Kardinal Peter Turkson: Illertissen-Au kennt den Papst-Kandidaten gut
Illertissen/Rom
Dieser Papst-Kandidat lebte in Illertissen-Au: „Er ist ein Sprachgenie“
Kardinal Peter Turkson aus Ghana hat in Rom gerade den neuen Papst gewählt – und hatte wohl selbst Chancen. Im Illertisser Teilort Au kennt man ihn noch gut.
Kardinal Peter Turkson Ende der 1970er Jahre mit Pfarrer Willi Berchtold aus Illertissen-Au.Foto: Augsburger Allgemeine
Weißer Rauch. Im vierten Wahlgang haben die Kardinäle in der Sixtinischen Kapelle am Donnerstagabend einen neuen Papst gewählt. Groß war zuvor die Spannung, wer Bischof von Rom und damit Kirchenoberhaupt der Katholiken wird. Ein Kardinal, der als Kandidat gehandelt wurde und nun leer ausging, heißt Peter Turkson und stammt aus Ghana. Er ist in Illertissen wohlbekannt. Denn im Ortsteil Au hat er immer wieder ausgeholfen. Die Erinnerungen an ihn sind lebendig.
Der damalige Ortspfarrer Pfarrer Willi Berchtold hat Turkson auf einer Rom-Fahrt kennengelernt. Bald darauf bestimmte der Augsburger Bischof den Theologen aus Afrika als Urlaubsvertretung für Au. Als er ankam, habe er kaum Deutsch gesprochen, erinnert sich der heute 86-jährige Berchtold. „Aber er ist ein Sprachgenie.“ Turkson beherrsche nicht nur die biblischen Sprachen, er habe in den zwei bis drei jeweils vierwöchigen Aufenthalten zwischen 1978 und 1980 auch sehr gut Deutsch gelernt.
Peter Turkson aus Ghana: Ehemaligen Illertisser Pfarrer sitzt im Konklave
„Wir haben ihn wirklich sehr geschätzt, auch die Gemeinde hat den Pfarrer aus Ghana gemocht.“ Die beiden Geistlichen haben über die Jahrzehnte Kontakt gehalten. Bis vor zwei Jahren habe man sich zu Geburtstagen geschrieben und gratuliert. „Einmal hat er mich angerufen und gesagt, ,weißt du, was passiert ist?!‘“, erzählt Berchtold, „ich dachte, jetzt kommt etwas Schlimmes“. Doch der Priesterkollege eröffnete ihm: „Der Papst hat mich zum Kardinal ernannt!“
Kardinal Peter Turkson galt als Papst-Kandidat. Foto: Frank Rumpenhorst, dpa (Archivbild)
Jahre später hat Berchtold, der 1983 von Illertissen nach Penzberg wechselte und heute in Füssen und Umgebung als „Pfarrer in Reichweite“ aushilft, Turkson einmal bei einem Vortrag in Freising erlebt. In seiner Rede habe er die Zuhörer darauf hingewiesen, „da hinten sitzt der Mann, der mir Deutsch beigebracht hat“. „Dabei konnte er von mir nur das Augsburger Schwäbisch lernen“, sagt Berchtold bescheiden.
Papst Johannes Paul II. macht den Zimmermannsohn zum Kardinal
Peter Turkson wurde im Oktober 1948 als eines von zehn Kindern eines Zimmermanns im heutigen Ghana geboren. Er studierte dort, in den USA und in Rom. 1975 wurde er zum Priester geweiht. Papst Johannes Paul II. machte ihn 1992 zum Erzbischof von Cape Coast, seit 2003 ist er Teil des Kardinalskollegiums und nahm schon am Konklave 2005 nach dem Tod des polnischen Papstes teil. 2013, nach dem Rücktritt von Benedikt XVI., galt Turkson als papabile, also als aussichtsreicher Kandidat für den Papststuhl.
Peter Turkson im Friesennerz gegen den schwäbischen Regen.Foto: Archiv
Außerhalb der Kirche ist Turkson durchaus umstritten. Grund sind seine Äußerungen über homosexuelle Menschen, denen er zur Enthaltsamkeit riet. Zuletzt sprach er sich aber gegen eine Kriminalisierung von gleichgeschlechtlicher Liebe aus.
Illertissen und Kardinal Peter Turkson: Ein afrikanischer Geistlicher mit beeindruckender Zukunft?
Die Frage, ob Turkson konservativ ist oder nicht, das sei in Au kein Thema gewesen, sagt Hildegard Rasmussen. Sie hat den Kirchenmann 1996 kennengelernt. Der Erzbischof war damals eigens für ein langes Wochenende angereist, denn die Pfarrei Mariä Himmelfahrt feierte 500-jähriges Bestehen. Rasmussen, die damals dem Arbeitskreis Eine Welt angehörte, erinnert sich lebhaft an den Besuch. „Er war sehr herzlich und zugewandt, sein Gottesdienst sehr besonders, sehr afrikanisch.“ Turkson habe eine Art Performance vorbereitet, getanzt und mit einem Mitgeistlichen die Geschichte des Lazarus erzählt. Dann gab es ein großes Gemeindeessen. Turkson habe viel daran gelegen, mit Menschen zu sprechen, die er aus seiner Zeit Ende der 70er-Jahre kannte. Einige habe er in Au an jenem Wochenende auch besucht.
Papst Franziskus spricht mit Kardinal Peter Kodwo Appiah Turkson während einer wöchentlichen Generalaudienz im Jahr 2020.Foto: Alessandra Tarantino, dpa
Martin Binder war Oberministrant in Au, als Turkson dort vorübergehend die Messen zelebrierte. Er fand das Deutsch des Geistlichen von Beginn an sehr gut, „aber man musste gut hinhören, damit man ihn verstand“. Den Priester habe er als sehr freundlich und bescheiden in Erinnerung. Er sei bei vielen Menschen nach der Kirche zum Essen eingeladen worden. Binders Mutter habe ihn mit schwäbischen Kässpatzen verwöhnt. Wenig später habe sich der Kirchenmann sehr großzügig revanchiert. Martin Binder unternahm mit der Diözese eine Rom-Wallfahrt. Für ihn und zwei Mitministranten nahm sich Peter Turkson damals einen Tag Zeit und gab dem Trio eine persönliche Stadtführung in der Ewigen Stadt. „Das war etwas Besonderes.“
Peter Turkson: Erinnerungen aus Illertissen und ein möglicher neuer Papst in Rom.
So gut die Erinnerung an Kardinal Turkson auch ist, als Papst hätte sich der gelernte Schlosser ihn nicht gewünscht. Denn der Ghanaer gilt für ihn als konservativ, Binder aber hofft aber, „dass etwas in der Kirche vorwärtsgeht“.
Priesterkollege Berchtold hat nicht daran geglaubt, dass Turkson Papst werden würde. „Die Risse im Kardinalskollegium sind groß“, es gab etliche Kandidaten und er persönlich denkt nicht, „dass Peter Turkson überhaupt Papst sein will“.
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