Einen ganz besonderen Ehrentag konnte Johann Wiedemann kürzlich begehen: Der Neu Ulmer feierte seinen 100. Geburtstag. Zu diesem Anlass gratulierte Neu-Ulms zweiter Bürgermeister Johannes Stingl persönlich und überbrachte dem Jubilar Geschenke sowie die Glückwünsche der Stadt Neu-Ulm.
Johann Wiedemann musste schon früh einen schweren Schicksalsschlag verkraften
Der Bischöfliche Geistliche Rat blickt auf ein bewegtes Jahrhundert zurück. Johann Joseph Wiedemann wurde am 28. Mai 1926 in Augsburg geboren und wuchs gemeinsam mit vier Schwestern auf. Schon früh musste er einen schweren Schicksalsschlag verkraften: Seine Mutter starb, als er noch ein Kind war. Mit zehn Jahren kam er in das Knabenseminar nach Dillingen. Während des Zweiten Weltkriegs wurde Johann Wiedemann im Alter von 17 Jahren zum Militärdienst eingezogen.
Er war als Feldjäger in Jungholz und später als Funker an der Ostfront eingesetzt. Nachdem sein Elternhaus bei einem Bombenangriff zerstört worden war und eine seiner Schwestern verschüttet wurde, erhielt er 1944 für wenige Tage Heimaturlaub. In dieser Zeit half er dabei, eine Brandbombe am Augsburger Dom zu löschen, bis die Feuerwehr eintraf. Nach seiner Rückkehr an die Front geriet Wiedemann in Kriegsgefangenschaft. Danach konnte er seine Schullaufbahn fortsetzen und das Abitur am Gymnasium in Dillingen abschließen. Anschließend trat er in das Priesterseminar ein und studierte Philosophie sowie Theologie. Nach seiner Priesterweihe im Mai 1953 wirkte er zunächst als Kaplan in Manching und später in Kimratshofen.
Schon früh entdeckte er seine Leidenschaft für den Schuldienst. Zweimal wöchentlich fuhr er mit dem Fahrrad nach Kempten, um dort als Religionslehrer an der Berufsschule zu unterrichten. Im Jahr 1964 wechselte er vollständig in die Lehrerlaufbahn und lehrte mehr als zwei Jahrzehnte lang Religion an der städtischen Berufsschule in Neu-Ulm. Gleichzeitig blieb er der Seelsorge eng verbunden. So feierte er regelmäßig Gottesdienste in verschiedenen Gemeinden, darunter Echlishausen und Wiblingen, und engagierte sich auch während der Ferien in der pastoralen Arbeit.
Freunde und Wegbegleiter schätzen den Jubilar aus Neu-Ulm als bescheidenen, gütigen Menschen
1987 trat Johann Wiedemann als Studiendirektor in den Ruhestand. Sein Engagement für die Kirche setzte er jedoch fort und übernahm noch viele Jahre Urlaubsvertretungen für andere Priester – eine Aufgabe, der er bis ins hohe Alter von 97 Jahren nachging.
Freunde und Wegbegleiter schätzen ihn als bescheidenen, gütigen Menschen, der für andere immer ein freundliches Wort und ein Lächeln bereithält. Seit 1967 lebt Johann Wiedemann in seinem Eigenheim im Neu-Ulmer Stadtteil Ludwigsfeld. Dort fühlt er sich bis heute wohl und erhält regelmäßig Besuch von Freunden und Bekannten. (AZ)
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