Deutschland steckt in der Dauerkrise, Bayerns Kommunen geht das Geld aus, die kommunale Finanzlage: katastrophal. Mit diesem Ausblick steigt Kämmerer Claus-Dieter Hiemer in die Besprechung des Türkheimer Haushalts 2026 ein. Schnell wird klar: Allzu rosig wird es wohl auch im Wertachmarkt nicht aussehen, die Rahmenbedingungen sind schwer. Dennoch sieht Hiemer Türkheim vergleichsweise gut aufgestellt. Während es in anderen Gemeinden bereits „kurz nach zwölf“ sei, sei es in Türkheim immerhin noch „kurz vor zwölf“. Denn obwohl es 2025 noch so aussah, muss in diesem Jahr kein neuer Kredit aufgenommen werden. Eine Entwarnung für die kommenden Jahre bedeutet das jedoch nicht.
Türkheims Finanzen: Der Haushalt steigt auf 31 Millionen Euro
Doch zunächst zu den Zahlen: Das Gesamtvolumen des geplanten Haushalts steigt von 28,8 Millionen im Vorjahr auf etwa 31,1 Millionen Euro. Davon fallen etwa 24 Millionen Euro auf den Verwaltungshaushalt, also auf laufende Einnahmen und Ausgaben. 7,1 Millionen Euro sind für den Vermögenshaushalt, also für größere Investitionen, eingeplant. Die größten Kostentreiber, oder die „Sorgenkinder“, wie es Hiemer bezeichnet, sind Personalkosten sowie die Kreisumlage. Letztere steigt 2026 mit 6,9 Millionen Euro auf ein Rekordniveau. 2025 war es noch eine Million Euro weniger. Die Personalkosten sind mit 7,6 Millionen Euro ein noch größerer Kostenpunkt, Kitas und Hort machen davon etwa 60 Prozent aus. In den vergangenen zehn Jahren haben sich die Personalkosten im Markt Türkheim mehr als verdoppelt, ein Grund dafür seien die Tarifabschlüsse.
Auf der anderen Seite stünden solide geplante Einnahmen, etwa durch Gewerbesteuer (6,2 Millionen Euro), Einkommenssteuer (5,4 Millionen Euro) oder Grundsteuer (1,3 Millionen Euro). Eine Schlüsselzuweisung werde Türkheim 2026 wegen der erneut gestiegenen Steuerkraft nicht erhalten. Diese Einnahmen könnten jedoch nicht mit den Ausgaben im Verwaltungshaushalt mitwachsen, die in den vergangenen drei Jahren um sechs Millionen Euro stiegen.
Heglerhaus, Bauhof, Gymnasium: Es stehen große Investitionen an
Dieses Defizit wird sich bemerkbar machen: 2026 rechnet Hiemer mit einem Minus im Verwaltungshaushalt von knapp 1,4 Millionen Euro. Die Jahre davor konnte immer ein Plus erwirtschaftet werden, das wiederum dem Vermögenshaushalt zugeführt wurde. Auch 2025 war bereits ein Defizit erwartet worden, das jedoch nicht eintraf. Davon könne man 2026 nicht ausgehen, sagt Hiemer.
„Wenn wir es selbst nicht erwirtschaften, müssen wir zur Bank und einen Kredit aufnehmen“, sagt der Kämmerer deutlich. Für 2026 ist dennoch noch keine Kreditaufnahme geplant, das geplante Defizit aus dem Verwaltungshaushalt werde aus der Rücklage entnommen. Dass 2026 doch noch keine neuen Schulden aufgenommen werden müssen, liege einerseits an den überplanmäßigen Vorjahren, andererseits aber auch an einer Verzögerung großer Maßnahmen. Mehrere große Investitionen, wie Maßnahmen für die Ganztagsbetreuung mit dem Umbau des Heglerhauses für über drei Millionen Euro, der Erweiterungsbau des JBG für etwa 2,6 Millionen Euro oder der neue Bauhof für 8,5 Millionen Euro sind bereits für die kommenden Jahre geplant oder in der Umsetzung.
Muss Türkheim bis 2029 Schulden in Höhe von 17 Millionen Euro aufnehmen?
Dadurch müsste der Markt Türkheim bei planmäßiger Entwicklung und Umsetzung bis 2029 etwa 17 Millionen Euro neue Schulden aufnehmen. Ende 2026 sollen die Schulden knapp zwei Millionen Euro betragen. „Knappe Kassen, große Aufgaben“, fasst Hiemer die Situation in seiner Präsentation zusammen. Es sei klar, dass in den kommenden Jahren bei Investitionen überlegt werden müsse, ob es sich um notwendige, oder doch nur um wünschenswerte Projekte handle. 2026 soll Geld unter anderem in den Kindergartenumbau und die Sanierung (400.000 Euro) , in den Straßenbau (700.000 Euro), die Kläranlage (380.000 Euro), in den Bauhof (500.000 Euro) und in die Schulen (440.000 Euro) fließen.
Nach Lob von allen Seiten für Hiemers Plan und seine umsichtigen Kalkulationen in den vergangenen Jahren gibt Karl Maurer zu bedenken, dass nicht der Eindruck entstehen dürfe, dass der Markt Türkheim alle Wünsche erfülle. Sämtliche Einsparpotenziale müssten genutzt werden. Gudrun Kissinger-Schneider weist darauf hin, dass auch Digitalisierung und KI zum Einsparen genutzt werden könnten, zudem betont sie die Bedeutung nachhaltiger Planung. Bürgermeister Christian Kähler schließt die Diskussion mit einem Appell: „Wenn sie Politiker treffen, sagen Sie, was Sie auf dem Herzen haben.“ Die Kommunen benötigten mehr Unterstützung vonseiten der Landes- und Bundespolitik. Der Marktrat verabschiedet den Haushalt für das Jahr 2026 einstimmig.
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