Startseite
Icon Pfeil nach unten
Neu-Ulm
Icon Pfeil nach unten

Ernst Barlach Ausstellung präsentiert vielseitige Werke zum Thema Liebe

Neu-Ulm

Neue Sonderausstellung im Edwin-Scharff-Museum: "Ernst Barlach - Facetten der Liebe"

  • |
  • |
  • |
  • |
    Die Barlach-Ausstellung im Edwin-Scharff-Museum ist bis zum 4. Oktober zu sehen.
    Die Barlach-Ausstellung im Edwin-Scharff-Museum ist bis zum 4. Oktober zu sehen. Foto: Dagmar Hub

    Über einen längeren Zeitraum waren Ausstellungsbesucher im Edwin-Scharff-Museum mit dem Thema Tanz beschäftigt. In der neuen Sonderausstellung steht nun die Liebe im Mittelpunkt – die Liebe in all ihren Facetten, wie sie der Bildhauer und Zeichner Ernst Barlach darstellte. Ausstellungsbesucher können zudem Barlachs eigenen Erfahrungen mit der Liebe nachspüren und werden kontrastierend mit thematisch passenden Arbeiten von Barlachs Neu-Ulmer Zeitgenossen Edwin Scharff zum genauen Hinschauen angeregt.

    Neue Sonderausstellung zeigt Liebe in Bronze, Holz und Gips

    Was ist Liebe? Er habe sich zeitlebens „einen ganzen Heuhaufen zusammen geschwärmt und geliebt“, notierte der 1870 in Wedel geborene Barlach. Aber es sei ihm unheimlich, von Liebe zu reden. „Nimmt man den Begriff so hoch, so weit, so tief er es verlangt, so bringt man die Lippen nicht voneinander, nimmt man es häufig auf die Zunge so macht man daraus einen Backpflaumenmus.“

    Barlachs Weg hat viele Stationen der Liebe: Ein unehelicher Sohn mit dem Aktmodell Rosa Limana Schwab, für den er sich das Sorgerecht erstritt, um das Kind dann erst einmal zu seiner Mutter zu bringen .Ein Antrag an die verheiratete Elisabeth Schult im Angesicht von deren indigniertem Ehemann und schließlich die späte Liebesbeziehung mit Margarethe Böhmer. Inwieweit sich diese Lebenserfahrungen im künstlerischen Werk Barlachs spiegeln, spekuliert man immer wieder beim Betrachten der großen Zahl der Werke der Ausstellung, die in Kooperation mit den Ernst Barlach Museen Güstrow entstand.

    Erotische Liebe und Geborgenheit, Mutterliebe und die Liebe zu Gott, verzeihende Liebe und käufliche Liebe, Versuchung und Flirt – die menschlichen Emotionen hat Barlach äußerst genau beobachtet. Und wer auf Details achtet, kann in den Gesichtern der Skulpturen aus Bronze, aus Barlachs Lieblingsmaterial Holz und aus Gips, und in den Zeichnungen viel deuten. Am Anfang der Ausstellung deutet die Bronzeskulptur eines küssenden Paares bereits an, worum es in der Ausstellung geht.

    Die am häufigsten in Schulbüchern auftauchende Skulptur Barlachs ist tatsächlich der lesende Klosterschüler, nicht liebende Paaare. Unter den vielfältigen Darstellungen von Emotionen sind in der Ausstellung eine ganze Reihe Werke, die auch Barlach-Kennern nicht unbedingt vertraut sind. Was man auch wenig kennt: Zeichnungen aus der Pariser Zeit Ernst Barlachs, der zu Studienaufenthalten dort in einer Künstlergruppe lebte, mit dem französischen Laissez-faire aber nicht zurechtkam.

    Künstler Barlach kritisiert in Skulpturen Kriegshandlungen

    Krass sind die gegensätzlichen Gefühle, die beispielsweise die Figurengruppe „Ruhe auf der Flucht 2“ und „Die Kupplerin 2“ vermitteln – eine beschützende, liebevolle Haltung gegenüber der Frau und jungen Mutter unter einem Tuch im ersten Fall, ein gnadenlos kaltes Anbieten der schutzlosen jungen Frau als Ware in einem gelüfteten Tuch im anderen Fall.

    Vieldeutig sind auch Barlachs Arbeiten, die in der Zeit des aufkommenden Gedenkens für gefallene Soldaten des Ersten Weltkrieges entstanden: Der Pazifist Barlach übte in seinen Skulpturen deutliche Kritik an Kriegshandlungen, zeigte seine Ablehnung dem Krieg gegenüber. So hält bei seiner Pietà, die eine Kreuzform hat, eine Marien-Mutterfigur einen toten Soldaten mit anklagendem Blick dem Betrachter entgegen. Mit einem anderen zum Weltkriegsgedenken geschaffenen Werk bekam Barlach Probleme mit seinen Zeitgenossen, denn weder Soldat noch Ehre oder rachsüchtige Motive sind darauf zu sehen, sondern eine allein gelassene Mutter mit ihrer Tochter. Beide Figuren scheinen einander gegenseitig Halt zu geben.

     Info: Die Barlach-Ausstellung im Edwin-Scharff-Museum ist bis zum 4. Oktober zu sehen.

    Diskutieren Sie mit
    XXX 0 Kommentare
    hier kommen komentare rein

    Um kommentieren zu können, müssen Sie angemeldet sein.

    Anmelden

    Sie haben noch kein Konto? Kostenfrei registrieren