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Ulm: Schlafkapseln: Entwickler tüfteln weiter am "Ulmer Nest"

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Schlafkapseln: Entwickler tüfteln weiter am "Ulmer Nest"

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    Wer im „Ulmer Nest“ übernachten will, legt sich hinein und schließt die Klappe von innen.
    Wer im „Ulmer Nest“ übernachten will, legt sich hinein und schließt die Klappe von innen. Foto: Alexander Kaya

    Rund vier bis fünf Grad wärmer als im Freien wird die Temperatur in den „Ulmer Nestern“ – dank der Belüftungsanlage, die die Körpertemperatur desjenigen speichert, der in einer der Schlafkapseln liegt. 6,7 Grad unter Null hat die Mähringer Wetterstation am 29. Dezember gemessen – die Nacht war die kälteste, seit die beiden „Nester“ als Erfrierungsschutz für Obdachlose aufgestellt wurden. Vier oder fünf Grad mehr, keine Nässe und kein Wind – einen vollständigen Schutz bieten die Schlafkapseln aber nicht. „Es wird nicht mollig warm“, sagt Falko Pross, der zum Entwicklerteam gehört. Man könne auch in einem „Ulmer Nest“ erfrieren, warnt er. Die Entwickler tüfteln auch jetzt, wo die beiden Schlafkapseln am Karlsplatz und am Alten Friedhof in Ulm aufgestellt sind, weiter am Konzept.

    Dabei geht es auch um die Heizung. Heizfolien könnten zusätzliche Wärme liefern. Ob das klappt, soll demnächst getestet werden. Ein Knackpunkt ist der Strom, der dafür nötig ist. Genügt ein Solarpanel? Wenn nicht, braucht es eine andere Lösung. Es ist eine Gratwanderung: Die Schlafkapseln sollen einfach zu warten und möglichst günstig sein die Kosten, dabei aber den größtmöglichen Schutz liefern. Die Kosten für das Projekt einschließlich Bau und wissenschaftlicher Begleitung belaufen sich auf 35000 Euro. Was für in Serie produzierte „Ulmer Nester“ ausgegeben werden müsste, ist noch nicht bekannt.

    Worauf die Entwickler noch achten: Zu bequem soll es in den Schlafkapsel-Prototypen nicht sein. Denn das „Ulmer Nest“ soll nur für diejenigen da sein, die in ganz kalten Nächten ohne diesen Schutz im Freien übernachten würden: Zum Beispiel weil sie es aus psychischen Gründen in einer Obdachlosenunterkunft nicht aushalten oder weil sie so berauscht sind, dass sie dort abgewiesen werden.

    Die Stadt und die Entwickler werden weiterhin mit Kritik konfrontiert. Franziska Vogel aus der Ulmer Stadtverwaltung berichtet, dass es sich meist um Missverständnisse handle: Viele Beschwerdeführer glauben, dass die Stadt Obdachlose auf eine würdelose Weise unterbringen will. Dabei arbeite man an anderen langfristigen Möglichkeiten, die Menschen von der Straße zu holen. Die Schlafkapseln seien lediglich ein Rettungsanker für diejenigen, die andere Angebote nicht nutzen können oder wollen.

    "Ulmer Nest": Schlafkapsel für Obdachlose in Ulm

    Vier Übernachtungen hat es in den beiden „Ulmer Nestern“ bislang gegeben, seit Montag untersucht ein dreiköpfiges Forscherteam der Universität Kassel, wie die Schlafkapseln angenommen werden. Zwei Soziologen und eine Psychologin befragen dazu auch Polizisten und andere, die regelmäßig Kontakt zu Obdachlosen haben. Eine Woche dauert diese sogenannte Feldforschungsphase, eine weitere soll folgen. Ein genauer Termin für diese zweite Phase steht noch nicht fest. Er soll je nach Witterung ausgewählt werden.

    Die Schlafkapseln lassen sich nämlich nur unter einer bestimmten Bedingung öffnen: Wenn die vorhergesagte Temperatur für die Nacht unter Null Grad liegt. Schließlich sind die „Ulmer Nester“ als Erfrierungsschutz für kalte Nächte gedacht – und eine kalte Nacht haben die Planer auf diese Weise definiert. Entsprechend sollen auch die Forschungsphasen in Zeiträume fallen, in denen die Nächte ausreichend kalt sind, um ein realistisches Bild der Nutzung zu bekommen.

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