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07.07.2010

Schwitzen auf russisch oder finnisch

Noch schwitzt Bauherr Andreas Druck auf der Baustelle in Unterelchingen, doch bald schon können in seiner russischen Banja Saunaliebhaber aus der ganzen Region schwitzen. Foto: Roland Furthmair
Bild: Roland Furthmair

Unterelchingen/Pfaffenhofen Wer gerne schwitzt, hat im Landkreis bald die freie Auswahl. Bis Herbst 2011 sollen in der Region gleich zwei Saunadörfer entstehen: eine russische Banja in Unterelchingen und eine so genannte "Dorfsauna" in Pfaffenhofen. Ist da das Angebot nicht größer als die Nachfrage? Nein, sind sich die beiden Betreiber einig. Denn die Saunen richten sich an ein ganz unterschiedliches Klientel.

Andreas Druck aus Böfingen, der Bauherr der russischen Sauna im Unterelchinger Gewerbegebiet, stammt selbst aus Moldawien und vermisste ein entsprechendes Angebot in der Region bisher. "So etwas gibt es hier nicht." Eine Marktlücke also. Daran, dass seine zwei Sauna-Blockhütten für jeweils bis zu zwölf Personen künftig gut besucht sein werden, zweifelt er deshalb nicht. Egal ob im Sommer oder Winter. "Wer etwas für die Gesundheit tun will, sollte sowieso das ganze Jahr über in die Sauna gehen", sagt er. Die Saunen können von Gruppen für mindestens zwei Stunden angemietet werden, dazu ist eine Gaststätte vorgesehen, die Drucks Mutter bewirtschaften wird. Nachdem der Gemeinderat vor einigen Monaten grünes Licht für das Bauvorhaben gegeben hatte, nehmen die Blockhäuser inzwischen Gestalt an. "Wir waren ein bisschen im Verzug, weil es im Frühjahr so viel geregnet hat", sagt Druck. Doch nun gehe es zügig voran, die Eröffnung ist für September oder Oktober vorgesehen. Investiert hat Druck rund 170 000 Euro.

Über Gerüchte, dass er mit seiner russischen Sauna Geschäftsleuten mit osteuropäischen Wurzeln einen Raum geben will, wo sie ihre Geschäfte unter Dach und Fach bringen können, kann Andreas Druck nur schmunzeln. "Natürlich gibt es diese Tradition in Osteuropa." Dort wurde schließlich auch schon in der Sauna Politik gemacht. "Das ist eben wie das Teehaus für den Türken oder der Stammtisch für den Bayer." In seinem Saunadorf sei es aber nicht Bedingung, übers Geschäftliche zu reden. "Wir sind für alle offen." Und von dubiosen Deals will der Betreiber schon gar nichts wissen.

Entsprechend gelassen blickt somit auch Elchingens Bürgermeister Joachim Eisenkolb dem Voranschreiten des Bauprojekt entgegen. "Solange öffentliche Sicherheit und Ordnung nicht gestört sind, ist das völlig in Ordnung." Und außerdem sei ihm ein Saunadorf allemal lieber als noch eine Spielothek. Mit der Bedingung, dass die Parkplatzsituation geregelt wird und die Blockhütten durch einen Sichtschutz abgeschirmt werden, damit sich niemand belästigt fühlt, winkten die Gemeinderäte das Vorhaben deshalb durch. Zumal man froh gewesen sei, eine Verwertung für das wegen seiner Trapezform schwierig zu bebauende Grundstück gefunden zu haben, so Eisenkolb.

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Lothar Frey, ein Geschäftsmann aus Holzschwang, plant die "Dorfsauna" auf einem freien Grundstück neben der Grüngutanlieferstelle im Pfaffenhofener Ortsteil Berg. In Andreas Druck sieht er weder einen "Konkurrenten, noch einen Mitbewerber" - wenngleich er durchaus "ein paar unruhige Stunden" durchlebte, als er von dem Elchinger Projekt hörte. Nachdem er sich aber vor Ort genauer informiert hatte, stand für ihn fest: "Sauna ist nicht gleich Sauna, auch wenn man überall schwitzen kann."

Er wolle eine familien- und behindertenfreundliche Freizeitanlage schaffen, wie es sie auch im Nautilla oder anderen großen Bädern gibt, sagt Frey. Nur eben ohne Bad. Angedacht seien viele Blockhütten, Bereiche für Eltern und Kinder aber auch Ruheräume, dazu viele Freiflächen. "Es soll so ländlich wie möglich sein." Was die Größe und das Gelände angeht, sei sein Vorhaben deshalb nicht mit dem Elchinger vergleichbar. "Das spricht ein anderes Publikum an." Frey erwartet pro Tag rund 200 Gäste. Und auch die finanzielle Dimension ist eine andere: Eine Summe im siebenstelligen Bereich will der Holzschwanger investieren.

Dennoch ist Andreas Druck ihm einen wichtigen Schritt voraus. Denn ob die Saunalandschaft in Pfaffenhofen tatsächlich gebaut wird, ist noch nicht zu 100 Prozent sicher. Bevor im Detail geplant werde, will Frey die Ergebnisse einiger Gutachten abwarten, die noch eingeholt werden müssen. "Sonst macht das ja alles keinen Sinn." Dennoch ist der Bauherr zuversichtlich. "Dass wir am 1. Oktober 2011 eröffnen, ist durchaus realistisch."

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