Zumindest die erste Hälfte der neuen Gänstorbrücke zwischen Ulm und Neu-Ulm ist endlich vereint. Doch der Weg dorthin war steinig. Schwertransporter blieben auf der Autobahn stecken. Die sogenannte „Hochzeit“ der Brückenteile musste zweimal verschoben werden. Das sorgte für nächtliche Sperrungen und Umleitungen. Am frühen Donnerstagmorgen war es dann so weit. Das Mittelteil wurde erfolgreich eingehoben.
Eigentlich schon am vergangenen Vatertag (Christi Himmelfahrt) sollte der Zusammenschluss der beiden Brückenenden erfolgen. Doch Verzögerungen, unter anderem im Werk in Krakau, wo die Stahlteile hergestellt werden, machten einen neuen Zeitplan notwendig.
Schwertransporter liefern riesige Stahlbrückenteile an die Donau
Nach Pfingsten sollte es dazu kommen, dass die Schwertransporter aus Polen die riesigen Stahlteile anliefern. Die Anlieferung glich dann jedoch einer Odyssee. Zuerst verhinderte der Pfingstverkehr die Weiterfahrt. Dann sorgte eine Baustelle bei Görlitz für Stillstand. Ein unvorhergesehenes Begleitfahrzeug wurde benötigt. Das kostete wertvolle Zeit. Die Brückenhochzeit platzte erneut.
Steinig wie spektakulär: Die Fotos zur "Hochzeit" der neuen Gänstorbrücke
Die tonnenschweren Brückenteile warteten auf ihren Einsatz. Timo Roth, bei der Stadt Ulm der zuständige Projektleiter, stand unter enormem Druck. „Aufgrund des Verkehrsaufkommens wurde die Schwertransportgenehmigung geändert“, sagte er. Die Nervosität war bei allen Beteiligten spürbar.
Spannung bis zum Schluss beim Einhub der neuen Gänstorbrücke zwischen Ulm und Neu-Ulm
Die Temperaturen spielten eine entscheidende Rolle. Stahl dehnt sich bei Wärme aus. Das Mittelteil hätte nicht mehr gepasst. „Wenn der Stahlbau zu warm ist, ist die Ausdehnung so groß, dass das Mittelteil nicht reinrutschen kann“, erklärte Bauingenieur Roth. Die Brücke wurde daher mit weißen Planen abgedeckt. Zusätzlich wurde sie mit Wasser gekühlt. So konnte die Stahltemperatur auf 13 Grad gesenkt werden, trotz Tageshöchsttemperaturen nahe 30 Grad.
In der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag kam es zu weiteren Problemen. Ein Reifen an einer Zugmaschine platzte auf der A7 kurz vor Nersingen. Dann versagte die Hydrauliklenkung des Sattelaufliegers mitten im Kreisverkehr an der Kammer-Krummen-Straße zwischen den Neu-Ulmer Stadtteilen Pfuhl und Offenhausen. Viel Verkehr war um diese Zeit noch nicht, es staute sich ein wenig. Der Fahrer behalf sich mit einem Starthilfekabel. Die Gänstorbrücke musste zwischenzeitlich wieder für den Verkehr freigegeben werden. Das geplante Einschwenken über die alte Brücke war nicht mehr möglich. Der Kranführer entschied spontan anders. Er hob das 20 Meter lange Teil über die Donau.
„Hochzeit“ der Gänstorbrücke erfolgt: Am frühen Morgen herrscht große Erleichterung
Am frühen Morgen, gegen 4.15 Uhr, herrschte große Erleichterung. Das Mittelteil passte mit nur 15 Millimetern Spiel auf jeder Seite. „Ich bin natürlich happy, jetzt läuft alles“, sagte ein sichtlich erleichterter Timo Roth. Auch Ulms Baubürgermeister Tim von Winning verfolgte das Geschehen vor Ort.
Gegen 6.50 Uhr war das zweite Teil eingehoben. Das dritte sowie das vierte Teil liegen nahe der Brücke auch schon bereit und sollen in der Nacht auf Freitag eingesetzt werden. Eine weitere Sperrung der Gänstorbrücke sei nicht mehr erforderlich. „Das hat sich erledigt“, sagt Roth. Die beiden noch fehlenden Brückenteile werden nämlich nicht über die noch bestehende alte Brückenhälfte, sondern über die Donau eingehoben. „Das haben wir beim zweiten Teil in der Nacht getestet und es funktioniert.“ Jener Einhub startet gegen Mitternacht, vorher sei es noch zu warm.
Sind alle Teile drin, ist die westliche Brückenhälfte fertiggestellt. In den kommenden Wochen wird sie verschweißt. Danach folgt der Fahrbahnbelag. Anfang September soll der Verkehr auf der neuen Brückenhälfte fließen. Dann beginnt der Abriss der alten, östlichen Brückenhälfte. Ende 2027 soll das gesamte Projekt abgeschlossen sein. Die Kosten für die neue Gänstorbrücke samt den Anschlussmaßnahmen auf den jeweiligen Uferseiten belaufen sich auf etwa 53 Millionen Euro.
Warum wird die Brücke in Krakau gefertigt?
Der Neubau der Gänstorbrücke war europaweit ausgeschrieben. Das Rennen machte dabei die Firma Porr mit Hauptsitz in Wien, die nach Auskunft von Projektleiter Timo Roth mit der Firma Mostostal in Krakau zusammenarbeitet. „Die haben dort sehr gute Schlosser und Metallbauer und liefern sehr gute Qualität im Ingenieurbau“, sagt Roth.
Anmerkung der Redaktion: Zunächst hatten wir berichtet, dass es in der Nacht auf Freitag noch eine Sperrung geben wird. Das ist nicht richtig. Wir haben den Absatz entsprechend korrigiert und bitten, den Fehler zu entschuldigen.
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