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Unterallgäu: Landkreis will Integration verbessern

Unterallgäu

Landkreis will Integration verbessern

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    Bereits im März hatte die Kreistagsfraktion der Grünen beantragt, zwei neue Stellen im Bereich der Integration am Landratsamt zu schaffen. Nun wurde darüber in einer Sitzung des Ausschusses für Personal und Soziales beraten.
    Bereits im März hatte die Kreistagsfraktion der Grünen beantragt, zwei neue Stellen im Bereich der Integration am Landratsamt zu schaffen. Nun wurde darüber in einer Sitzung des Ausschusses für Personal und Soziales beraten. Foto: Silvio Wyszengrad (Symbolbild)

    Darin, dass die Integration von Geflüchteten im Landkreis verbessert werden soll, waren sich die Mitglieder des Ausschusses für Personal und Soziales einig. Um die Details aber wurde in dessen jüngster Sitzung rund eine Stunde lang gefeilscht. Hintergrund war ein Antrag der Grünen-Kreistagsfraktion. Sie hatte bereits im März gefordert, zwei Vollzeitstellen im Bereich der Integration zu schaffen.

    Es reiche nicht aus, den Geflüchteten nur ein Dach über dem Kopf zu bieten, hatte Lisa Steber, die Fraktionsvorsitzende der Grünen bereits in ihrer Haushaltsrede gesagt. Es fehlten eine koordinierende Stelle für Integration sowie eine Integrationslotsenstelle, die wieder verstärkt ehrenamtliche Hilfsprojekte zur Integration anleitet und begleitet. Schon angesichts des Arbeitskräftemangels sei es dringend nötig, Geflüchtete schnellstmöglich zu qualifizieren, sie in Arbeit zu bringen und so ihre Integration zu fördern.

    In anderen Landkreisen vergleichbarer Größe wurden bis zu 3,5 Stellen im Bereich Integration geschaffen

    Zudem ist die Grünen-Fraktion überzeugt, dass die Bevölkerung Menschen mit Migrationshintergrund umso stärker akzeptiert, je besser diese integriert sind. Um die Integration zu unterstützen, reiche jedoch die bestehende 20-Stunden-Stelle nicht aus, die an die Freiwilligenagentur Schaffenslust ausgelagert wurde. Die Fraktion verweist auf andere Landkreise vergleichbarer Größe, die bis zu 3,5 Vollzeitstellen im Bereich Integration und Migration geschaffen hätten. Im Unterallgäu gebe es dagegen weder ein Integrationskonzept noch eine Stelle, die die Integration koordiniere. Hier sollen die beantragten beiden Stellen Abhilfe schaffen.

    Konkret geht es um einen Inklusionslotsen bzw. eine -lotsin und einen Integrationsbeauftragten. Der Lotse ist Ansprechpartner für die ehrenamtlichen Helferinnen und Helfer, gibt Informationen aus dem Landratsamt an sie weiter und informiert die Betroffenen über anstehende Neuzuweisungen von Geflüchteten oder auch die Eröffnung neuer Flüchtlingsunterkünfte. Er kümmert sich um die Abwicklung von Förderungen, Zuschüssen und Aufwandsentschädigungen sowie die Vernetzung der regionalen Akteure im Integrationsbereich. Daneben soll er Geflüchtete für ehrenamtliche Tätigkeiten wie etwa Übersetzungen, aber auch Flursäuberungsaktionen gewinnen, Informationen zu Themen wie Mülltrennung oder richtiges Lüften aufbereiten und für ein angemessenes Angebot an Sprachkursen und Bildungsangeboten sorgen. Diese Stelle wird vom Freistaat zu 80 Prozent gefördert.

    Aus Sicht der Verwaltung könnte eine Person die Aufgaben des Integrationslotsen und -beauftragten übernehmen

    Der oder die Integrationsbeauftragte soll bei den Gemeinden unter anderem dafür werben, Wohnraum für Geflüchtete zu schaffen und sie bei der Umsetzung von Wohnprojekten unterstützen. Er ist Ansprechpartner für die Migrationskoordinatoren in den Gemeinden und für Migranten-Gruppen, erfasst und koordiniert die Angebote verschiedener Träger und Initiativen, berät die Kreisgremien und die Verwaltung bei integrationspolitischen Fragen, vernetzt sich mit den Integrationsbeauftragten anderer Landkreise und erstellt eventuell auch ein Integrationskonzept. Finanziert wird die die Stelle aus der Integrationspauschale, die der Landkreis vom Bund bekommt.

    Die Verwaltung begrüßt den Vorschlag der Grünen, weitere Integrations-Kräfte am Landratsamt anzusiedeln. Nach Rücksprache mit der Freiwilligenagentur Schaffenslust hält sie aber eine zusätzliche Stelle für ausreichend, die in Personalunion als Integrationslotse und -berater fungieren könnte. Als Grund nannte Maria Bachmaier vom zuständigen Sachgebiet unter anderem die inzwischen stark rückläufige Zahl ehrenamtlicher Helferinnen und Helfer, für die die bereits vorhandene Integrationslotsin und eine weitere halbe Lotsen-Stelle genüge.

    Der neue Integrationslotse soll Ehrenamtliche (zurück)gewinnen

    Die Fraktionsvorsitzende der CSU, Christine Vogginger, ist dagegen überzeugt, dass ein zweiter Integrationslotse verstärkt versuchen sollte, wieder mehr Ehrenamtliche zu gewinnen. „Wir brauchen das Engagement der Leute vor Ort“, sagte sie und plädierte für eine volle Lotsenstelle, die um eine Viertel Beauftragten-Stelle ergänzt werden könnte. Unterstützung erhielt sie von ihrer Parteikollegin Michaela Bahle-Schmid: In Bad Wörishofen habe sich der ehrenamtliche Helferkreis aufgelöst, weil er von der schieren Masse der Geflüchteten überfordert gewesen sei. Ein zusätzlicher Lotse könnte ihnen helfen, wieder mit der Situation umzugehen, glaubt sie. „Es ist wichtig, dass da einfach jemand da ist. Das ist eine Riesenaufgabe, die man nicht nur den Ehrenamtlichen aufbürden kann“, sagte sie.

    Auch Mehmet Yesil (SPD) sieht das Problem, dass sich die Ehrenamtlichen vor Anfragen kaum retten können. In seinen Augen wären jedoch auch zwei Vollzeitstellen noch zu wenig, um die Geflüchteten schneller in den Alltag und ins Berufsleben zu bringen. Lisa Steber zeigte sich derweil enttäuscht, dass sie die übrigen Ausschussmitglieder nicht vom Bedarf an zwei Vollzeitkräften überzeugen konnte. Nach längerer Diskussion stimmten sieben der 13 Ausschussmitglieder schließlich dafür, eine 0,75-Lotsen-Stelle und eine halbe Beauftragten-Stelle zu schaffen.

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