Eine ganze Reihe von Neuzugängen verbucht der Neu-Ulmer Kreisverband von Bündnis90/Die Grünen auf seiner Kandidatenliste für den Kreistag. Einer davon ist der designierte Landratskandidat Ludwig Ott, der auf Platz 2 gelistet ist. Er habe „unglaublich viel Unterstützung erfahren“, berichtete Ott am Freitag in der Weißenhorner Fuggerhalle. Auch die Grünen streben nach mehr: Sie wollen nicht die kleinste Kreistagsfraktion bleiben.
Knapp 40 Delegierte beschlossen bei der Aufstellungsversammlung die Kandidatenliste für die Wahlen im kommenden März. Dass sie sich Ott als Neu-Ulmer Landrat wünschen, hatten die Grünen erst einen Tag vor der Versammlung öffentlich bekannt gegeben. Ott soll am 17. Dezember nominiert werden. Er mache sich aktuell Sorgen um die Zukunft, begründete der 28-jährige gebürtige Finninger sein politisches Engagement. Denn es werde gegenwärtig „zu oft versucht, einfachste Antworten auf komplizierteste Fragen zu geben“.
Bei seiner Kandidatur hoffe er auf „ein glasklares Signal der Geschlossenheit“, sagte Ott, der als Projektkaufmann arbeitet und erst seit Mitte des Jahres Mitglied der Grünen ist. Für andere engagiert habe er sich aber schon in der Jugend, nicht nur bei der Feuerwehr, sondern auch als Bezirksschülersprecher. Ott kandidiert ebenfalls für den Neu-Ulmer Stadtrat. Er wolle für „einen besseren Landkreis Neu-Ulm“ antreten, „gemeinsam können wir Großes schaffen“.
Grüne im Landkreis Neu-Ulm nominieren Kandidaten für die Kommunalwahl 2020
Angeführt wird die Liste von Mechthild Destruelle, Vorsitzende des Kreisverbands und als Neu-Ulmer Stadt- und Kreisrätin aktiv. Die Grünen müssten Sorge tragen, dass umweltpolitische Projekte „nicht bloß Augenwischerei bleiben“, sagte sie, und das gelte auch für den Kreis. Sie wolle sich für die Bildung einsetzen, etwa den Bau des Lessing-Gymnasiums, aber auch die Verkehrswende sei ein wesentliches Thema.
Da ging sie konform mit so gut wie allen anderen Rednern. Immerhin 20 Kandidaten waren es, die sich und ihre Pläne vorstellten. Größtes Anliegen ist ihnen offenbar der Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs sowie der Geh- und Radwege im Kreis. Auch für ein ÖPNV-Jahresticket sprachen sich mehrere der Kandidaten aus, ebenso fehlten sichere Unterstellmöglichkeiten für Fahrräder. Bezahlbarer Wohnraum liege ihr am Herzen, so die Drittplatzierte Dagmar Sokol-Prötzel aus Holzheim, „Familien haben fast keine Chance“.
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Mehrfach genannt wurde die Finanzsituation des Kreises, angespannt durch die Geldmisere der Kliniken. Auch bessere Förderung von alternativen Energien in Privathaushalten war Thema. Und manche Jung-Kandidaten erläuterten ihre Motivation zum Parteieintritt: Der Klimaschutz und die Sorge um globale Lebensgrundlagen.
„Wir sind mit neun Sitzen die kleinste Fraktion, aber wir lassen uns nicht so leicht zum Schweigen bringen“, berichtete Fraktionschef Helmut Meisel. „Ich hoffe, dass die Fraktion viel stärker wird.“ Und: Mit einem Grünen-Landrat werde „mehr umgesetzt und nicht nur geredet“. Gerade in der Kommunalpolitik lasse sich viel bewegen, erklärte Landtagsabgeordneter Maximilian Deisenhofer, der selbst für den Günzburger Kreistag kandidiert. Er freue sich über die zahlreichen „motivierten Neumitglieder, die frischen Wind reinbringen“.
Die ersten 20 Kandidaten auf der Kreistagsliste der Grünen sind: Mechthild Destruelle, Ludwig Ott, Dagmar Sokol-Prötzel, Helmut Meisel, Katharina Justice, Philip Merkle, Sabine Dehner, Franz Schmid, Gabi Rzehak-Wartha, Arno Görgen, Tina Schwenk, Pit Ehrenberg, Astrid Birkholz, Ernst Ehrmann, Maya Stelzner, Christoph Maisch, Conny Rudolph, Max Laupheimer, Gabriele Salzmann sowie Klaus Größler.
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