Noch während in Bad Wörishofen Möglichkeiten für einen Windpark bei Schlingen diskutiert wurden, macht der Regionalverband solchen Absichten einen Strich durch die Rechnung. Bad Wörishofen kann nach der neuen Vorlage für Vorranggebiete plötzlich nicht mehr Standort für Windräder werden. Dafür treibt die Stadt Solarparks voran. Zwei Großprojekte sind nun auf dem Weg. Auch die Therme Bad Wörishofen setzt auf Sonnenergie.
Der Regionalverband Donau-Iller hat nach monatelanger Prüfung unlängst 24 Flächen im Landkreis Unterallgäu und der Stadt Memmingen als potenzielle Vorranggebiete für neue Windräder identifiziert. Bad Wörishofen gehört nicht mehr dazu. Diese Gebiete könnten Vorranggebiete werden, abhängig von einem nun gestarteten Anhörungsverfahren, das noch bis zum 11. November läuft (www.rvdi.de/regionalplan/beteiligungsverfahren).
Wie sich die Windkraft-Entscheidung des Regionalverbandes auf die Stadtwerke Bad Wörishofen auswirkt, die in der Kneippstadt gerne in Windkraft investiert hätten, ist noch unklar. „Wir werden uns die aktuellen Unterlagen anschauen, bewerten und dann entscheiden, wie wir weiter vorgehen“, teilte Stadtwerke-Chef Peter Humboldt auf Nachfrage mit.
Der Stadtrat setzt derweil auf Sonnenenergie. Bereits am 13. September 2023 hatte der Rat das dazu nötige Standortkonzept beschlossen. Nun lagen fünf vollständige Anträge für Solarparks zur Entscheidung vor. Theresa Haug vom Bauamt erinnerte daran, dass man sich zur Auflage gemacht habe, pro Jahr maximal zwei Parks zu genehmigen. Das Ziel sind 50 bis 70 Hektar Solarparks bis zum Jahr 2028 auf Bad Wörishofer Flur. Nicht allen gefällt das.
Haug berichtete von einem Brief, den Bauern und Jäger an die Stadt gerichtet hätten. Darin forderten sie eine Deckelung der Flächen für Solarparks auf 40 Hektar. Bürgermeister Stefan Welzel (CSU) teilte unserer Redaktion dazu vor der Sitzung mit, man stehe bereits im Austausch mit dem Bauernverband. „Aus den Gesprächen mit Obmann Alois Mayr habe ich daher schon vorab den Wunsch der Landwirtschaft nach Planungssicherheit und einer maßvollen Obergrenze für solche Anlagen aufgenommen“, schreibt Welzel. Die Stadt habe dem „im Vorfeld vom Grundsatz her bereits mit ihrem PV-Freiflächen-Konzept Rechnung getragen.“ Bis zu 70 Hektar seien möglich. „Ich werde dem Rat vorschlagen, diesen Wert zu reduzieren“, schreibt Welzel.
Bauern und Jäger in Bad Wörishofen sprechen von Existenzgefährung
In dem Brief von Jagdgenossenschaft Bad Wörishofen und Bauernverband Bad Wörishofen, der auch unserer Redaktion vorliegt, geht es um die Sorge, dass die Solarparks zusammen mit den nötigen Ausgleichsflächen am Ende 100 Hektar Fläche verbraucht werden könnten. Für die heimische Landwirtschaft sei das existenzbedrohend. Drei Betriebe müssten aufhören, wenn diese Pläne umgesetzt werden. Zudem befürchtet man steigende Pachtpreise.
Welzel sagte in der Sitzung, durch die Beschränkung der Flächen entstehe kein Preisdruck. Mit dem Konzept wolle man zudem Wildwuchs von Solarparks verhindern. Umweltreferent Ludwig Filser (ÖDP) sagte, in der Forderung der Bauern sehe er „eine totale Grenze und die will ich eigentlich nicht“. Ottilia Trommer (CSU) dagegen machte sich für die 40-Hektar-Obergrenze stark. Beschlossen wurde diese aber nicht. Das Bauamt soll dieses Thema zuerst aufarbeiten. Christoph Hienle (FW), der als persönlich Betroffener nicht über die Solarparks abstimmte, kritisierte, dass in die Flächenzahl auch solche Flächen eingerechnet würden, die landwirtschaftlich eigentlich nicht nutzbar seien. „Das bringt uns nichts und das bringt den Landwirten nichts“, sagte er.
Aktuelle Studie zeigt Leistungsfähigkeit von Solarparks gegenüber Biogas
Paola Rauscher (Grüne) äußerte Verständnis für die Sorgen von Bauern und Jägern. Sie betonte aber auch die Effizienz von Solarparks. Sie zitierte eine aktuelle Studie des Thünen-Instituts. Demnach erzeugt ein Hektar Solarpark rund 700.000 Kilowattstunden Strom pro Jahr, ein Hektar Biogas aus Silomais dagegen im Schnitt nur 23.000 Kilowattstunden. Windkraft, das sagt die Studie auch, wäre mit 17 Millionen Kilowattstunden sozusagen der König. Aber das wird in Bad Wörishofen nun wohl nicht mehr möglich sein.
Der größte Solarpark in Bad Wörishofen wird bei Schlingen entstehen
Die fünf Solarparks, um die es nun geht, sollen bei Kirchdorf, bei Bad Wörishofen, bei Stockheim und bei Schlingen entstehen. Der Umweltbeirat hatte sich im Juni dafür ausgesprochen, von Süden nach Norden vorzugehen und abschnittsweise zu genehmigen. Der Stadtrat folgte dieser Idee nun und genehmigte den mit 27,4 Hektar größten Solarpark bei Schlingen. Er soll auf mehreren Grundstücken und nicht zusammenhängend entstehen. Genehmigt wurde auch ein 3,6 Hektar großer Solarpark zwischen Stockheim und Bad Wörishofen. Bis die Anlagen tatsächlich stehen, sind aber noch weitere Schritte erforderlich.
Insgesamt liegen Anträge für fünf Solarparks in Bad Wörishofen vor
Übrig bleibt ein 9,6 Hektar großer Solarpark bei Stockheim, rund 250 Meter vom bestehenden Solarpark bei Irsingen entfernt, zudem zwei kleinere Anlagen zwischen Bahnlinie und Umgehungsstraße in Bad Wörishofen (0,9 Hektar) und an einem Hang in Kirchdorf (1,2 Hektar).
Das plant die Therme Bad Wörishofen in Sachen Sonnenenergie
Der Stadtrat genehmigte zudem das Vorhaben der Therme Bad Wörishofen, auf dem hintersten Parkplatz Solarcarports zu errichten. Man wolle „den Anteil des selbst erzeugten Stroms der Therme Bad Wörishofen deutlich erhöhen“, sagte Thermen-Eigner Jörg Wund unserer Redaktion vor der Sitzung.
Zum planerischen Aus für die Windkraft in Bad Wörishofen sagte Bürgermeister Welzel unlängst, das Problem seien die Höhen der neuen Anlagen. Diese kämen offenbar dem Radar der Bundeswehr in die Quere. Zudem habe man eine große Rotmilan-Population bei Schlingen entdeckt. „Wenn dieser Regionalplan in Kraft tritt, dürfen wir hier keine Windräder bauen“, stellte Haug klar. „Die Bundeswehr ist sehr spät mit ihren Forderungen gekommen, deshalb gab es nun viele Änderungen“, berichtet Welzel.
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