz normale Sachen zu machen“, sagt Erika Mayer. „Mal nach München fahren, in den Tierpark gehen, ein Theater oder Museum besuchen, Freunde und Verwandte treffen. All das, was wir in den vergangenen Jahrzehnten nie tun konnten. Allein mal nicht auf die Uhr zu schauen ist Luxus.“
Kochen war für Rolf Mayer Hochleistungssport, fit gehalten hat er sich mit Ski- und Wasserskifahren, er besitzt außerdem die internationale Rennlizenz für Motorräder und Autos und ist internationale Rennen gefahren, zahlreiche Pokale verstauben nun im Keller. Jetzt will er sich vor alle seinem Boot widmen, wo er auch immer wieder etwas zum Basteln findet.
Für die Familie Mayer beginnt jetzt ein ganz neuer Lebensabschnitt
Tochter Julia, die 2000 geboren wurde, ist praktisch in der Therme aufgewachsen. Sie hat eine Ausbildung zum Hotel- und Tourismusmanagement gemacht und hat nach zweijähriger Tätigkeit in der Schweiz seit September 2023 in der Poolbar in der Therme gearbeitet, um ihren Vater, der zu dieser Zeit gesundheitlich angeschlagen war zu unterstützen. Für sie bricht jetzt auch eine neue Zeit an, in der Therme wird sie nicht bleiben, sie will sich international orientieren. Sehr berührt war die Familie, mit wie viel Herzlichkeit sie verabschiedet wurden, als bekannt wurde, dass sie aufhören. „Ich glaube, dass es auch viel an der Art lag, wie wir gekocht haben. Immer frisch, immer alles selbst gemacht. Bei uns gab es keine Fertigprodukte. Das haben die Gäste geschätzt.“ Das Lokal und die Poolbar in der Therme werden von Ernesto Ianiro übernommen, berichtet Mayer. „Der Betrieb in der Bar läuft nahtlos weiter, das Restaurant befindet sich noch im Umbau.“
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