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Amtsgericht Neu-Ulm veranstaltet erstmals Abend der offenen Tür mit Showprozess

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Offene Tür beim Amtsgericht Neu-Ulm: Diesmal gerät der Prozess zur reinen Show

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    Rappelvoll war es im großen Gerichtssaal des Neu-Ulmer Amtsgerichts bei einer Showveranstaltung im Rahmen eines „Abends der offenen Tür“.
    Rappelvoll war es im großen Gerichtssaal des Neu-Ulmer Amtsgerichts bei einer Showveranstaltung im Rahmen eines „Abends der offenen Tür“. Foto: Ronald Hinzpeter

    Wer stört, fliegt raus, da kennt Richterin Gabriele Buck kein Pardon. Und so muss sich denn die schwangere Freundin des Angeklagten von einem Justizbeamten aus dem Saal führen lassen, damit die Verhandlung ungestört ihren Lauf nehmen kann. Das tut sie dann auch – und als das Urteil gesprochen ist, passiert etwas, das auch erfahrene Juristen selten erleben: Im Gerichtssaal brandet Applaus auf. Allerdings ist dieser Prozess für das Amtsgericht Neu-Ulm sehr ungewöhnlich, denn: alles nur Show.

    Das Amtsgericht Neu-Ulm veranstaltet zum ersten Mal einen „Abend der offenen Tür“

    Das Gericht hat ein Experiment gewagt, es wollte sich zum ersten Mal im Rahmen eines „Abends der offenen Tür“ der Öffentlichkeit präsentieren. Ob das funktioniert? Amtsgerichtsdirektor Thomas Kirschner war sich da nicht ganz sicher, wie er vorher im Gespräch mit unserer Redaktion einräumte. Er sprach von einer „Wundertüte“. Das Gericht wollte einerseits zeigen, wie es arbeitet und so um „Verständnis für die Justiz“ werben, sowie auch ein wenig Eigen-PR betreiben, denn die Justiz kämpft mit Nachwuchsproblemen.

    Stellen gibt es so einige in einem Amtsgericht, denn dort arbeiten ja nicht nur Richterinnen und Richter, sondern vor allem Wachpersonal, Rechtspflegerinnen, Justizfachwirte oder Vertreter der Staatsanwaltschaft. Insgesamt 100 Frauen und Männer sind in der Neu-Ulmer Schützenstraße beschäftigt. Es sei vor allem wichtig, Interessierte zu finden, die aus der Region stammen, kurze Wege zur Arbeit haben und damit auch bleiben und nicht so schnell wieder wechseln, so Kirschner.

    Normalerweise ist der Aktenkeller des Grundbuchamts im Neu-Ulmer Amtsgericht nicht öffentlich zugängig. Beim Abend der offenen Tür war das anders.
    Normalerweise ist der Aktenkeller des Grundbuchamts im Neu-Ulmer Amtsgericht nicht öffentlich zugängig. Beim Abend der offenen Tür war das anders. Foto: Ronald Hinzpeter

    Die Wundertüte geht schließlich am frühen Abend auf und es zeigt sich: Die Menschen interessieren sich durchaus dafür, was in den heiligen Hallen der Justiz so vor sich geht. „Wir sind wirklich positiv überrascht“, sagt am nächsten Tag Alexander Metze als Vertreter der Geschäftsleitung. Rund 100 Menschen fast jeglichen Alters schlendern am Donnerstag durch das Haus, das einst als „Wohngebäude für verheiratete Unteroffiziere“ diente, später die Polizei und das Straßenbauamt beherbergte und bis 2013 aufwendig zum modernen Gerichtszentrum umgebaut wurde.

    Auf das größte Interesse stößt erwartungsgemäß die Gerichtsverhandlung zu einem fiktiven, auf den ersten Blick banalen Fall: Ein junger Mann wird am Schwörmontag dabei erwischt, wie er betrunken zusammen mit einer „Bekannten“ einen E-Roller steuert. Bei gut 1,5 Promille verliert er natürlich den Führerschein – und landet schließlich sogar für fast zwei Jahre im Gefängnis. Schießt hier die Justiz über das Ziel hinaus? Mitnichten, denn der Angeklagte hatte einige auf dem Kerbholz: insgesamt 13 Vorstrafen.

    Zum Verhängnis werden ihm frühere Verurteilungen, bei denen die Gefängnisstrafe zur Bewährung ausgesetzt war. Weil er wieder straffällig wurde, widerruft die Justiz die Bewährung, weil er sich eben nicht „bewährt“ hat. Und so addiert sich zu den acht Monaten Haft, welche Richterin Gabriele Buck für das wiederholte Fahren unter Alkohol verhängt, noch einiges hinzu.

    Am Ende gibt es in Neu-Ulm für Gericht, Staatsanwalt und Verteidiger Applaus

    Das dürfte vermutlich etliche der Interessierten, die sich in den viel zu kleinen Saal drängen, überrascht haben. Den Applaus am Ende haben sich Staatsanwalt, Verteidiger und Richterin redlich verdient. Denn sie haben die Verhandlung sehr realistisch durchgezogen, wenn auch ein paar knallige TV-Momente à la „Barbara Salesch – Das Strafgericht“ eingefügt wurden, wie die bockige Freundin, die schließlich vor der Tür landet.

    Wie gut die Showverhandlung ankam, drückt das Illertisser Ehepaar Ingrid und Karl-Heinz Stützle so aus: „Das war sehr aufschlussreich und interessant, es war unsere erste Verhandlung. Man hat ja sonst mit so etwas nichts zu tun und wir wollten mal sehen, wie so etwas vonstattengeht.“

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