Kommentar: Ende einer Ära: Was wird aus dem Traditionsgeschäft Abt in Ulm?
Kommentar
Abt in Ulm ist ein Opfer der Zeit
Der Wandel im Einzelhandel und die Herausforderungen durch die Konkurrenz machen deutlich, wie stark sich das Einkaufsverhalten verändert hat und was nun mit der Immobilie geschehen wird, ist spannend.
Abt macht zu. Das war im Grunde unausweichlich. Foto: Alexander Kaya
Wenn ein alteingesessenes Geschäft wie Abt in Ulm nach knapp 150 Jahren schließt, ist das schade, aber im Grunde unausweichlich. Die Binsenweisheit „Handel ist Wandel“ macht unerbittlich vor keinem Konzept Halt. Auch nicht vor Abt.
Zweifellos war Abt in Ulm eine große Nummer und ein Alleinstellungsmerkmal für die Ulmer Fußgängerzone. Faktisch ist Abt in der Hirschstraße ein Glas-, Keramik-, Porzellan-Kaufhaus. Eine Sortimentswelt und -tiefe, auf 4300 Quadratmetern, die teilweise aus der Zeit gefallen wirkt. Zumal Abt preislich mit der Onlinekonkurrenz nicht mithalten kann und nicht zuletzt der große Müller schräg gegenüber aus dem eigenen Haus Konkurrenz macht.
Abt verkauft Schrauben einzeln in bester Lage in Ulm
Für Müller ist Abt zudem im Firmenimperium eine Einzelschiene, die in Sachen Warenbestellung und Co nicht in seine Welt von tausenden Müller-Filialen passt. Der Milliardär achtet freilich auch auf Umsätze: Es war zwar ein schöner Service für die Region, dass sich im Untergeschoss auch noch so seltene Schrauben, Bolzen, Winkel und Co für Centbeträge samt geduldiger Beratung von außerordentlich kompetenten Mitarbeitern im Blaumann erwerben ließen, doch die Umsätze pro Quadratmeter waren hier sich in einem Bereich, der Müller die Zornesröte ins Gericht trieb.
Abt in Ulm am Münsterplatz war eine Institution. Auch der Koch Johann Lafer war einmal Stargast. Foto: Alexander Kaya
Erwin Müller, dem 92-jährigen Friseur und Milliardär aus Neu-Ulm, ist kein Vorwurf zu machen, dass er aus Profitgier eine Ulmer Handelstradition begräbt. Abt ist ein Opfer der Zeit, kein Opfer von Müller. Der Konzern hatte das Kaufhaus nach einer Insolvenz 2017 übernommen und versucht, den Namen und das Konzept irgendwie zu erhalten. Letztlich vergeblich, weil Abt nicht mehr in diese Zeit passt. Zumal die großzügige Spielwarenabteilung im Abt des Münsterplatzes im Abt in der Hirschstraße aus Platzgründen verloren ging. Und damit auch ein Anziehungspunkt, den es im Ulm seitdem Aus für Spielwaren Sindel vor Jahrzehnten nur noch mir Gänßlen am Marktplatz gibt.
Was plant Müller: Media-Markt, Textil, Ikea oder ein Autohaus?
Nun stellt sich die Frage, was kommt in den baldigen Ex-Abt: Eine Umgestaltung zu einer weiteren Müller-Filiale komme laut Müller nicht in Frage. Die größte Konzern-Filiale ist ja schräg gegenüber. Die Immobilie soll vermietet oder verkauft werden. Das Gebäude mit seinen vier Stockwerken gilt unter Handelsexperten als schwer zu vermieten, weil im Gegensatz zu früheren Jahren nur noch das Erdgeschoss und maximal die zweite Ebene als attraktiv für die Kundschaft gezählt wird. Diese Erfahrung mussten auch die Investoren der Sedelhöfe machen. Im Gegensatz zu anfänglichen Planungen reichen hier die Geschäfte nicht höher als in den zweiten Stock.
Abt Ulm: Wer zieht hier wohl künftig ein? Foto: Michael Kroha
Bedarf an attraktiven Verkaufsflächen ist in Ulm da. Wer beim Ulmer Citymanagement nachfragt, bekommt zu hören, dass etliche Filiallisten sich gerne in Ulms bester Lage ansiedeln würden. Vor allem große Kleidungsgeschäfte von „Pull and Bear“ bis Zara. Doch der Anspruch der meist weltweit agierenden Modehändler sei außerordentlich hoch.
Ohne eine millionenschwere Sanierung des Ex-Abt, der vor vielen, vielen Jahren für KL-Ruppert auf Vordermann gebracht wurde, wird es nicht gehen. Vermutlich müssen auch die oberen Stockwerke als Handelsflächen verschwinden. Einziehen wird wohl ein großer Name, der bislang nicht in der Fußgängerzone vertreten ist: Darunter könnten auch Markennamen sein, die bislang eher ungewöhnlich für Fußgängerzonen sind, aber durchaus in anderen Städten diesen neuen Vertriebs-Weg suchen: von Media-Markt über Ikea bis hin zu Autoherstellern.
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